Mit Social Media zum Social Enterprise

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Der diesjährige Dreamforce-Event von Salesforce.com stand unter dem Motto “Welcome to the Social Enterprise”. Ein offensichtlich heißes Thema, denn mit 45.000 registrierten Teilnehmern war es die größte Unternehmens-Veranstaltung in der IT-Welt – größer als die bisherigen Megaevents von Oracle, Microsoft und SAP.

“Social Enterprise ändert die Art, wie tausende an Unternehmen miteinander kommunizieren und wie sie mit ihren Kunden und Partnern über Social-Media in Verbindung stehen. Immer mehr Firmen nutzen die bestehenden Social-Media-Netze um sie für ihre Produkt-Entwicklung und Kampagnen auszuwerten”, sagte Salesforce-Chef Marc Benioff in seiner Eröffnungs-Keynote.

Für diesen Bedarf hat Salesforce sein Kommunikationssystem Chatter weiter ausgebaut. Es ähnelt jetzt immer mehr einem kompletten Multi-Media-IM-System. Das zeigt sich vor allem daran, dass es in Zukunft auch zur externen Kommunikation mit Kunden, Partnern und Lieferanten genutzt werden kann.

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Die wichtigsten neuen Funktionen sind “Live Chat” und Meetings via Twitter; die Möglichkeit, den Desktop eines Gesprächspartners übers Internet einzusehen sowie die Möglichkeit Profile anzulegen, die auf den Profilen bei Facebook und Twitter basieren.

Strategisch gesehen empfiehlt Benioff den Unternehmens-Chefs einen Drei-Stufen-Plan um den Wandel zum Social Enterprise zu vollziehen:

  • 1. Erstelle umfassende Profile der Kunden in einer Social-Database. Damit lassen sich die Interessen und Bedürfnisse der Kunden besser erkennen, sodass gezieltere Ansprachen und Angebote möglich sind.

  • 2. Erstelle ein Social-Netzwerk für die Mitarbeiter. Dieses muss vollständig mit den Geschäftsprozessen verbunden sein. Motiviere die Mitarbeiter dieses Netzwerk nicht nur für die Zusammenarbeit, sondern auch für Social-Marketing und Produkt-Support zu nutzen.

  • 3. Verbinde das interne Social-Netzwerk mit externen Netzen sowie mit den Netzen von Partnern, Kunden und Lieferanten.

Doch die Nutzung von Social-Media im Unternehmen ist nicht ohne Probleme. In einem Gespräch mit Silicon.de räumte Salesforce‘ Senior Vice President Sean Whiteley eine Reihe an Bedenken ein. Hauptproblem ist, dass alles was dort gechattet wird, letztendlich Unternehmens-relevante Informationen sind, die entsprechend den gesetzlichen Auflagen zu archivieren sind. Das ist umso wichtiger, wenn diese Kommunikation über die Unternehmensgrenzen hinaus geht und damit die Rechtsverhältnisse zu Kunden und Lieferanten betroffen sein können. “Es muss jedem Mitarbeiter stets klar sein, dass die Nutzung von Chatter kein Privatvergnügen ist”, sagt Whiteley über die Grenzen der Social-Media-Nutzung im Unternehmen.

Für Salesforce.com ist dieser Anwendungsbereich jedoch derzeit der Focus der Unternehmensstrategie, was sich unter anderem auch daran zeigte, dass Benioff den größten Teil seiner Keynote diesem Thema widmete.

Marc Benioff. Quelle: silicon..de/Harald Weiß
Marc Benioff. Quelle: silicon..de/Harald Weiß

Darüber hinaus war Benioff – wie immer in seinen Keynotes – gut für ein paar Provokationen. An die Adresse von Microsoft gerichtet: “Bill Gates hat einmal gesagt, Windows kann auf jedem Gerät laufen, inklusive Handy – nun, ich denke, es sind nicht allzu viele Windows-Handys in diesem Raum.” An seinen Erzrivalen und früheren Arbeitgeber Oracle: “Achtung vor der falschen Cloud, denn diese ist nicht wirtschaftlich – sie hat keine Zukunft.” Und an HP: “Gratulation an Léo Apotheker; er hat erkannt, dass PCs von gestern sind. Smartphones und Tablets haben diese Rolle übernommen – das sagen wir ja schon seit langem.”

Manchmal allerdings gehen die Aussagen von Benioff ein wenig über das Ziel hinaus. So nutzte er die blutigen Volksaufstände in Libyen und anderen arabischen Ländern als Argument für die Einführung von Social Media in den Unternehmen. “Wir haben den Sturz von Mubarak gesehen und wir erleben den Sturz von Gaddafi – wann wird der erste CEO über die gleichen Gründe stürzen”, sagte Benioff mit Anspielung darauf, dass Facebook und Twitter eine wichtige Kommunikationsrolle bei den Aufständen gespielt haben.

Ob es allerdings angebracht ist, die mit Terror und Folter unterdrückte Bevölkerung dieser Länder mit den freien und rechtlich gut abgesicherten Arbeitnehmern eines amerikanischen Unternehmens zu vergleichen, muss sich jeder selbst fragen. Schließlich ist es schon über 150 Jahre her, als in den USA zum letzten Mal auf streikende Arbeiter geschossen wurde.