IT-Investitionen ohne System

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Unternehmen blicken bei ihren IT-Investitionen häufig ausschließlich auf den Einzelfall und lassen dessen mögliche Auswirkungen auf weitere Projektvorhaben außer Acht. Nach einer Studie der Ardour Consulting finden sich fundierte, einheitliche Verfahren zur Auswahl von IT-Projekten gerade einmal bei jedem zweiten Anwender.

Grafik: Ardour Consulting
Grafik: Ardour Consulting

Ardour Consulting hat nach eigenen Angaben 166 Mittelständler und Konzerne mit über 100 Millionen Euro Umsatz befragt. “Ich bin verwundert, dass vielfach nicht einmal verbindliche Methoden bestehen, um Auswahlentscheidungen für IT-Projekte zu treffen”, sagte Ardour-Geschäftsführer Michael Maicher. Solche Verfahren, in denen der zu erwartende Nutzen von Investitionen nach Bewertungskriterien ermittelt wird, würden in voller Konsequenz lediglich von jedem sechsten Unternehmen eingesetzt. Ein weiteres Drittel nutze solche Methoden teilweise, alle anderen seien weit von systematischen Vorgehensweisen entfernt.

Dies trage möglicherweise dazu bei, dass IT-Projekte in der Praxis häufig scheitern, weil sich der Nutzen nicht eindeutig ermitteln lasse. Zu dieser kritischen Selbsterkenntnis komme fast jeder zweite befragte IT-Manager. Lediglich ein knappes Drittel gebe zu Protokoll, dass eine IT-Maßnahme wegen unzureichender Nutzenperspektiven vorzeitig beendet werde und die Investitionen abgeschrieben werden müssten.

Etwas besser sieht es demnach bei der Frage aus, ob Projekte häufiger deshalb nicht den vollständigen Nutzen generieren können, weil die Change-Prozesse nicht verantwortlich definiert seien. Hier gaben 44 Prozent an, dass die Quote solcher Projekte unter zehn Prozent liege. In jedem fünften Fall ist davon jedoch ein Drittel der IT-Maßnahmen betroffen. Noch ungünstiger ist die Situation in jedem zehnten Unternehmen, wo in der Regel mehr als ein Drittel der Projekte darunter leidet, dass die Verantwortlichkeiten für Veränderungen nicht geklärt werden.

“Unternehmen stellen sehr komplexe Gebilde dar. Deshalb verwundert es, mit welch isoliertem Blick auf die Einzelinvestitionen technische Innovationen geplant werden”, so Maicher. “Jede technologische Veränderung hat auch Konsequenzen für das strukturelle, organisatorische oder personelle Umfeld. Diese Wirkungen müssen im Rahmen des Value Management vor den Investitionsentscheidungen genau analysiert werden, um Nutzeneinbußen bei den Projekten zu vermeiden.”

Grafik: Ardour Consulting
Grafik: Ardour Consulting

Doch davon seien die meisten Unternehmen noch weit entfernt. Schließlich nutze nur ein Drittel Ursache-Wirkungs-Ketten, um systematisch die Nutzeneffekte sowie negative Rückkopplungen von Investitionen zu ermitteln. “Die Optimierungspotenziale lassen sich finden, wenn die vielfältigen Einflussbeziehungen transparent gemacht werden”, sagt Maicher. Er empfiehlt, Investitionen ab einer gewissen Größenordnung von einem unabhängigen Team durch verpflichtende Vorstudien einheitlich und strukturiert auf ihren Nutzenbeitrag untersuchen und bewerten zu lassen. Dieses interdisziplinäre Team sollte sich je nach Unternehmensorganisation aus Experten des CIO-Bereichs, des Controllings und der Organisationsentwicklung zusammensetzen. “In jedem Fall muss dieses Konzept für alle IT-Projekte gelten und dies erfordert eine konsequente Unterstützung durch die oberen Management-Etagen.”