Die wunderbare Welt des 3D-Printing

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“Dem Personal Computer soll bald der Personal Fabricator folgen – eine Maschine, die Tassen und Zahnräder druckt und so die Produktion demokratisiert”, schrieb ‘Die Zeit’ im November 2006. Was damals noch Vision war, wird immer mehr Realität. Einer der Vorreiter des sogenannten 3D-Printing ist der Niederländer Janne Kyttanen, Gründer von Freedom of Creation (FOC).

Janne Kyttanen, Bild: FOC
Janne Kyttanen, Bild: FOC

Er habe sich bereits als Student in den 90er Jahren für 3D-Printing interessiert, sagte Kyttanen der silicon.de-Schwester-Publikation CNET. 3D-Printing habe man damals unter anderem genutzt, um Autoteile oder Prothesen herzustellen. Seine Idee sei gewesen, Nutzern zu ermöglichen, individuelle Produkte zu entwerfen und diese über das Internet zu verkaufen. Damals seien die 3D-Drucker jedoch viel zu teuer für den Massenmarkt gewesen. Ende der 90er Jahre habe ein Produkt, das so hergestellt wurde, in der Regel 7000 Dollar gekostet.

Kyttanen hielt jedoch an der Idee fest und gründete vor elf Jahren FOC. Nach und nach entwickelte er einen Online-Katalog von 3D-Printing-Produkten, die Kunden nach ihren Vorstellungen modifizieren konnten – darunter etwa Lampen oder Schutzhüllen für iPhone und iPad. Im Mai 2011 verkaufte er das Unternehmen an 3D Systems, einen Hersteller von Lösungen für das 3D-Printing. Auf diese Art und Weise bringe man die Kompetenzen für das Design mit den Kompetenzen für Material und Produktion zusammen, so Kyttanen.

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Da die Original-Patente auf die 3D-Drucker ausgelaufen seien, werde es immer mehr Geräte geben. Davon würden sowohl FOC als auch die FOC-Kunden profitieren. Diese fallen laut Kyttanen derzeit in zwei Kategorien. Ein Kundentyp sehe etwas im Online-Katalog und bestelle dies. Für diese Kunden suche FOC den richtigen 3D-Printer, lasse das Produkt fertigen und schicke es dem Kunden zu. Der zweite Kundentyp bringe sein eigenes 3D-Design mit und beauftrage FOC, es anzufertigen oder engagiere FOC, um ein spezielles 3D-Design herzustellen. Diesen Weg habe etwa der Schuhhersteller Asics gewählt.

Die wahre Kraft der 3D-Printing-Industrie liege darin, dass die Kunden fast alle Produkte haben könnten, die sie wollen – besonders wenn sie die entsprechenden 3D-Modelle selbst erzeugen könnten. Wenn sie dies nicht könnten, könnten es auch Dienstleister wie FOC übernehmen.

Ein Vorteil des 3D-Printing sei die kurze Prozesslaufzeit, so Kyttanen. Stelle man etwa ein Wasserglas in herkömmlicher Weise her, brauche man lange für Design, Modellierung, freie Kapazitäten in einer Fabrik und dann die Massenproduktion. Bis das Glas auf dem Markt sei, könne ein Jahr vergehen, und dann gebe es Tausende davon. 3D-Printing könne diese Prozesse extrem beschleunigen.

Besonders preisgünstig sind die FOC-Produkte nicht, eine Lampe schlägt mit 570 Dollar zu Buche. Sie kosten laut Kyttanen so viel wie Design-Produkte, die mit herkömmlichen Methoden hergestellt werden. Man wolle auch nicht eine Million Ein-Euro-Tassen herstellen, so der Niederländer. “Wir bevorzugen eine Million verschiedene Produkte anstelle einer Million Stück eines Produktes.”

Neben FOC schicken sich auch Dienstleister wie .MGX und Shapeways an, den 3D-Printing-Markt zu erobern. Die Drucker kommen nicht nur von 3D Systems, sondern auch von Objet, Stratasys und der Z Corporation. Laut Kyttanen gibt es derzeit weltweit 40.000 3D-Drucker, Ende des Jahres sollen es 100.000 sein.