CIO-Jury: Sind Google Apps eine Option?

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Cloud Computing ist in aller Munde, aber kann Google mit diesem Delivery-Modell auch Microsoft Office zur Konkurrenz werden? Wir haben daher unsere CIO-Jury gefragt, ob Google Apps für sie ein Thema ist, oder ob bereits erste Evaluierungen stattfinden.

Die Mehrzahl der Juroren erkennt bereits vor einer eingehenden Evaluierung, dass das Cloud-basierte Office, Mail und Calender nur bedingt für den Einsatz im eigenen Unternehmen taugen. Verfügbarkeit, Rechtssicherheit, Datensicherheit, Leistung und Funktionstiefe werden als die wichtigsten Bedenken genannt.

Einige CIOs der Jury prüfen jedoch einen Einsatz. Christoph Grewe-Franze, CIO bei Weleda etwa erklärt: “Wir sind in der Pilotierung für Google Apps in den Niederlanden.” In der niederländischen Niederlassung unterhält das Unternehmen derzeit rund 80 Arbeitsplätze. Wenn sich der Service bewähre, “ist an einen weiteren Rollout gedacht”. Für Google Apps spreche die “hoch funktionale Anwendung” sowie die Tatsache, dass “Kollaboration quasi aus der Steckdose” zu haben sei. Grewe-Franze sieht aber auch noch Nachholbedarf und verlangt in der Lösung eine genauere Regelung, was per Mail versendet werden darf und was innerhalb der Core-Applikationen bleiben muss.

Daher kommt aus Linz von dem Batteriehersteller Banner auch ein deutliches “NEIN” zum Einsatz von Google Apps von CIO Christian Ott. Nicht ganz so eindeutig ist die Antwort von Andras Reuter, CIO bei Senator Promotion: “Unternehmensweit spielen die Google Apps schon aus datenschutzrechtlichen Bedenken derzeit keine Rolle. In einzelnen Teilbereichen jedoch laufen singuläre Tests, inwieweit die Apps eine Ergänzung darstellen können.”

Interesse an Cloud-basierten Lösungen gibt es auch bei der VMS AG: “Wir prüfen in recht kurzen Abständen alle Arten solcher Online-basierten Services, sei es Google Apps oder andere Google-Angebote, aber auch Microsoft Azure-basierte Services oder andere ‘light-weight’-Service-Lösungen wie Drop-Box, Evernote oder Huddle.” VMS-Vorstand Ralph Treitz sieht aber auch die Risiken solcher Lösungen: “Insbesondere was Bearbeitung und Speicherung von Dokumenten angeht, bleibt die unklare Sicherheit der Vertraulichkeit von Dokumenten gegenüber dem Service-Provider ein Problem. Die technische Sicherheit der Aufbewahrung an sich – was man aktuell das Sony-Problem nennen könnte – müsste man ausführlicher diskutieren. Hier gibt es ähnlich viele Vorteile wie Gefahren.”

Neben Sicherheitsbedenken bringen diese Online-Lösungen noch weitere Nachteile mit sich: “Größtes Manko der Online-Angebote ist aber die Kombination mit Laptops und mobilen Devices. Always High Speed Online ist leider nicht gegeben. Nicht an jedem Ort, nicht im Zug, nicht zu jeder Zeit. Und wenn die lokale Bearbeitung anders aussieht als die Remote Bearbeitung, dann mag das der Anwender nicht wirklich. Daher haben bei uns für Grundbedürfnisse wie die Bearbeitung von Dokumenten derzeit die klassischen lokalen Tools noch die Nase vorn.”

Auch Bernd Hilgenberg, Ressortleiter IT bei Fressnapf, will derzeit Google Apps nicht in die Geschäftsprozesse einbeziehen. Dabei beschränkt er sich jedoch auf die Office-Komponenten und auf Google Mail: “Wir haben Google Maps in unsere Web-Service für unsere Kunden mit eingebunden.” Solche hoch standardisierten Services, die keinen Transfer von Geschäfts-Know-how mit sich bringen, sind für Hilgenberg ein geeignetes Einsatzfeld von Cloud-basierten Lösungen. Abseits solcher ‘unkritischer’ Felder sei der Einsatz von Google Apps “aktuell nicht vorstellbar”.

Dr. Andreas H. König, CIO der ProSiebenSat.1 Media AG, sieht durch Google Apps die Produktivität seiner Mitarbeiter gefährdet: “Wir haben den Einsatz der Google Apps erwogen.” Die Prüfung habe aber gezeigt, dass der Reifegrad der verfügbaren Funktionalitäten derzeit nicht den Anforderungen entsprechen. König nennt als Beispiel die Controlling-Einheiten im Finance-Bereich, wo heute immens große Spreadsheets auf lokal installierter Office Software bearbeitet werden. “Mittels Tastaturkommandos werden dabei sehr effizient eine Vielzahl komplexer Bearbeitungsschritte in Echtzeit durchgeführt – was bei den Google Apps durch den abgespeckten Funktionsreichtum und die Geschwindigkeitsverzögerung durch die Onlineverwendung eben nicht funktioniert.”

Eine weitere Absage an Google Apps, allerdings mit einer ganz anderen Begründung, kommt von der AGA Service Deutschland GmbH, der ehemaligen Mondial Assistance Deutschland, von CIO Martin Michael: “Für uns spielt das Thema Google Apps derzeit keine Rolle. Der Grund liegt darin, dass wir vor allem für interne Zwecke Software schreiben und dadurch auf eigene Frameworks zurückgreifen.”

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