Zehn Jahre Silicon Saxony

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Viel Licht und etwas Schatten – so kann man die zehn Jahre des Branchennetzwerkes Silicon Saxony zusammenfassen. Vor zehn Jahren gegründet, repräsentiert der Verein heute 270 Partner, die 4 Milliarden Euro umsetzen. In den kommenden zehn Jahren wollen die Mitglieder zusammenrücken, um sich gegen die Konkurrenz behaupten zu können.

Der Ausdruck Silicon Saxony geht auf den US-Journalisten Richard Hornik zurück. Im ‘Time Magazine’ erschien am 27. April 1998 sein Artikel mit der Überschrift “Silicon Saxony – One eastern German state is working hard to create an economic miracle of its own”. Diesen Artikel las auch die Physikerin Gitta Haupold, damals Leitern des Technologiezentrums Dresden-Nord. 1999 sah Haupold auf einer Messe eine Präsentation aus Österreich mit dem Titel ‘Silicon Alps’. So enstand die Idee, in Sachsen ein Firmen-Netzwerk zu gründen, das die Interessen der lokalen Chip-Branche gebündelt zur Geltung bringt. Am 19. Dezember 2000 gründeten 20 Partner – darunter Infineon – den Silicon Saxony e.V..

Heute hat der Verein 270 Mitglieder: Unternehmen, Institute, Universitäten und Hochschulen. Nach eigenen Angaben beschäftigen die Mitglieder 35.000 Mitarbeiter und setzen pro Jahr 4 Milliarden Euro um. Silicon Saxony repräsentiert heute den wichtigsten Halbleiterstandort Europas – jeder zweite europäische Chip wird in Dresden hergestellt.

Für die kommenden zehn Jahre sieht sich das Netzwerk gut gerüstet. “Die letzten Jahre waren von Veränderungen und neuen Herausforderungen geprägt”, sagte Silicon-Saxony-Vorsitzender Heinz Martin Esser am 8. März auf einem Festakt in Dresden. “Doch die Branche ist daraus gestärkt herausgekommen und befindet sich auf einem guten Weg.” An Menschen, die sich um den Mikroelektronik- und Technologiestandort Sachsen verdient gemacht haben, vergibt der Verein künftig den ‘Silicon Saxony Award’. Erster Preisträger ist der ehemalige sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf. Biedenkopf habe in den 90er Jahren entscheidend zur Ansiedlung von Siemens (1994, später Infineon) sowie AMD (1995, später Globalfoundries) beigetragen, hieß es zur Begründung.

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Mit “Veränderungen” könnte Esser auch die Insolvenz von Qimonda im März 2009 gemeint haben. 4000 Stellen in Dresden und München gingen verloren. Zwar geht es der Chip-Branche inzwischen weitaus besser, doch Silicon Saxony muss auf der Hut sein, um im volatilen Geschäft mithalten zu können.

Im Auftrag der Stadt Dresden hat der Essener Unternehmensberater Trend Consult den Mikroelektronik- und ITK-Cluster Dresden im März 2008 mit einer SWOT-Analyse untersucht und Empfehlungen ausgesprochen. Nationale und internationale Entwicklungen in der Mikroelektronikbranche hätten die Rahmenbedingungen für den Standort seit der letzten Studie im Jahr 2002 verändert, sagte Jürgen Gießmann, einer der Autoren. “Sinkende Fördermittelzuschüsse, Kostenvorteile und steigende Marktvolumen in asiatischen Regionen haben vor dem Hintergrund des zu erwartenden Fachkräftemangels im Inland zu einer Wettbewerbssituation geführt, die allen Entscheidungsträgern einschließlich des Bundes und der EU dringenden Handlungsbedarf abfordern.”

Dresden müsse seine Stärken weiter ausbauen – zum Beispiel die hohe Kompetenz bei Embedded Systems, im Engineering und in der Kombination von Hardware– und Software-Komponenten für den Dienstleistungssektor. Die Dresdner Fabs seien Spezialisten für Fertigungstechnologien im Bereich Nanoelektronik, die weitere Wettbewerbsvorteile bringen könnten. Zur Grundlagenforschung im Software-Bereich wurde die Gründung eines entsprechenden Institutes angeraten. Als größtes Problem nannte Trend Consult, dass “Leuchtturm-Unternehmen” mit Neuinvestitionen abwandern könnten.

Zu den offenen Fragen gehört: Kann sich die Region von ihrem Vorbild Silicon Valley emanzipieren oder wird sie zur bloßen Kopie, die mit ihrer Bezeichnung dazu beiträgt, den Ruhm des Vorbilds zu mehren? Und: Wie kann sich Silicon Saxony von anderen “Silicon Somewheres” unterscheiden? “All over the world, public authorities are trying to build the next Silicon Valley”, schrieb Gert-Jan Hospers im März 2008. Zu den Silicon Somewheres gehören unter anderem: Silicon Bog – Limerick (Irland), Silicon Fen – Cambrigde (England), Silicon Kashba –Istanbul, Silicon Plateau – Bangalore, Silicon Seaside – Norwegen, Media Valley – Inchon (Süd-Korea), Shalom Valley – Israel und Telecom Valley – Minas Gerais (Brasilien).

Um sich behaupten zu können, will Silicon Saxony jetzt zusammenrücken. Eine Stärke der Region sei die Kooperationsbereitschaft und Vernetzung von Firmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen, sagte Silicon-Saxony-Vorsitzender Esser. “Der so erzeugte Wissens- und Technologievorsprung ist unser Wettbewerbsvorteil. Damit dies auch so bleibt, müssen wir das künftig mehr in die Waagschale werfen. Nur so können wir uns gegenüber der Konkurrenz aus Asien behaupten.” Ein Beispiel dafür sei das in die zweite Förderphase gestartete Spitzencluster Cool Silicon.

“Das hat Modellcharakter, wie am Standort ansässige Akteure künftig größere Wirtschafts- und Forschungsprojekte gemeinsam umsetzen”, sagte Helmut Warnecke, Geschäftsführer von Infineon Dresden und Silicon-Saxony-Vertreter im Cool-Silicon-Vorstand. Außerdem gebe es am Standort Kompetenzen, um sich bei weiteren Themen zusammenzuschließen und diese auf Weltniveau voranzubringen – darunter in Sachen Cyber Physical Systems, E-Mobilität, OLED und Halbleiter-Biochips.

“Das Spitzencluster zeigt, dass sich unterschiedliche Partner einem Ziel verschreiben und es erfolgreich umsetzen können”, so Warnecke. Die Erfahrungen liessen sich auf weitere Projekte übertragen. “Letztlich muss es Ziel sein, die Kooperation zwischen Leuchttürmen, kleinen und mittelständischen Unternehmen und den Forschern in unternehmensgleichen und schlagkräftigen Zweckgemeinschaften weiter auszubauen. Wenn uns dies gelingt, hat der Silicon Saxony einen Vorteil im weltweiten Konkurrenzkampf.”

Im Sommer steht für Warnecke das nächste Jubiläum an – dann feiert die sächsische Halbleiterbranche 50 Jahre Mikroelektronik in Dresden. Der visionäre Physiker Werner Hartmann hatte im August 1961 die ‘Arbeitsstelle für Molekularelektronik’ (AME) gegründet – die Keimzelle des heutigen Silicon Saxony.

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