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Facelifting für IBM Lotus

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Die diesjährige Lotusphere war wieder in dem hübsch-kitschigen Swan- und Dolphin-Hotel, mitten im Disney-World-Gelände von Orlando. Laut IBM waren knapp 6000 Teilnehmer ins warme Florida gekommen, um sich über die neuen Produkte zu informieren, mit Kollegen, Kunden und Partnern auszutauschen – oder auch nur um für ein paar Tage den teils chaotischen Schneeverhältnissen in Europa und Nordamerikas zu entrinnen.

Wer wegen der Neuheiten oder IBMs neuer Business-Strategie gekommen war, der wurde nicht enttäuscht, denn IBM hat der großen alten Dame Lotus ein kräftiges Facelifting verpasst. Obwohl Lotus nicht immer eine technologisch führende Kommunikationsplattform war, soll es jetzt Facebook und den anderen Social-Media-Seiten in nichts mehr nachstehen – zumindest wenn es um die Nutzung von Social Media und Web-2.0-Technologien in den Unternehmen geht. IBM hat sich dafür den Begriff “Social Business” einfallen lassen, der vielleicht nicht besonders treffend ist – auf jeden Fall aber neu und unbesetzt.

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Konsequenterweise stand auf der diesjährigen Lotusphere in Orlando alles unter dem Motto: “Get Social. Do Business.” Viele Produkt-Neuheiten und -Erweiterungen zeigten deutlich, dass IBM das nicht nur als Marketing-Spruch meint, sondern dass das Unternehmen seine Hausaufgaben gemacht und ein vitales Paket an Business-relevanten Kommunikations- und Kooperations-Tools zusammengeschnürt hat, mit dem sich laut IBMs General Manager Alistair Rennie “eine bislang nicht erreichte Produktivität erzielen lässt”.

Hierzu verwies Rennie auf die inzwischen vielzitierte McKinsey-Untersuchung vom vorigen Herbst. Darin hatte die Beratungsagentur eine Korrelation beim Einsatz von Web-2.0-Technologien und den Performance-Daten eines Unternehmens aufgespürt. Desweiteren gab es eine Reihe an Kunden und Partnern, die bereits von erfolgreichen Lotus-Anwendungen berichteten. Das deutsche Unternehmen “Group Business Software” aus Eisenach erhielt sogar den IBM-Award in der Kategorie “Industrie-Lösungen die Business-Werte schaffen“.

Das Kernstück für IBMs zukünftige “Social Business”-Strategie ist das neue LotusLive Symphony. Dabei handelt es sich um eine Software-as-a-Service-Lösung, ähnlich zu den Google-Apps und Microsofts Office360. IBM sieht sich mit LotusLive aber besser positioniert als die Konkurrenz, da es zum einen seine Online-Version um viele Kooperations-Tools erweitert hat und zum anderen eine hohe Integration mit anderen Software-Paketen anbietet. Hierzu gehören beispielsweise die Analytics von Cognos oder die CRM-Module von SugarCRM. In diesem Zusammenhang bietet IBM unter dem Namen “Social Business Toolkit” auch eine Reihe an Programm-Schnittstellen (APIs) an, über die Partner und Kunden eigene Software-Ergänzungen hinzufügen können.

Besonderes Augenmerk wurde bei LotusLive auf die kooperative Dokument-Erstellung und -Pflege gelegt. So können nicht nur verschiedene Personen gleichzeitig an einem Dokument arbeiten, sondern darüber hinaus auch die Profile der zuständigen Personen sowie Bearbeitungsanweisungen hinzugefügt werden. In diese Dokumente lassen sich per Drag-and-Drop auch Inhalte aus fremden Applikationen, wie Facebook, Twitter, SAP oder Peoplesoft integrieren.

Auch bei der Kommunikation gibt es Verbesserungen. Diese sind ähnlich zu den Funktionen von Chatter von Salesforce und erinnern an die Social-Media-Seiten von Facebook oder LinkedIn. Video-Konferenzen sind ebenfalls per Mausklick möglich.

Bei der mobilen Anwendung von Lotus will IBM ebenfalls die Nase vorne haben. So präsentierte das Unternehmen eine Reihe von mobilen Geräten, über die die Software genutzt werden kann. Hierzu gehörte nicht nur das beliebte iPad von Apple, sondern auch Android-basierte Smartphones sowie RIMs neues Tablet-System PlayBook, das noch gar nicht verfügbar ist “Das PlayBook ist CIO-geprüft – genauso wie Lotus”, sagte RIMs Co-CEO Jim Balsillie und verwies dabei auf die Business-Vorzüge der RIM-Plattform, die sich durch Push-Emails und hohe Sicherheits-Standards auszeichnen.

Neben den vielen harten News überraschte die Entschiedenheit, mit der IBM eine führende Stellung bei der Anwendung von Web 2.0 und Social Media in der Business-Welt anstrebt. Hierzu gehörte auch der Auftritt des zweifachen Oscar-Gewinners Kevin Spacey, der ein ganz persönliches Verhältnis zu IBMs Konferenzthema hat: Spacey ist der Executive Producer des Facebook-Films, der für acht Oscars nominiert ist. Weitere prominente Redner waren der MIT-Professor Andrew McAfee und IBM-Fellow Irene Greif. Beide haben eigene Forschungseinrichtungen, in denen sie sich mit der Ausbreitung und Nutzung von Social Media beschäftigen.

In den persönlichen Interviews mit dem IBM-Management spürte man ebenfalls die Power, mit der IBM dieses Thema besetzen will. So vergleicht Alistair Rennie IBMs Engagement auf diesem Gebiet mit dem von E-Business vor zehn Jahren. “Wir stehen am Beginn einer neuen Zeitrechnung in der Art wie Unternehmen intern und extern kommunizieren; die hierarchischen Silos sind endgültig passé”, sagte er in einem Gespräch mit silicon.de.

Doch sein Kollege Ed Brill, verantwortlich für das Lotus-Produktmanagement, relativiert die Euphorie: “Ich nutze alle internen und externen Kommunikations- und Kooperations-Tools die mir zur Verfügung stehen – trotzdem reise ich im Jahr 100.000 Meilen, denn in vielen Fällen ist ein persönliches Gespräch durch nichts zu ersetzen.”