Die Zamperl-Frage: Carly oder Steve?

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Deutschland wird weiblicher. Das steht nach zwei Wochen allgegenwärtiger Quoten-Diskussion fest. Denn drei Spitzenfrauen haben in dieser Zeit viel für ihre Karriere getan. Und das war ja auch Zweck der Debatte, Frauen auf der Chefetage zu fördern.

Da ist zum einen Ursula von der Leyen. Sie will das Management deutscher Konzerne quotieren, also dass bei den 30 DAX-Konzernen nicht nur vier von 187 Vorständlern Frauen sind, sondern mindestens 57 oder 30 Prozent.

“Die Ministerin hat ein neues großes Thema für sich entdeckt”, urteilen die Kultur-Redakteurinnen Susanne Beyer und Claudia Voigt vom “Spiegel”. Und sowas muss man, wenn man es in der Politik weiterbringen will.

Kristina Schröder hat sich ebenfalls für noch höhere Ämter empfohlen, weil sie den Widerpart zu von der Leyen gegeben hat und dabei nicht auf die Nase gefallen ist, obwohl sie ja noch nicht ganz in der Liga der Arbeitsministerin spielt.

Die Bundeskanzlerin schließlich kann nicht mehr höher hinaus, weil sie schon ganz oben ist. Aber sie hat, indem sie die Diskussion im Kabinett für beendet erklärte, Führungsstärke demonstriert. Das sei wichtig in ihrem Job, sagen alle, die sich darin auskennen.

Soviel zum – für alle Beteiligten erfreulichen – Zwischenergebnis der Debatte. Jetzt aber zur Frage selbst: Warum brauchen wir eine Frauenquote für Führungsposten?

Weil die positiven Auswirkungen “überall zu spüren” wären, schreiben die Spiegel-Feuilletonistinnen, beispielsweise “morgens in den Familien beim Frühstück”. – Es muss ein wunderschönes Frühstückszimmer sein, in dem man auf so etwas kommt, eines mit Ausblick auf die Kommandohöhen von Wirtschaft und Staat.

Die meisten frühstücken ja anders. Sie sorgen sich dabei vielleicht, ob sie bei dieser Arbeitsmarktlage die Hypotheken fürs Haus noch lange bedienen können oder – eine noch unkreativere Situation – wie sie mit einem Minijob über die Runden kommen sollen. Und ganz viele sorgen sich wegen des Ärgers, den der Chef anschließend in der Arbeit sicherlich wieder machen wird. Auch unter den Beschäftigten der IT-Branche gibt es etliche, die so frühstücken.

Für sie übersetzt lautet die Frage: Hättest du lieber Steve (Steven Paul Jobs) oder Carly (Cara Carleton Sneed Fiorina) als Chef? So stellt sie sich einem auf den ersten Blick, wenn man nicht führt, sondern ständig von jemandem geführt werden soll.

Cara Carleton war von 1999 bis 2005 CEO des heute umsatzstärksten IT-Konzerns der Welt. In der Zeit notierte sie bei Fortune als mächtigste Frau der Wirtschaft. Danach hat sie ihre Autobiographie veröffentlicht. Deutscher Titel: “Mit harten Bandagen”.

Hans-Jürgen Jakobs schrieb darüber in der “Süddeutschen Zeitung” (vom 17.1.2011), es sei ihr dabei in erster Linie darum gegangen “ihr Image als Furie der amerikanischen Wirtschaft” zu korrigieren. Und weiter: “Sie habe mit Interesse männliche Kollegen beobachtet, die Leute feuerten und als ‘entschlossen’ bezeichnet wurden.” Unter Cara Carleton’s Führung hat dann Hewlett-Packard 15.000 Leute entlassen.

Steven Paul wiederum ist seit 1997 CEO von Apple. Mit ihm als Chef hat sich der Konzern zum Unternehmen mit höchster Börsenkapitalisierung in der Branche entwickelt.

Über ihn hat Robert Sutton geschrieben. Der ist Professor an der Stanford University und Verfasser des Buches “Der Arschloch-Faktor: Vom geschickten Umgang mit Aufschneidern, Intriganten und Despoten in Unternehmen”.

Im “Stern” (vom 11.3.2007) meinte er zum Thema: “Es kann, wie etwa die Karriere von Apple-Chef Steve Jobs zeigt, Firmen möglicherweise zu Gewinnern machen, wenn sie ein Arschloch beschäftigen.”

Von wem also soll man sich führen lassen wollen, von einer Frau oder einem Mann? So stellt sich die Quoten-Frage für gewöhnliche Menschen konkret dar. Und das Beispiel zeigt, wie schwer sie zu beantworten ist.

Sie entfaltet geradezu theologische Dimensionen. Denn wer so blöd fragt, bekommt als Antwort bestenfalls die Geschichte von der Unmöglichkeit irdischen Glücks.

Nur die Religion hilft da weiter, die von Steven Paul. Der ist ja Buddhist. Und im Buddhismus gibt es die Wiedergeburt.

Wer daran glaubt und meint, dass er unbedingt Führung braucht, der hat möglicherweise Glück: Wenn’s mit dem Nirwana mal wieder nicht geklappt hat, dann reinkarniert er vielleicht als Dackel und wird täglich Gassi geführt.

Und dann kann er sich seinen Zamperl-Kopf über die Frage aller Fragen zerbrechen: Mit wem ist Gassi-gehen denn eigentlich schöner – mit einem Herrchen oder einem Frauchen?

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