Oracle enttäuscht Anwender mit Virtualisierungslizenzen

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Offensichtlich versucht Oracle über ein Lizenzmodell, die eigene Virtualisierungslösung gegenüber anderen Lösungen besser zu stellen. Wie jetzt bekannt wurde, wird das auch so bleiben.

Knapp 90 Prozent aller Mitglieder bei der DOAG (Deutsche Oracle-Anwendergruppe) sind mit dem Lizenzmodell zur Virtualisierung von Oracle unzufrieden, wie der Verein in einer Mitgliederbefragung im Oktober zeigte. Doch auch nach “längeren und intensiven Diskussionen sowohl mit Oracle Deutschland als auch mit den Oracle Headquarters in Redwood Shores” wolle der Hersteller bei der derzeit praktizierten Lösung bleiben.

Wie der Verein mitteilt, gab Jeb Dasteel, Senior Vice President und Chief Customer Officer, die Auskunft, dass “Oracle keine Änderungen der Lizenzierungsregeln beim Einsatz von x86-Virtualisierungslösungen plane und in Erwägung ziehe”.

Die Anwender stoßen sich daran, dass Oracle die x86-Virtualisierungslösungen von Drittherstellern wie VMware, Microsoft oder Citrix als Soft-Partitionierung einstuft. Daher müssen Oracle-Produkte für einen ganzen Server oder Serververbund lizenziert werden, ungeachtet dessen, wie groß die Partitionierung tatsächlich ist.

Im x86-Umfeld erkennt Oracle lediglich Oracle VM und die mittlerweile ebenfalls zu Oracle gehörenden Solaris Container als Hard-Partitioning an, sodass bei diesen beiden Virtualisierungslösungen nur die zugewiesenen Prozessoren lizenziert werden müssen. Die DOAG forderte eine Gleichbehandlung aller x86-Virtualisierungslösungen, was aber Oracle inzwischen kategorisch ablehnte.

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Von dieser Regelung sind jedoch die meisten Anwender betroffen. Fast 90 Prozent der DOAG-Mitglieder setzen Virtualisierungstechnologien ein und davon wiederum nutzen knapp 80 Prozent die Lösungen von VMware. 8,6 Prozent nutzen Oracle VM, 0,4 verwenden Microsoft HyperV, 2,1 Prozent nutzen Xen und 9,3 Prozent verwenden Produkte anderer Hersteller. Doch Oracles aktuelle Entscheidung hat nicht nur Folgen für die Anwender:

“Die DOAG sieht auch die Gefahr, dass aufgrund der aktuellen Lizenzierungsregelungen bezüglich der x86-Virtualisierung Kunden aktuelle und zukünftige Entscheidungen zugunsten anderer Hersteller fällen”, so Michael Paege, DOAG-Vorstand und Leiter des Competence-Centers Lizenzfragen. “Mehr als 70 Prozent der Teilnehmer an unserer Umfrage ziehen diese Option in Erwägung.”

“Unsere Aktivitäten, uns für die Wünsche der Mitglieder einzusetzen, sind bei Oracle auf wenig Verständnis gestoßen”, ergänzt Dr. Dietmar Neugebauer, Vorstandsvorsitzender der DOAG. “Oracle versucht, den Einsatz der eigenen Virtualisierungslösung zu erzwingen, kann damit aber wichtige Marktanteile an die Konkurrenz verlieren.”

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