Wissenschaftler untersuchen Banken-Apps

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Immer mehr Banken bringen Apps auf den Markt oder ziehen dies in Erwägung. Wissenschaftler des ProcessLab der Frankfurt School of Finance & Management haben dazu jetzt eine Studie vorgelegt: Banking-Apps für Smartphones – Internationale Verbreitung und Entwicklungspotenziale.

Zu verschiedenen Zeitpunkten zwischen März 2010 und Mai 2011 analysierten die Forscher nach eigenen Angaben national und international angebotene Banking-Apps für das iPhone sowie ihre Funktionalitäten. So konnten sie eine quantitative Erhebung und eine qualitative Analyse durchführen. Zwischen März 2010 und Januar 2011 stieg die Anzahl der Banking-Apps im deutschsprachigen Raum demnach von 14 auf 38 an. Im Mai 2011 boten alleine in Deutschland 28 Banken 45 Apps an

Insbesondere in der Mitte 2010 war international ein enormer Anstieg zu erkennen: Zwischen März und Juli 2010 stieg die Anzahl der Banking-Apps um 218,3 Prozent. Dieser Trend setzte sich so stark fort, dass sich die Wissenschaftler von da an auf die Apps der internationalen Großbanken konzentrierten. Jedoch bot im Januar 2011 erst knapp die Hälfte der weltweit größten 100 Banken überhaupt eine Banking-App an. Weitere wesentliche Ergebnisse:

  • Die Ausstattung der Apps variiert erheblich. Klassische Banking-Services (etwa für Überweisungen) überwiegen; weltweit allerdings bieten Banken immer mehr Near- und Non-Banking-Services (wie Wechselkursrechner oder Börseninformationen) über Apps an. Insbesondere australische, asiatische und südamerikanische Banken stellen Apps mit vielen Funktionalitäten ohne direkten Banking-Bezug (wie Reiseplaner und Restaurantführer) zur Verfügung, die einen hohen Kundenutzen stiften.

  • Near-Banking-Services setzen sich anfangs nur langsam durch. So entfielen im ersten Halbjahr 2010 von durchschnittlich 5,2 Services pro App nur 0,4 auf Near-Banking-Services.

  • Im Januar 2011 verfügten deutschsprachige Apps durchschnittlich über 0,7 Near-Banking-Services, international boten Apps von Banken zum selben Zeitpunkt 1,4 Near-Banking-Services an. GPS-gestützte Services sind derzeit fast ausschließlich auf Bankthemen begrenzt, so kann man Geldautomaten und Filialen finden. Die Autoren sehen hier Ausbaupotenzial insbesondere im Hinblick auf Non-Banking-Angebote.

  • Der Android-Markt bot Anfang des Jahres 2011 noch weitaus weniger Banking-Apps als der Apple App-Store (33 Banken der Top-100 boten Apps für Android, 47 Banken boten Apps für iPhones).

“Immer mehr Banken bieten über Apps ihre Services an, da ihre Kunden dieses Format im Alltag nutzen”, sagte Dr. Jürgen Moormann, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School. Die Banken hätten das Potenzial der Apps jedoch noch nicht in Gänze erfasst und realisiert. “Machen Banken über ihre Apps auch Angebote ohne Bankbezug, stiften sie einen praktischen Nutzen für den Kunden. Unsere Analysen zeigen, dass Banken so über das eigentliche Bankgeschäft hinaus beim Kunden präsent bleiben, das eigene Image ausbauen und Kunden binden können.”