Vitras begehbarer, elektronischer Möbelkatalog

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In Weil am Rhein hat der Möbelhersteller Vitra seinen Firmensitz, aber nicht irgendeinen, sondern einen Campus, bestückt mit einem Ensemble aus Bauten der besten Architekten. Jüngstes Mitglied auf dem Firmengelände ist das “VitraHaus”, das die Design-Möbel des Herstellers auch dem breiten Publikum im angemessenen Rahmen präsentiert. Herzstück ist ein elektronischer Katalog.

“Das VitraHaus ist der Ort, an dem auch Endkunden unsere Produkte erleben können”, fasst Tim Hanack, Director of Business Technology, Vitra, den Auftrag an die Stararchitekten Herzog & de Meuron zusammen, die 2010 den Bau übergeben konnten.

Das eigenwillige Gebäude besteht aus zwölf in- und übereinander geschachtelten “Urhäusern”, deren Stirnseiten meist vollständig verglast sind. Der Häuserhaufen präsentiert innen auf fünf Ebenen die “Collagen”, wie Vitra die gezeigten Wohn- und Büroszenen nennt.

Bereits am Empfang im Parterre erhält der Besucher seinen Schlüssel zum Haus, besser gesagt zum elektronischen Katalogsystem. Die Scheckkarte trägt einen RFID-Chip, mit dem sich der Besucher am System anmelden und sich aus sechs Sprachen eine aussuchen kann.

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Das ist wichtig, weil er mit dieser Karte die Informationen über die in jeder Collage gezeigten Möbel erhalten kann: Vor Ort im Raum befindet sich jeweils ein Touch-Screen, auf einer Plexiglas-Stele installiert. Legt der Besucher die Karte auf, erhält er Angaben zur gezeigten Szene, etwa Preise und Modellvarianten. Daraus lässt sich sofort eine Wunschliste befüllen, die als Gedächtnisstütze später an die heimische E-Mailadresse oder einen naheliegenden Fachhändler versandt werden kann. Außerdem hat man Zugriff auf den Gesamtkatalog. Rund 30 Terminals hat Vitra im Haus installiert.

Aber der elektronische Katalog kann noch mehr: Neben den möglichen Modellvarianten liefert er auch Informationen über die Designer der Möbel und erlaubt es dem Fachbesucher – Händler und Architekten – die Objekte dreidimensional zu drehen und im Raum zu positionieren.

“So ein System gibt es nicht von der Stange”, beschreibt Hanack den elektronischen Katalog, der nach einer Idee von Vitra und entsprechend definierten Anforderungen von einer Agentur entwickelt wurde. Neben der Funktionalität für private Besucher und Fachhändler war ihm die Integration mit bestehenden IT-Systemen wichtig. So liefert die ERP-Software von SAP die Daten auch für das Katalogsystem. “Wir nutzen durchgängig die gleichen Strukturen und stützen uns immer alle auf die identischen Stammdaten aus der Materialwirtschaft”, beschreibt Hanack die Strukturen. Die Pflege der Daten, also Modellvarianten, Preise und dergleichen erfolgt im ERP-System, so muss nur einmal erhoben und geändert werden und alle sind auf dem gleichen Stand.

Die Nähe der IT zum Geschäft drückt sich auch in der Umbenennung seiner Abteilung im vergangenen Oktober aus, die sich jetzt als “Business Technology” noch deutlicher um die Unterstützung der Geschäftsprozesse kümmert und auch die meisten Ressourcen dafür abstellt.

Der elektronische Katalog selbst ist eine Flash-Anwendung unter Windows, “ganz normale Technik, nichts Ausgefallenes”, beschreibt Hanack den Web-Service. Ändert sich im VitraHaus eine Collage, werden die Daten aus dem SAP-System auf die Terminals vor Ort nachgezogen.

Die Frage, wie sich der elektronische Katalog denn in Zukunft verändern werde, beantwortet Hanack mit fast asiatischer Gelassenheit: “Die interessantesten Dinge sind die, an die wir heute noch nicht denken”.

Als nächstes, so der IT-Chef, wird es darum gehen, das Social Web besser zu nutzen, um das Erlebnis im VitraHaus greifbarer zu gestalten. Denkbar wäre, dass die Wunschlisten, die man heute schon an einen Freund schicken kann, eventuell einer Community zur Verfügung gestellt und mit Ratings ausstattet werden. Im Übrigen gilt: “Wir lernen jeden Tag Neues. Ich kann versprechen, dass sich das System weiterentwickeln wird.”