Die Technik des Eurotunnel

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Seit über 20 Jahren durchfahren auf dem Weg von Frankreich nach England Züge, Lastwägen, PKW den längsten Unterwassertunnel der Welt. US-Kollege Daniel Terdiman ist nicht nur ganz vorne im Zug mit unter den Ärmelkanal gereist, sondern hat sich bei seiner Reise durch Europa auch die Technik hinter diesem anfälligen Mammutprojekt zeigen lassen.

Den Chunnel, eine Kreuzung aus Channel und Tunnel, haben seit der offiziellen Freigabe für den Personenverkehr inzwischen mehr als 265 Millionen Menschen durchquert, um von England nach Frankreich oder um von Frankreich nach England zu kommen.

Lediglich 11 Prozent der Passagiere reisen dabei in dem Hochgeschwindigkeitszug Eurostar. Den Großteil der Transporte übernehmen die eigenen Züge der Eurotunnel-Betreibergesellschaft. Diese nehmen nicht nur Autos, sondern gleich ganze Busse, LKW oder Container auf.

Seit der Tunnel 1994 den Betrieb aufgenommen hat, haben es die Fähren natürlich deutlich schwerer. Denn auf den Schienen braust man in rund 35 Minuten durch den Tunnel. Mit dem Schiff ist man hingegen insgesamt über zwei Stunden unterwegs. Doch haben die Menschen eine Weile gebraucht, bis sie diese Route akzeptierten. Auch heute noch soll es Menschen geben, die es vorziehen mit dem Schiff zu reisen, schlicht und einfach deshalb, weil sie nicht wissen, dass es den Tunnel gibt, oder weil sie ein Flüssiggas betriebenes Fahrzeug haben und diese dürfen nicht im Zug transportiert werden.

Der liebevoll 'Chunnel' genannte Eurotunnel ist weit mehr als eine banale Betonröhre am Grunde des Ärmelkanals. Quelle: CNET
Der liebevoll ‘Chunnel’ genannte Eurotunnel ist weit mehr als eine banale Betonröhre am Grunde des Ärmelkanals. Quelle: CNET

Alle 15 Minuten fährt auf jeder Seite des Kanals ein Zug ab und das das gesamte Jahr über. Das bedeutet, dass meist mehr als ein Zug innerhalb des Tunnels unterwegs ist. Weil hier so viele Züge starten, beherbergt Calais auf der französischen Seite auch das größte Zug-Service-Zentrum Europas, wo in zwei Schichten die insgesamt 57 Lokomotiven gewartet werden. Mit den olympischen Spielen 2012 in London dürfte sich der Ansturm auf den Tunnel noch verstärken.

Derzeit bekommen die Loks neue Motoren, die statt der bisher 5,6 Megawatt Leistung 7 Megawatt auf die Geleise bringen. Das bedeutet längere Züge und schnelleren Transport, für die jährlich 16 Millionen Menschen, die den Chunnel nutzen. Schon bald könnten es aber 20 Millionen Menschen im Jahr werden, prognostizieren Verkehrsforscher. Und daher will auch der Eurostar schon bald zehn neue Züge bereit stellen.

Und sobald sich England und Frankreich darüber klar geworden sind, wie denn der Verkehr von anderen Betreibern über den Tunnel gelotst werden kann, will die Deutsche Bahn mehrere Direktverbindungen nach London anbieten.

Herzstück ist das Eurotunnel Railway Control Center in Folkstone, England. 24 Stunden täglich wird in diesem Zentrum der gesamte Verkehr durch den Tunnel überwacht. Hier soll es, laut Simon LeJeune, dem Echtzeit-Systemmanager des Eurotunnel, das größte digitale Controlboard der Welt geben. Die Anzeige füllt eine Seite des Raumes vollständig aus und zeigt zu jeder Zeit die exakte Position jedes Zuges an – und zwar auf beiden Seiten des Kanals. In Calais und in Folkstone stehen jeweils die gleichen Kontrollzentren und in beiden ist auch die große Kontroll-Tafel aufgestellt.

50 Eurostar-Züge pendeln täglich über den Tunnel von London nach Paris oder Brüssel. Insgesamt aber sind es täglich 450 Züge, die durch dieses Nadelöhr müssen, die kleinste Verzögerung kann fatale Folgen haben.