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Gründer und Geschäftsführer von Beck et al. Services, ist ein bekennender IT-Service-Mann, der nichts von Angeboten hält, die an der IT-Wirklichkeit vorbeigehen.

Sommerzeit ist Biergartenzeit. Gerade hier in München eine wunderbare Sache. Das frische Bier kommt vom Wirt, die Brotzeit stilecht auf dem Radl im Korb selbst mitgebracht. Schattige Platzerl laden zum Verweilen ein und weil die großen Brezn so schön ‘resch’ ausschauen, nehmen wir auch die vom Standl.

Stellen Sie sich den Aufschrei vor, wenn das heilige Biergartenprinzip – Getränke musst du kaufen, Speisen darfst du selbst mitbringen – ab sofort nicht mehr gelten und das kulinarische Angebot vom Wirt durchstandardisiert würde – Obatzda (für Nicht-Bayern: eine orangefarbene Mischung aus zerquetschtem Camembert, Zwiebeln, Sahne und geriebener Paprika), Grillhendl und als VIP-Service vielleicht Carpaccio?

Was im Biergarten ein echter Skandal wäre und vielleicht sogar in einer üblen “Maßkrug-Drescherei” gipfeln würde, ist für IT-Abteilungen Gang und Gäbe: Standards statt Freiheit.

Sie trauen Nicht-ITlern alles zu, nur nicht den vertrauensvollen Umgang mit der eigenen IT-Ausstattung.

Begründet wird dieses Misstrauen meist mit Kosten- und Sicherheitsaspekten und bei solchen Argumenten ist der einfache Business-Anwender sofort in der Defensive. Ich glaube, in der Kommunikationstheorie nennt man das auch “Totschlag-Argumente”. Statt auf Bedürfnisse zu schauen, bügelt die IT ein Standardmodell drüber. Das führt naturgemäß zu Frustrationen. Bis nämlich das neue Smartphone durchgetestet und auf Sicherheit überprüft ist, hat es der Anbieter schon längst wieder gekündigt. Bindet man das iPhone in die corporate Standardprozesse ein, ist der Spaß auch gleich wieder vorbei.

In solchem Denkraster sind Cloud & SaaS, Skype & Social Media, Tablets und ähnliche aus der Consumer IT importierten Werkzeuge die natürlichen Feinde der IT-Abteilung. Sie gelten als verwerfliche Schatten-IT. Umgekehrt schimpfen die Endanwender auf die starre unflexible IT.

Das anbrechende “Post-PC”-Zeitalter wird uns indes alle zwingen, neu über die Beziehung zwischen der Corporate IT und dem Nutzer nachzudenken. Vieles wird sich ändern. Ob wir es wollen oder nicht. Die Technologien stehen bereit, die Zukunft der Corporate IT zu gestalten.

Der Biergarten als lichter Ort der lockeren Liberalität wäre also doch gar kein schlechtes Vorbild für die Zukunft der Unternehmens-IT. Viel Self Service, viel Freiheit und alles an Infrastruktur, was der Nutzer braucht.

Wenn Sie wollen, zeige ich Ihnen gerne, wo genau man diese Freiheit findet und führe Sie in meine Lieblingsbiergärten. Dort sinnieren wir gemeinsam bei einer Radler-Maß und einer selber mitgebrachten Brotzeit über die IT der Zukunft. Und vielleicht verrate ich Ihnen dann sogar das Geheimnis meiner Oma, wie man einen Radi richtig schneidet und salzt, damit er gut schmeckt!

Siegfried Lautenbacher

Siegfried Lautenbacher gründete 2000 das heute international tätige IT-Service Unternehmen Beck et al. Services GmbH, und lenkt bis heute dessen Geschicke. Er ist ein bekennender IT-Service-Mann, der nichts von Angeboten hält, die an der IT-Wirklichkeit vorbeigehen.

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5 Kommentare zu Was Corporate IT vom Münchener Biergarten lernen kann

  • 26.7.2011 um 11:45 von Daniel

    Vertrauensvoller Umgang mit der IT-Ausstattung
    Guten Tag,

    der Artikel stimmt in so weit, dass sich Benutzer oft bei Einschränkungen in IT-Landschaften ihrer persönlichen Freiheit beraubt sehen. Wenn ich nun Systembenutzern sehr viele Freiheiten in der Systemgestaltung gebe, dann räume ich mir indirekt das Risiko einer mangelnden Sicherheitskonfiguration ein.
    Wir sollten uns aber über eine Sache klar sein: Ich kann nicht verlangen, dass ein unerfahrener Benutzer, der mit IT nichts zu schaffen hat, alle Aspekte der Systemsicherheit beherzigt. Es geht hier also weniger um gute Absichten des Nutzers, als viel mehr um das dafür notwendige Know-how. Ergänzend dazu: Viele Benutzer überschätzen ihre PC-Kenntnisse und versuchen sich an gutgemeinten Systemoptimierungen. Da wären wir dann beim Gegenteil von gut gemacht: gut gemeint.

  • 27.7.2011 um 10:21 von Siegfried Lautenbacher

    @Daniel: Da sind wir wieder beim Punkt: Was ist die Konsequenz Ihrer richtigen Bemerkungen?
    Sie haben völlig recht. Auch heute noch gibt es unerfahrene PC Nutzer. Oder sich überschätzende Anwendfer von IT. Doch die Konsequenz darf doch nicht sein, deswegen alle über einen Kamm zu scheren, oder? Damit verharren wir im Schema IT gegen die Anwender mit allen negativen Konsequenzen. Lust auf eine Maß? Das Wetter soll ja wieder besser werden..

  • 27.7.2011 um 18:33 von yofe

    Jeder Vergleich hinkt?
    @Siegfried Lauterbacher: Lassen Sie jeden entscheiden, welchen Dienstwagen er fährt, oder machen Sie/halten sich an Vorgaben? Und jetzt mal im Ernst: Schon mal über compliance nachgedacht? Es gibt halt in Deutschland Rechtsvorschriften, die von denen in USA abweichen! Da können Sie sich doch glatt strafbar machen, wenn Sie zulassen, das steuerlich relevante oder nach BDSG geschützte Daten auf privatem Equipnment landen. Es scheint ausgesprochen modern zu sein (nicht nur auf dieser Plattform), mit einer "Halbbildung" korrekt arbeitende Kollegen in der Branche "alt" und "rückständig" aussehen zu lassen…

  • 28.7.2011 um 12:15 von Joachim Stephan

    Hurra!
    @Siegfried Lauterbacher
    Da macht man sich Gedanken darüber, wie man es schafft, die mobilen Geräte möglichst sicher zu machen, dass auch dann wenn´s mal verloren geht keiner die darauf gespeicherten Daten klauen kann und dann kommen Krethi und Plethi mit allem möglichen Tragbaren daher und für die soll das dann auch alles funktionieren und das natürlich zu immer geringeren Implementierungs- und Supportkosten.

    Oder Thema Emailarchivierung. Geschäftsrelevante Vorgänge sind revisionssicher zu archivieren. Da freue ich mich doch schon darauf, wenn die ersten solche Vorgänge über Facebook oder Twitter abgewickelt werden.

    So ist das dann, wenn Realtität auf Wirklichkeit trifft. ;-))

  • 4.8.2011 um 08:31 von Siegfried Lautenbacher

    Reflexe und Reflektion
    Wiederum ein Danke an die Kommentierenden. Ich freu mich, dass der Blogeintrag sie dahin bringt, ihre wertvolle Zeit für eine Antwort einzusetzen.

    Jetzt möchte ich mal eine Wettbewerberin der silicon zitieren. Karin Quack fasst eine Studie der Unisys zusammen, die sich mit Consumerization beschäftigt. Sie hat ein schönes Bild in ihrem Kommentarabschlusssatz:

    "Der von Unisys in Auftrag gegebenen IDC-Studie zufolge fordern die "I-Worker" immer vehementer nach "Consumer-Technologien" am Arbeitsplatz. Die IT muss darauf reagieren – mit Infrastrukturen, Policies und geeigneten Management-Prozessen. Sie hat keine andere Wahl. Der Zug ist wohl nicht mehr aufzuhalten. Aber den Fahrplan sollten die gestalten, die für Pünktlichkeit und Sicherheit verantwortlich zeichnen. (qua)"

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