Computer-Antiquitäten auf dem Vintage Computer Festival

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Die Rechner, die auf dem Vintage Computer Festival Europe ausgestellt werden, dürfen nicht jünger als 10 Jahre sein. Neben der Hardware aus den Kinder- und Jugendtagen der Computerei ergänzen auch einige Fachvorträge und Wettkämpfe das Festival, das jetzt zum zwölften Mal in München stattfand.

Das Vintage Computer Festival Europe (VCF) 12.0, das in München vom 30. April bis zum 1. Mai stattfand, hatte einen Themenschwerpunkt: Wer schafft die meisten Benchmarks mit der Programmiersprache Forth. Als Preis für den Wettbewerb winkte Plüschdrache ‘Swap’, das Maskottchen der Forth-Programmierer.

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Wenn auch die Hardware, die dabei getestet wurde, seit Jahren keine Rolle mehr spielt, so wird die Programmiersprache Forth, die Voraussetzung für den Benchmark war, auch heute noch verwendet, wie Forth-Spezialist Carsten Strotmann bei seinem Vortrag erklärte.

Gerne findet man Forth heute noch in Getränkeautomaten oder in Kühlanlagen für Bäckereien. Das Tsunami-Warnsystem in Indonesien etwa verwendet in den Messbojen Forth und auch die Marssonde wurde teilweise mit Forth gesteuert. Der Grund: Die Programmiersprache lässt sich auch nach der Installation noch Patchen und aktualisieren. So konnte die Marssonde gestartet werden und die Zeit der Reise zu dem entfernten Planeten für die Entwicklung der wissenschaftlichen Experimente genutzt werden.

Bei dem Benchmark sei es jedoch nicht darum gegangen, wer den schnellsten Rechner hat, sondern wer die meisten Benchmarks durchführt. Hans Franke, Gründer und Organisator des VCF, im Gespräch mit silicon.de: “Wir hatten Teilnehmer, die ihre Benchmarks auf C64, auf alten Sun-Workstations durchgeführt haben.” Für Aufsehen habe ein Teilnehmer gesorgt, der Forth auf einem aktuellen Nokia N900 installiert hatte, und darüber die Benchmarks durchgeführt hatte. In München grassiert das Forth-Fieber. Für je drei erfolgreiche Benchmarks gab es ein Los und schließlich wurde ein Gewinner ausgelost.

Der Anklang sei aber so groß gewesen, erklärt Franke, dass man das Projekt weiterführen werde. Dazu ist auch die Webseite “The Ultimate Benchmark” geplant, die in den nächsten Wochen online gehen soll. Derzeit verlinkt die Seite noch auf ein Atari-Wiki.

Daneben gab es natürlich auch über 40 Aussteller. Die nutzten die Gelegenheit, um zum Beispiel den PC 532, den wohl “bestdokumentierten Computer der Welt” und vermutlich die erste Open Source Hardware überhaupt mit einem NS32532-System kompatibel zu machen oder um den Kleincomputer KC85/4, das “Modular Monster” im Vollausbau zu zeigen.

Insgesamt seien diesmal 450 Eintrittskarten ausgegeben worden, das seien “dreimal so viele wie in den vergangenen Jahren”, so Franke. Damit habe das Festival zum ersten Mal seit Bestehen “eine schwarze Null” geschrieben. Franke, der seit 30 Jahren die unterschiedlichsten Systeme programmiert, will mit der Veranstaltung vor allem ein breites Publikum ansprechen und dabei auch gezielt Kinder und Jugendliche, die sich nicht nur für die Spielhallen-Automaten interessieren, sondern sich auch an 3D-Eingabegeräte an einer alten Sun-Workstation festsetzen können.

Und so sind auch die Exponate sehr bunt gemischt und reichen von einem Apple 1-Clone über den Atari Gauntlet, an dem bis zu vier Personen spielen können, bis zu einem Eurokarten-Bausatzrechner der Computerzeitschrift c’t aus dem Jahre 1986 oder einem Robotron-Kasettenlaufwerk von dem es vermutlich kein Dutzend Exemplare mehr gibt.

Die Veranstaltung war so erfolgreich, dass es wahrscheinlich im Herbst ein VCFe im Züricher Raum geben wird. Das nächste VCF in München wird am 28./29.4.2012 stattfinden. Franke ist leidenschaftlicher Sammler von alten Rechnern und will seine über 1500 Rechner zählende Sammlung gerne in ein Museumsprojekt am besten im Raum München überführen, für das er noch Mitstreiter und Freiwillige sucht.

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