HP setzt auf eine Karte: Cloud Computing

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In Las Vegas empfing HPs neuer CEO Léo Apotheker rund zehntausend Anwender zur Konferenz “HP Discover“. Neben performanterer Hardware stellte der weltgrößte IT-Konzern besonders seine Cloud-Strategie in den Mittelpunkt. Aber auch Analytics und Collaboration waren Themen, die herausgestellt wurden.

HP präsentiert sich als Cloud-Enabler für Kunden, die den Übergang in die Strukturen des Cloud Computing noch schaffen müssen. Dazu bietet das Unternehmen Transformation Services für vorhandene Applikationen und Strukturen, hat alle seine Storage– und Server-Systeme Cloud-fähig gemacht und fungiert selbst als Cloud Service Provider. Damit setzt Apotheker alles auf eine Karte, nämlich Cloud, und dass er diese Wette gewinnt, dürfte ziemlich sicher sein. Allerdings halten Experten HPs momentane Position für die eines in einer Aufholjagd begriffenen Anbieters. IBM, Microsoft und Oracle seien schon weiter.

Einstiegsangebot

CloudSystem Matrix ist das Einsteigerangebot, mit dem ein HP-Kunde eine Private Cloud aufbauen kann, um bei sich Infrastructure as a Service (IaaS) bereitzustellen. Hierfür kann der Kunde seine Applikationen als Services bereitstellen (Build-Phase). Von einem Cloud Service Provider (CSP) kann er Public Cloud Services abonnieren (Consume-Phase) und mit seinen eigenen Services aggregieren. Voilà, eine Hybrid Cloud. Dies ist das Modell, das nach Léo Apothekers Vorstellung die Zukunft darstellt.

Schon in dieser Einstiegsphase kann der Kunde ein laut HP völlig neues Leistungsmerkmal nutzen: Dual Bursting. “Bursting” ist nichts anderes, als sich ad hoc zusätzliche Kapazitäten zu besorgen, sei es in der Private- oder in der Public-Cloud, etwa im Einzelhandel zu Weihnachten. Die private Cloud bietet dabei den Vorteil, alle Compliance-Richtlinien zu gewährleisten. Will man jedoch beides nutzen, kann man Dual Bursting in Anspruch nehmen. Voraussetzung ist beim CSP die Teilnahme am HP Cloud Agile Programm und beim Kunden das Abo des HP Utility Ready Computing Services. HP stellt für dieses Utility-Computing besonders seine 3PAR-Storage-Systeme in den Vordergrund.

Cloud für Unternehmen

Um jedoch sämtliche Management- und Security-Merkmale nutzen zu können, die HP bereitstellt, braucht der Kunde HP CloudSystem Enterprise. Damit kann er private und hybride Cloud-Strukturen einrichten sowie private, öffentliche und hybride Clouds einheitlich verwalten. Außerdem bekommt er ein Lifecycle Management an die Hand, das ihn alles von den Applikationen bis zur Infrastruktur steuern lässt.

HP-Manager Nick van der Zweep, Director Business Strategy, zeigte mit dem Design- und Konfigurationswerkzeug des neuen Virtual Center im HP Intelligent Management Center (IMC), wie man physikalische und virtuelle Maschinen, Netzwerke und die jeweilige Provisionierung per Drag & Drop anordnen und veranlassen kann. Jede Policy wird so angewandt, dass die jeweils richtigen Services und Ressourcen zugewiesen werden, auch beim Dual Bursting.

Selbstverständlich bietet HP seinen Kunden für das CloudSystem eine ganze Armada von Services als Support an, vom Security-Check über Vorabberatung bis zur Lösungsberatung und der Implementierung, vom Hosting ganz zu schweigen. Besonders hervorzuheben sind die beiden neuen Services ‘Vulnerability Scanning’ und ‘Vulnerability Intelligence’, die Schaden bereits vor dem Deployment von Services abwenden sollen. Last but not least stellt HP Financial Services seinen Kunden zwei Milliarden Dollar an Starthilfe für Cloud-Projekte zur Verfügung, wie Irv Rothman, CEO von HP Financial Services, ankündigte.

Analytics und Collaboration

Der zweite Schwerpunkt, den Léo Apotheker in seiner Keynote setzte, betraf Analytics. Während von Ex-CEOs Mark Hurds Steckenpferd “HP NeoView”, einem Enterprise Data Warehouse, keine Rede mehr war, so stellte Apotheker umso stärker die eigenen und die mit Microsoft auf die Beine gestellten Appliances vor. Die HP Business Data Warehouse Appliance und die HP Database Consolidation Solution Appliance ergänzen jetzt die vorhandenen Appliances HP Enterprise Data Warehouse und HP Business Decision Appliance. All diese Appliances gehören zur großen Produktfamilie der HP AppSystems, die Lösungen umfasst. (Die anderen beiden Produktfamilien sind HP VirtualSystem und HP CloudSystem.)

Die HP Business Decision Appliance ist eine Einstiegslösung, mit der ein Kunde schon nach fünf Klicks startbereit sein soll. Sie arbeitet laut Doug Leland, dem zuständigen Microsoft-Manager, mit den Microsoft-Produkten SQL Server, Excel PowerPivot und Sharepoint Server zusammen. Die HP Business Data Warehouse Appliance richtet sich ebenfalls an Mittelstandsfirmen, die ein Data Warehouse von maximal 5 Terabyte einrichten wollen. Optimiert für SQL Server 2008 R2, sollen die Kosten pro Terabyte lediglich 13.000 Dollar betragen.

Die HP Database Consolidation Solution, die ebenfalls SQL Server 2008 R2 nutzt, soll die Verwaltung virtualisierter Infrastrukturen vereinfachen, indem sie verstreute SQL-Server-Datenbanken konsolidiert. So erlaubt sie die Installation neuer Datenbanken binnen Minuten sowie deren Migration nahezu ohne Downtime.

Auf die Frage, wie sich das neue analytische Datenbanksystem HP Vertica Analytics System von der Appliance SAP HANA unterscheide, die genau das Gleiche tut und von HP gebaut wird, antwortete HPs Cheftechnologe Kirk Bresniker, dass das SAP-Gerät nur auf SAP-eigene Daten zugreifen und sie verarbeiten könne, Vertica jedoch beliebige Daten.

Vertica ist eine auf Big Data ausgelegte Datenbank, die Petabytes sehr schnell und auf verteilten Clustern verarbeiten kann. Einsatzgebiete sind Gesichtserkennung, Healthcare und Telekommunikation. Sie wurde auf der HP BladeSystem Plattform eingerichtet und in einer voluminösen Appliance geliefert.

Fazit

In Léo Apothers Vision unterstützt HP künftig alle miteinander verbundenen Geräte und Plattformen vom Rechenzentrum im Container (POD 240) bis zur neuen Rechenflunder HP TouchPad. Den Klebstoff bildet nicht nur das Internet, sondern insbesondere auch HPs eigenes Web-Betriebssystem WebOS, das es mit Palm eingekauft hat und in jedes Endgerät eingebaut wird. “Wenn es HP gelingt, sich als Anbieter für eine neue Art von Cloud-Dienstleistern zu etablieren, bestehen weiterhin gute Wachstumsperspektiven”, meint Frank Naujoks, Berater bei i2s Consulting.