LiMux: Münchens Erfahrungen mit Open Source

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Das große Linux-Prestige-Projekt München läuft auf vollen Touren, auch wenn das Projekt nicht mehr ganz im Mittelpunkt des Interesses steht. Florian Maier, Leiter Entwicklung des Basis-Clients, ist dennoch vollauf zufrieden, auch wenn es immer wieder zu kleinen ‘Herausforderungen’ kommt.

Es ist einer der heißesten Tage im Jahr, als sich das silicon.de-Filmteam zu dem Büro in der Sonnenstraße aufmacht, um dort mit den Entwicklern des LiMux-Basis-Clients zu sprechen. Wie die Hitze nimmt das Team um Leiter Florian Maier mit der gleichen stoischen Gelassenheit aber auch die Tatsache hin, in einem der größten städtischen Migrationsprojekte weltweit mitzuwirken.

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Inzwischen arbeiten in München 33.000 Angestellte und Mitarbeiter mit quelloffener Software. Über die Stadt verteilt unterhält die Verwaltung 15.000 PC-Arbeitsplätze in 51 verschiedenen Büros und Ämtern und nochmals 28.000 an den Schulen im Stadtbereich. Rund 1000 Mitarbeiter in der IT unterhält die Stadt und auf knapp 7000 dieser Rechner läuft bereits der Basis-Client LiMux. Bis 2012 sollen es 8500 sein.

“Derzeit rollen wir jede Woche zwischen 40 und 100 neuer Clients aus”, berichtet Maier. Die einzelnen Abteilungen können dann ihren Desktop über ein Script-basiertes System noch erweitern und an ihre Bedürfnisse anpassen. Natürlich komme es bei speziellen Anforderungen der einzelnen Fachgruppen immer wieder zu Überraschungen, aber weder die Kommunikation mit Windows-Clients noch der erhöhte Schulungsaufwand bei den Nutzern sorge für unüberwindliche Probleme.

Auch politisch scheint das Projekt nach wie vor solide aufgestellt zu sein. Fernziel ist, bis 2014 80 Prozent aller Rechner auf LiMux umgestellt zu haben und daran mag derzeit wohl auch niemand mehr rütteln. “Es gibt einfach Fälle, da ist eine Umstellung auf Linux einfach nicht wirtschaftlich”, erklärt Maier.

Mit der Version 4 des LiMux-Clients nutzten die Münchner noch die KDE-Version Trinity (3.5.12). In kürze wollen die Münchner aber die Oberfläche wechseln. “Dieser Umstieg ist mit einigen Hürden verbunden”, erklärt Maier. Den meisten Ärger haben Maier und seine Team-Kollegen laut eigenen Angaben jedoch mit Druckern. “Das kennt man ja auch von zu Hause, dass die nicht so wollen, wie man sich das vorstellt”, erklärt Maier. Doch mit Hilfe der Hersteller, die offenbar sehr engagiert in dem Projekt mitwirken, lassen sich auch hier Lösungen finden.

Eine weitere überraschende Erkenntnis ist, dass den Anwendern das Betriebssystem und dessen Oberfläche scheinbar gleichgültig sind. “Wichtig für unsere behördlichen Anwender ist, dass ihre Anwendungen wie SAP, Browser oder OpenOffice laufen”, erklärt Maier.

Aber lassen sich bereits erste Früchte der ehrgeizigen Migration ernten? Maier: “Die Stadt hat natürlich vor dem Projekt eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung gemacht. Wie viele Tausend Euro wir bislang durch Einsparungen bei Lizenzen gemacht haben, kann ich nicht sagen.” Doch Maier sieht andere Vorteile, die sich bereits jetzt voll auszahlen. “Nachdem ja sämtliche Schnittstellen offen sind, tun wir uns bei den Ausschreibungen deutlich leichter. Wir können sagen: hier ist ein Problem, wer kann das machen.” Und das sei unter proprietären Systemen nicht immer so einfach gewesen. Dank Open Source sei es nun viel einfacher, auch lokale Dienstleister einzubinden, die wie die großen Konkurrenten höchste Professionalität bieten. “Damit fördern wir den lokalen IT-Mittelstand.”

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