Die CeBIT in der Cloud

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Bundeskanzlerin Angela Merkel und der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan haben die CeBIT eröffnet. Die Messe steht ganz und gar im Zeichen der Cloud. Der Bitkom sieht darin eine “Evolution der Technik und eine Revolution des Business”. Anbieter wie Microsoft und die Software AG zeigten neue Cloud-Produkte.

Merkel betonte in ihrer Rede die gesellschaftliche Bedeutung der IT. Als Beispiel nannte sie den Wandel in der arabischen Welt und die Rolle von Facebook sowie Twitter – von WikiLeaks und dem Guttenplag-Wiki war dagegen keine Rede. Erdogan setzte in seiner Rede als Vertreter des diesjährigen Partnerlands auf Emotionen. “Wir lieben Sie”, sagte er stellvertretend für 78 Millionen Türken, bemängelte aber auch, dass Türken Visa benötigen, um nach Deutschland einzureisen.

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Als übergreifendes Thema bewirbt die Messe dieses Jahr Cloud Computing. “Cloud Computing ist der Megatrend im Hightech-Sektor. Er wird die ITK-Branche tiefgreifend verändern”, sagte Bitkom-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer in Hannover. Nach Angaben des Bitkom wird der Cloud-Umsatz mit Geschäftskunden und Privatverbrauchern in diesem Jahr um rund 55 Prozent auf insgesamt 3,5 Milliarden Euro steigen.

Bis 2015 wird der Cloud-Markt demnach auf 13 Milliarden Euro zulegen. Dann werden etwa 10 Prozent der gesamten IT-Ausgaben in Deutschland auf diese Technologie entfallen. Im vergangenen Jahr waren es nur 1,5 Prozent. Das Wachstum ist durchgängig zweistellig und soll auch 2012 noch bei 51 Prozent liegen. Das ergab eine aktuelle Studie der Experton Group, die der Bitkom anlässlich der Messeeröffnung vorstellte.

Die Nachfrage kommt etwa zu gleichen Teilen von Geschäftskunden und Privatleuten. 1,9 Milliarden Euro Umsatz entfallen derzeit auf den Geschäftskundenbereich, die Wachstumsraten liegen laut Experton-Studie in diesem Segment aktuell bei 70 Prozent. Bis 2015 sollen sich die Cloud-Umsätze im Business-Sektor auf 8,2 Milliarden Euro vervierfachen. Der größte Umsatzbringer im B2B-Segment ist Software-as-a-Service (SaaS).

Privatverbraucher geben derzeit 1,6 Milliarden Euro für Cloud Computing aus. Jeder fünfte Internet-Nutzer in Deutschland nimmt bereits kostenpflichtige Cloud-Dienste in Anspruch. Dazu gehören beispielsweise Speichermöglichkeiten im Netz, kostenpflichtige Leistungen sozialer Netzwerke oder Online-Spiele. In fünf Jahren wird fast jeder zweite (45 Prozent) Internetnutzer kostenpflichtige Dienste aus der Cloud beziehen. Die Umsätze mit Privatkunden werden bis dahin auf über 6 Milliarden Euro klettern.

Wie eine Umfrage von Aris Umfrageforschung im Auftrag des Bitkom ergab, speichert derzeit jeder dritte User private Daten in der Cloud oder pflegt dort seinen Terminkalender beziehungsweise sein Adressbuch. Allerdings kennt nur jeder achte Internet-Nutzer den Begriff. “Viele Menschen nutzen Cloud Computing, doch kaum einer weiß es”, sagte Scheer.

Viele CeBIT-Aussteller stellen das Thema Cloud Computing denn auch in den Mittelpunkt ihres Messeauftritts. Zwei Branchengrößen, Microsoft und die Deutsche Telekom kündigten an, die CeBIT für den Start eines gemeinsamen Cloud-Angebots zu nutzen. Es richtet sich an Banken und Versicherungen, die Automobil- und Zuliefererindustrie sowie die Energiewirtschaft. Unternehmen dieser Branchen sollen mit Cloud-Lösungen die Kommunikation und die Zusammenarbeit der Mitarbeiter erhöhen. Microsoft bringt die Produkte Office, Exchange, Lync und SharePoint ein. T-Systems stellt die Software über seine deutschen Rechenzentren zur Verfügung und sorgt für die Integration in die IT-Landschaft der Kunden.

Microsoft gab zudem bekannt, Ende März den Cloud-basierten PC-Management-Service Intune für Unternehmen zu starten. Über den Cloud-Dienst automatisiert der Hersteller das Aufspielen neuer Updates und sorgt außerdem mit aktueller Viren-Software für sichere PCs. Der Dienst wacht außerdem über die Einhaltung von Sicherheitsrichtlinien und gibt zudem eine Übersicht über die PCs. Bei Problemen können Administratoren per Fernzugriff über Intune auf den betroffenen PC zugreifen.

Das Angebot richtet sich an kleine und mittelständische Unternehmen und der Service werde ab März für 11 Dollar pro Monat und Nutzer zu haben sein. Europreise sind derzeit noch nicht bekannt. Auch Unternehmen mit einem weiten Filialnetz könnten von Intune profitieren heißt es von Microsoft.

CEO Karl-Heinz Streibich und Merkel auf der CeBIT, Bild: Software AG
CEO Karl-Heinz Streibich und Merkel auf der CeBIT, Bild: Software AG

Die Software AG kündigte die Lösung Cloud Ready an, die im dritten Quartal auf den Markt kommen soll. Das Produkt enthält Komponenten für Modellierung, Prozessmanagement, Service-orientierte Architektur und Cloud-Integration. Nutzer von BPMS-, SOA- und Integrationsprodukten der ‘webMethods’-Reihe erhalten damit die Möglichkeit, Entwicklungs-, Test- und Produktions-Umgebungen in der Cloud zu betreiben. ARIS-Anwender können bei Design-, Simulations-, Publikations- und Überwachungsarbeiten im Rahmen von Prozessänderungen zusammenarbeiten.

Nach Angaben des Herstellers können ARIS und webMethods mit Cloud Ready auf Cloud-Plattformen wie ‘Amazon EC2′ oder VMware betrieben werden. Cloud-Ready-Anwender können Integrations- und Prozesslösungen aus der Cloud und auf firmeneigenen Rechnern in Hybrid-Szenarien kombinieren. On-Premise-Anwendungen und SaaS-Angebote wie Salesforce oder Google lassen sich integrieren. Für die Durchführung von Cloud-Projekten bietet die Software AG zudem ‘Cloud Ready Services’ an – eine Kombination aus Software und Beratungsleistungen. Die Services beinhalten die Formulierung einer Strategie, die Digitalisierung von Prozessen und die Analyse unternehmensweiter Cloud-Anforderungen.

Die größte Sorge in Bezug auf die Cloud-Nutzung sind derzeit Sicherheitsbedenken. Eine Möglichkeit, diese Bedenken auszuräumen, sehen offizielle Stellen darin, Cloud Computing “nationaler” zu machen – sprich, nicht alle Daten zu den großen Anbietern wie Amazon und Google über den großen Teich zu verlagern. In diese Richtung gehen Bemühungen wie die Cloud-Computing-Allianz der Fraunhofer-Gesellschaft und der im September 2010 vom Bundeswirtschaftsministerium ausgeschriebene Cloud-Wettbewerb. Dieser steht unter dem Motto ‘Sichere Internet-Dienste – Sicheres Cloud-Computing für Mittelstand und öffentlichen Sektor (Trusted Cloud)’. Er ist Teil eines breiteren, Anfang Oktober 2010 offiziell vorgestellten Aktionsprogramms Cloud Computing.

In dessen Rahmen findet auf der CeBIT in Halle 4 auch die Sonderschau Cloud Computing World statt. Dort werden ausgewählte Pilotprojekte aus dem Wettbewerb vorgestellt. Außerdem gibt es ein umfangreiches Vortragsprogramm. In dem Sonderbereich mit Vortragsprogramm sind unter anderem Atos Origin, Cisco, Computacenter, Dell, EMC, Fujitsu, Hewlett-Packard, IBM, NetApp, Salesforce, Siemens und SAP vertreten. Damit können sich interessierte Anwender dort tatsächlich einen guten Überblick über Angebote und Strategien der Firmen verschaffen, die am lautesten für die Cloud trommeln.

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