SAP: Vorgepackte Lösungen werden Standard

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Abseits der SAP-Hype-Themen wie Mobility, Analytics und In-Memory oder ByDesign versucht das Unternehmen auch in die traditionellen Kernbereiche weiter zu entwickeln, allerdings etwas weniger publikumswirksam. Dabei geht es auch darum, wie sich komplexe Lösungen möglichst schnell beim Kunden anbringen lassen. Ein Thema, das zur Überlebensfrage werden kann.

SAP treibt dieses Thema schon seit den späten 90gern voran. Was damals SAP ASAP (AcceleratedSAP) hieß, wird heute als Rapid-Deployment Solutions (RDS) angepriesen. Seit Beginn des neuen Jahrtausends bietet SAP auch die so genannten Best Practices, allerdings war diesem Programm nicht ganz so viel Echo beschieden, was vielleicht auch daran lag, dass SAP nicht allzu laut gerufen hatte.

Sowohl ASAP als auch Best Practices aber legten den Grundstein für RDS, wie der SAP Vice President of Solution Marketing, Bill Bowers, in einem Interview anlässlich der Sapphire in Orlando erklärte. RDS sei so etwas wie die nächste Ausbaustufe von ASAP: “Wir haben gelernt, wie man Lösungen verpackt und sie einfach handhabbar macht und wir haben Lösungen gebaut, die auch für größere Enterprise-Kunden geeignet sind.” Offenbar haben auch die Erfahrungen aus den All-in-One-Programmen eine gewisse Rolle bei den Entwicklungen der Lösungs-Beschleuniger gespielt.

Doch nach wie vor scheinen diese Initiativen – so wichtig sie auch sind – zu wenig sichtbar zu sein. Auf der Sapphire war es für SAP aber immerhin eine kurze Meldung wert, dass RDS jetzt auch für die In-Memory-Technologie zu haben ist. Das sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Initiative, welchen Namen sie auch tragen mag, für SAP und Anwender von großer Bedeutung ist.

Wie der US-Blogger Michael Krigsman, der sich bei ZDNet in erster Linie mit gescheiterten IT-Projekten beschäftigt, festhält, scheint sich bei SAP aber mehr und mehr der Gedanke durchzusetzen, dass ein Programm für eine schnelle und effiziente Implementierung einen Wettbewerbsvorteil darstellt. So hatte zum Beispiel Jim Hagemann Snabe, Co-CEO bei SAP, dem der Bereich RDS direkt untersteht, RDS in seiner Keynote erwähnt und damit die Wichtigkeit unterstrichen.

Seit Einführung von RDS im September vergangenen Jahres hat SAP bereits 20 industriespezifische Pakete für die Bereiche Sales, Services, Marketing, BPM und Supplier Relationship Management geschnürt und inzwischen über 60 weitere angekündigt. Erst im April hat SAP das Programm mit 15 weiteren Bereichen wie zum Beispiel das Sybase-basierte Mobile Management, Spend Performance Management, Sales and Operations Planning oder Treasury and Risk Management ausgeweitet. Seit dem wird RDS nicht mehr nur in Deutschland und den USA, sondern weltweit angeboten. “Angesichts der starken Verbreitung der Rapid-Deployment-Lösungen beschleunigen wir die Erweiterung unseres Portfolios”, erklärte damals Robert Viehmann, Senior Vice President für Solution Assembly and Packaging bei SAP.

SAP scheint hier also wirklich eine aggressive Strategie zu fahren, denn es sollen jetzt weitere SAP-Lösungen zum Festpreis beim Kunden implementiert werden. Und damit richtet sich SAP nicht nur gegen Konkurrenten wie Oracle, sondern die On-Premises-Lösungen müssen schließlich auch mit der kurzen Implementierungsphase von On-Demand-Angeboten besser mithalten können, die ja mit ByDesign auch aus dem eigenen Haus kommen.

Gleichzeitig betrifft RDS sowohl große wie auch mittelständische Anwender und zielt auf ein wenig akademisches Problem, das nicht nur SAP-Anwender, sondern im Prinzip die gesamte Branche hat: Nämlich zu teure und zu langwierige Implementierungsphasen. Auf der anderen Seite reagieren vor allem Partner aber auch Anbieter mit neuen Preismodellen, um für Anwender attraktivere Angebote erstellen zu können.

“Rapid-Deployment Solutions werden zum neuen Standard innerhalb und auch außerhalb SAPs, um schlüsselfertige Lösungen über das gesamte SAP-Portfolio hinweg anbieten zu können”, erklärt Robert Viehmann.

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