Microsoft: Wir sind die Alleskönner!

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Ein brüllender CEO Steve Ballmer, ein kämpferischer COO Kevin Turner. “Same procedure as every year” also bei der Microsoft-Partnerkonferenz (WPC) in Los Angeles? Nicht unbedingt, denn diesmal füllte das MS-Management seine markigen Worte auch mit Inhalten und konkreten Ankündigungen.

So sicherte Turner zu, dass Microsoft (MS) im Fiskaljahr 2012 (1. Juli 2011 bis 30. Juni 2012) 5,8 Milliarden US-Dollar in das globale Partnernetzwerk investieren wird. Vor allem seien diese Mittel zur geschäftlichen Expansion des Partnerbusiness vorgesehen, so Turner. Zudem teilte Microsofts Nummer zwei mit, dass man im vergangenen Fiskaljahr fast 9 Milliarden Dollar in den Bereich Forschung und Entwicklung investiert habe. Dies sei deutlich mehr als der Wettbewerb wie etwa IBM (6 Milliarden) oder Cisco (5,7 Milliarden).

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Ergebnis dieser Investitionen seien, unter anderem, die ausgezeichneten Erfolge im Cloud-Geschäft: Das Cloud-Office-Paket 365 habe nunmehr fünf Millionen lizenzierte Nutzer, von denen es 2,8 Millionen bereits auch tatsächlich produktiv einsetzten. Dynamics CRM Online verfüge über mehr als zwei Millionen lizenzierte Nutzer, und mehr als 30.000 Partner seien mittlerweile für die Cloud Services-Plattform Azure ausgebildet worden. Das aus gutem Grund, so der Microsoft-COO: “Wenn wir mehr Geschäft in der Cloud generieren wollen, dann müssen wir diese Produkte auch selbst nutzen.” Und er sei erst dann zufrieden, so Turner, wenn wirklich alle 640.000 globalen MS-Partner “cloud-ready” seien.

Nach Aussage des Unternehmens sind diese weltweit auf einem guten Weg – desgleichen in Deutschland, wie das deutsche MS-Management trotz eher durchschnittlicher Zahlen im Cloudgeschäft nimmermüde bekräftigte: “3000 unserer Partner sind bereit für die Cloud. 50 verkaufen schon aktiv Cloud-Produkte und -Services, wir haben 10.000 Office 365 Beta-Trials draußen und eine deutlich dreistellige Zahl von Anwendern, die das Produkt bereits gekauft haben”, so Martin Berchtenbreitner, verantwortlich für die Geschäfte der Mittelstands- und Partnerorganisation (SMS&P) von Microsoft hierzulande. Für die Aussage Berchtenbreitners spricht allerdings auch, dass sich Firmen und Unternehmen mittlerweile nicht mehr scheuen, selbst komplexere Umgebungen in die Cloud zu verschieben. So berichteten Firmenvertreter am Rande der WPC, dass etwa das Krisenportal des Landes Baden Württemberg auf Azure laufe.

Auf 37.000 habe sich die Zahl der Partner in Deutschland mittlerweile erhöht und Geschäftschancen für diese Unternehmen, so Microsoft, lägen in den kommenden Monaten vor allem in den Feldern: Business Intelligence, Collaboration, CRM, Systemmanagement und Unified Communication – das allerdings nicht ausschließlich in der Cloud, sondern auch on-premise wie Steve Ballmer fortlaufend betonte.

Denn das “Ballmer-Bashing” der vergangenen Monate – der namhafte US-Hedgefonds-Manager David Einhorn hatte sich gar öffentlich für die Ablösung von Ballmer ausgesprochen und von einem “Charlie Brown Management” gesprochen – ist offensichtlich doch nicht ganz spurlos an der Company vorübergegangen. So ließen der Topmanager und die Seinen keine Minute der WPC ungenutzt, um auf das sehr breite und ihrer Meinung nach in der Branche einzigartige Microsoft-Portfolio hinzuweisen: “In weniger als zwei Jahren haben unsere Partner mehr als 400 Millionen Kopien von Windows 7 verkauft. Das ist großartig und dreimal so viel wie wir an Kopien von Windows XP zu dessen Marktstart verkauft haben. Aber der beste Weg für unsere Partner, auch in der Zukunft ordentlich Geschäft zu generieren, wäre es, wenn wirklich alle Kunden auf Windows 7 migrieren würden”, so Ballmer.

Außerdem kündigte er eine Web-Erweiterung für die Spielekonsole Xbox an, die das Weihnachtsgeschäft von Microsoft beflügeln soll: Auf Basis der firmeneigenen Web-Suchmaschine Bing sollen die Xbox-Anwender spätestens im Herbst dieses Jahres auf tausende von Spielfilmen, Musikstücken und Computerspielen zugreifen können. Bereits in absehbarer Zeit, sagte Ballmer, soll dieses Entertainment-Netzwerk für die Konsole über Millionen von Inhalten verfügen. Das Besondere daran: Die Suche nach den Inhalten läuft über die Microsoft-Steuerung Kinect und Sprache.

Einziger Wermutstropfen bleibt in dieser momentan sehr selbstbewussten Firmenbiographie von Microsoft das Handy-Geschäft: “Hier haben wir uns von sehr geringem Marktanteil zu sehr geringem Marktanteil entwickelt”, machte sich der Microsoft-Chef über den schlappen Start des mobilen Betriebssystem Windows Phone 7 lustig. Indes: Im Herbst will das Unternehmen mit dem neuen OS Windows Phone “Mango” an den Start gehen, “das über mehr als 500 neue Funktionen verfügt”, so Ballmer. Bis dahin möchte Microsoft mit einem originellen Vorgehen den Abverkauf des mobilen Betriebssystems forcieren: Man habe weltweit mit Telekommunikationsprovidern Verträge geschlossen, so dass alle Partner ab sofort in den Genuss eines deutlich subventionierten Windows Phone7-basierten Geräts kommen können.

Ob Microsoft seinen markigen Ankündigen Taten – oder besser: entsprechende Verkaufszahlen – folgen lassen wird, wird sich zeigen. Kevin Turner indes strotzte zumindest derart vor Selbstbewusstsein, dass er sich auf eine Wette mit gleich fünf Unbekannten einließ: “Meine Wette für das Fiskaljahr 2012: wir werden in Cloud-Services wachsen, im Endkundengeschäft die Nase vorn haben, in der Suchmaschinen- und Displaywerbung mehr Marktanteile haben, ebenso im Mobilbereich und schließlich wird Windows 8 nicht nur auf x86-Prozessoren einwandfrei laufen, sondern auch auf ARM-Prozessoren und chipbasierten Systemen.”