Der beste (digitale) Freund des Menschen

Enterprise

Jetzt ist das auch schon wieder 30 Jahre her… Gut, das war ein ganz schlechter Anfang. Weil: Was so losgeht, läuft zwingend darauf hinaus, dass früher alles besser war. O tempora o mores halt. Aber wenn’s doch stimmt!

Letzte Woche war der 27. Juli. An diesem Tag vor 30 Jahren kaufte Bill Gates von dem Programmierer Tim Paterson ein Stück Software Namens QDOS – Quick and Dirty Operating System – auf Deutsch etwa: dahingeschludertes Betriebssystem.

Und nächste Woche ist der 12. August. Da jährt sich zum dreißigsten Mal die Vorstellung eines IBM-Standards. Der damals chronisch des Monopolismus verdächtige Großrechner-Konzern wollte auch bei Desktop-Rechnern sagen, wo’s lang geht.

Und aus diesem doppelt versauten Ansatz ist dann etwas ganz Wunderbares geworden, das prächtigste Gerät, das jemals entwickelt wurde: der PC. – Die Branche begann, “PC oriented” zu werden, auf diese damals neuen Standard-Rechner hin ausgerichtet.

Und das passt. Denn der PC ist eine Richt-Maschine. Wenn er kaputt geht, kann man ihn selber richten. Man richtet ihn ein, wie man sich eine Wohnung einrichtet, und ab, wie man einen jungen Hund abrichtet, der einem zum treuen Gefährten werden soll.

Haus – Hund – PC: die alle sind auf einen persönlich ausgerichtet. Die gehören einem wirklich. “Personal Computer”, der persönliche Rechner, ist denn auch der einzige Marketing-Begriff, mit dem nicht von Anfang an gelogen wurde.

Nun sagt aber Gartner, eines der wenigen Analystenhäuser, das nicht käuflich ist, er schwächle mittlerweile, der in die Jahre gekommene beste digitale Freund des Menschen. Oh, what a trag it is getting old.

Andere “Devices” – wie Gartner dieses Zeug nennt – würden den PC in der Gunst der Anwender ausstechen, Smartphones und Tablets. – Das kann doch nicht sein, weil es nicht sein darf. Denn es ist schließlich nichts Vernünftiges nachgekommen.

Es begann mit den PDAs. Die gaben zwar auch vor, irgendwie persönlich zu sein. Personal Digital Assistants nannte Palm seine Gerätchen. Und die waren ja auch ganz nett. Dann aber brachte Steve Jobs den PDAs das Telefonieren bei.

Jeder vernünftige PC-User verbietet seiner persönlichen Maschine das Telefonieren. Er sperrt sie deshalb, wenn es sein muss, hinter eine hohe Firewall, quasi in einen Zwinger, weil sonst telefoniert sie bloß heim. Und dann gehorcht sie einem nicht mehr, sondern jemandem andern.

Steve-Jobs-enabled PDAs allerdings kann man das Nach-Hause-Telefonieren nicht verbieten. Zwei Kategorien werden unterschieden: die teuren mit wenig Funktionalität. Die heißen iPhones. Und die bezahlbaren mit ein bisschen mehr. Die heißen ganz allgemein Smartphones.

Tablets wiederum unterscheiden sich von i- und Smartphones vor allem dadurch, dass es blöd aussieht, wenn man sie sich ans Ohr hält.

Und dann gibt’s da mittlerweile noch diese E-Book-Reader. Hardware-seitig sind die ja ganz in Ordnung. Solch mächtige Prozessoren hätte man sich vor 30 Jahren in PCs gewünscht!

Aber sie setzen ihre imposante Hardware und die vorinstallierte Kryptografie-Software vor allem dazu ein, dass man sie nicht personalisieren kann. Für einen PC-User hingegen ist es selbstverständlich, dass man für einen guten Freund auch mal gelegentlich die eine oder andere lauffähige Sicherungskopie speichert.

Wirkliche Personal Computer erledigen so was umstandslos. E-Book-Reader hingegen verweigern es. Vor allem deswegen sind sie ja mit so leistungsfähigen Chips und hochentwickelten Krypto-Programmen ausgestattet. Und für diesen Denial-of-Service soll man dann auch noch bezahlen!

Google hat unlängst auch etwas Neues auf den Markt gebracht. Chromebook nennt sich das, klingt nach Notebook, also nach der portablen Variante des guten alten PCs.

Ist es aber nicht. Chromebooks sind brutal ausgeweidete Rechner. Die Festplatte – laut Gerhart Baum, Bundesinnenminister von 1978 – 1982: “der Inbegriff von Privatheit” (Der Spiegel vom 13.9.2007) – man hat sie ihnen herausgenommen.

Während aber veritable Waidmänner das von ihnen zu Tode gebrachte Vieh gerne mit Holzwolle ausstopfen lassen, versucht Google, die prächtigste Kreatur in der digitalen Welt post mortem mit heißer Luft aufzublasen, genauer gesagt mit einer Wolke aus heißer Luft: der Cloud.

Chromebook ist eine One-Word-Lie. Normalerweise braucht man ansonsten ja einen ganzen Satz, um zu lügen. Nicht das Notebook soll verchromt werden. Sondern die Daten, die es nicht speichern kann, sollen ausgeschlachtet und dann vergoldet werden.

Und dann ist da noch die Mozilla-Foundation. Die ist dem Menschen und seinem persönlichen digitalen Gefährten eigentlich recht sympathisch. Den Firefox hat sie entwickelt, biologisch gesehen: einen rothaarigen Hund.

Aber jetzt versucht die Mozilla-Foundation, Boot-to-Gecko in die Welt zu setzen. Das ist ein Bastard aus i-, Smartphone und Chromebook.

“Geckos sind gierig”, klärt geckos.info auf, eine Site für Terrarien-Freunde. Boot to Gecko würde demnach nicht nur, was man heute tunlichst bloß auf dem PC speichert, in diese alles aufsaugende Cloud schieben, sondern auch noch, mit wem man telefoniert. – Na ja.

“Wo soll das alles enden?” tippt man da doch in seinen digitalen Gefährten. – Der ist gelassen wie immer.

Ein Gerät vielleicht könnte all diese Probleme lösen. Als “fully customizable” ließe es sich bewerben, “by Software and by Skrew-Driver”. Ein All-in-one-device. Personal Digital Assistant, E-Book-Reader und Web-Access-Client in einem.

Man könnte es ja Personal Computer nennen, kurz: PC.

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