Web-Analyse jenseits von Google Analytics

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Der Software-Hersteller Webtrends bietet Lösungen an, mit denen Unternehmen ihre Webseiten systematisch analysieren können. Gegenüber silicon.de sagt Christian Howes, Head of Solutions Engineering bei Webtrends, warum die Schönheit einer Webseite überschätzt wird und warum Facebook wichtig ist.

silicon.de: Sind Webtrends-Lösungen nicht eher etwas für Konzerne? Oder anders gefragt, was würden Sie einem Mittelständler sagen, der bislang Google Analytics einsetzt?

Howes: Google Analytics eignet sich prima, wenn man die ersten kleinen Gehversuche mit einem Analytics-Tool machen möchte – und es gibt bestimmt kleinere Unternehmen, deren Marketing-Abteilung mit den Infos aus Google Analytics schon ganz gut fahren. Aber das Tool reicht dann einfach nicht aus, wenn Unternehmen eine größere Datentiefe brauchen beziehungsweise die getrackten Daten im Besitz des Unternehmens bleiben sollen, oder wenn Unternehmen robuste Service Level Agreements hinsichtlich Reportings und ähnlichem fordern.

silicon.de: Wenn ein Unternehmen seine Webseite gestaltet, sollte es sich weniger an Schönheit oder Funktionen orientieren, hieß es jüngst im Webtrends-Firmenblog. Woran denn dann?

Christian Howes, Bild: Webtrends
Christian Howes, Bild: Webtrends

Howes: Unternehmen sollten sich klar darauf konzentrieren, wie sie Verbrauchern und insbesondere Kunden eine besseren Service bieten können. Dazu gehört: Testen, Testen und noch einmal Testen! Denn es ist fast unmöglich, auf einen Schlag die perfekte Webseite zu entwickeln, die allen Erwartungen und Anforderungen der Zielgruppe gerecht wird. Jeder Menüpunkt und jeder Tab auf der Seite muss dem Webseitenbesucher helfen und ihm ermöglichen, das zu tun, was er auf dieser Seite auch tun möchte. Sei es ein paar Schuhe zu kaufen oder einen Newsletter zu abonnieren.

Grundlage für die Bewertung darf nicht die persönliche Ansicht, sondern die klare Performance-Analytik sein. Um zu vermeiden, dass eine Seite stagniert, sollte man kontinuierlich Tests durchführen. So können Inhalte regelmäßig auf den neusten Stand gebracht werden und es wird verhindert, dass die Webseite durch sekundäre Handlungsaufforderungen, wie Affiliate-Anzeigen oder andere Bereiche innerhalb der Seite, zu chaotisch wird. Klar – auf der einen Seite kann Werbung die Einnahmen einer Webseite steigern. Durch zu viele kommerzielle Ergänzungen wird der Besucher jedoch abgelenkt und davon abgehalten, das zu tun, was er tun sollte.

Was auch immer die Zukunft bringen wird – und wenn wir ehrlich sind, kann in der sich ständig verändernden Welt des Internets niemand mit absoluter Sicherheit sagen, was das sein wird: Jede einzelne Website ist einzigartig und kann nicht direkt mit anderen Seiten verglichen werden. Mit dieser Tatsache im Hinterkopf sollte man die eigene Meinung ignorieren und seine Entscheidungen auf valide Daten und Analyse-Metriken stützen.

silicon.de: Salesforce.com hat im März den Social-Media-Monitoring-Dienst Radian 6 für 326 Millionen Dollar übernommen. Bei Webtrends wurde diese Übernahme gefeiert. Warum?

Howes: Die Übernahme von Radian 6 durch Salesforce ist für uns ein großer Meilenstein, denn sie demonstriert, welche wichtige Rolle die Auswertung sozialer Medien für Firmen spielt. In der heutigen Zeit müssen Unternehmen besonders darum bemüht sein, ihren Kunden genau zuzuhören und auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Erreicht werden kann dies nur, indem man alle Möglichkeiten ausschöpft, bedeutungsvolle und relevante Gespräche mit Kunden und potentiellen Neukunden zu führen. Und wo ginge dies besser als über Social Media-Kanäle? Daher werden Lösungen zur Analyse von Social Media-Engagement zukünftig immer mehr Bedeutung gewinnen.

silicon.de: Webtrends-Anwendungen werten auch Facebook aus. Ist ein Facebook-Fan für ein Unternehmen heute mehr wert als der klassische “Lead”?

Howes: Facebook macht sich in der Tat sehr gut als Kanal zur Neukundengewinnung. Aber der Wert eines Fans hängt auch davon ab, wie dieser mit dem Unternehmen interagiert. Die grundlegende Frage, die sich Unternehmen stellen müssen ist: Was soll meine Facebook-Präsenz überhaupt erreichen? Bin ich auf Facebook unterwegs, um meine Brand Awareness zu steigern oder will ich gezielt Neukunden an Land ziehen? Wenn ich diese Fragen beantwortet habe, dann kann ich auch als Unternehmen den Wert eines Fans richtig einordnen.

silicon.de: Seit September 2010 bietet Webtrends eine App Gallery an. Wie viele Apps sind verfügbar?

Howes: Im Moment haben wir rund 25 App-Arten in unserer App Gallery – dabei unterscheiden wir zwischen Content Apps, wie zum Beispiel Video, Twitter oder Blog-Anwendung, und Engagement Apps, wie Verlosungen, Geschenke oder Badges.

silicon.de: Webtrends hat jüngst ‘Analytics 10’ auf den Markt gebracht. Welche Funktionen erachten Sie als besonders wichtig?

Howes: Bei Analytics 10 geht es gar nicht so sehr um die vielen neuen Features, sondern vielmehr darum, dass diese Lösung Unternehmen in die Lage versetzt, ihre gesamte digitalen Daten auf einer zentralen Plattform zu sammeln und zu verdichten. Das ist zum ersten Mal möglich. Das zeigt, wie sehr Webtrends dieses Marktsegment vorantreiben kann – nicht allein auch, weil es als unabhängiges Unternehmen über vollkommene Flexibilität verfügt.