US-Justiz untersucht “Kunstprojekt” in Apple Stores

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Ist es Kunst, ist es Selbstvermarktung, ist es eine Straftat? Diese Fragen wirft eine Aktion des 25-jährigen US-Künstlers Kyle McDonald auf. McDonald hat auf Rechnern in zwei New Yorker Apple Stores eine Software installiert, die die Nutzer der Computer fotografierte und die Bilder dann ins Netz geladen.

Screenshot: Kyle McDonald
Screenshot: Kyle McDonald

Wie der Branchendienst Mashable berichtet, hat McDonald einen Master-Abschluss in Electronic Arts. Demnach wollte er mit dem Projekt zeigen, wie Menschen auf Computer starren. “Wenn wir uns sehen, wie wir das machen, denken wir vielleicht mehr über die Computer nach und darüber, wie wir diese nutzen”, so McDonald.

An drei Tagen im Juni installierte er die Software auf insgesamt rund 100 Rechnern in den Apple-Läden West 14th Street und Soho. Da die Rechner jeden Abend vom Personal geprüft werden, musste McDonald das Programm jeden Tag neu aufspielen. Die Software schoss im Minutentakt Fotos von den Betrachtern der Rechner und übertrug diese an einen Server.

Zum Einen stellte McDonald ausgewählte Fotos online. Zum Anderen eröffnete er in den beiden Apple Stores eine “Ausstellung”. Er blendete Fotos von Besuchern ein und filmte mit einer Videokamera, wie andere Besucher auf diese Fotos reagierten.

Das “Kunstprojekt” wurde vom Personal zunächst nicht bemerkt. Laut Mashable fand McDonald jedoch eines Tages ein Bild in seiner Sammlung, das einen Apple-Techniker zeigte. Dieser hatte offenbar den zunehmenden Datenverkehr aus den beiden Apple-Läden überprüft und auf seinem eigenen Rechner die Software von McDonald installiert.

Kurze Zeit später erhielt der Computerkünstler Besuch von vier Mitarbeitern des U.S. Secret Service, die zwei Computer und zwei Flash-Laufwerke beschlagnahmten. Der U.S. Secret Service ist für Computerbetrug zuständig. Apple werde McDonald noch extra kontaktieren, teilte man ihm mit. Das Unternehmen hat sich zu dem Fall bislang nicht geäußert. McDonald will sich jetzt einen neuen Computer kaufen – natürlich in einem Apple Store.