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Fortune, die Publikation, die die Wirtschaft in der Art von Fußball-Tabellen erklärt, weist einen neuen Spitzenreiter aus: Carol Bartz, bis vor kurzem CEO von Yahoo. Im Interview mit dem Blatt hatte jene sich einer ungewöhnlichen Wortwahl befleißigt.

Ihre Kündigung umschrieb sie mit: “These people fucked me over.” Und auf deren Umstände – ihr wurde am Telefon ein von Anwälten formuliertes Entlassungsschreiben verlesen – will sie mit der Frage reagiert haben: “Why don’t you have the balls to tell me yourself?”

3968 sozialen Netzwerkern gefällt das. Und 2913 twitterten es. Zum Vergleich: Der jüngste Artikel über den ungleich erfolgreicheren Steve Jobs bringt es gerade mal auf 99 Tweets.

Bartz’ ehemalige CEO-Kollegen sind indigniert. Und mitfühlendere Zeitgenossen als jene, die gemeinhin auf Chefetagen anzutreffen sind, mögen sich besorgt fragen, was schiefgelaufen ist im Leben einer alten Dame, die so etwas Unangenehmes wie einen Rauswurf mit Worten beschreibt, die dem Bereich der schönste Sache der Welt entstammen.

Überhaupt ist das ja recht vertrackt in der IT-Industrie mit schlimmen Wörtern und Dingen auf der einen Seite und schönen auf der anderen. Da gerät leicht einiges durcheinander.

Als Dell etwa 2007 zehn Prozent seiner Beschäftigten feuerte, nannte der Konzern das „Redundanzen entfernen“. In der Sprache von Carol Bartz hätte es sehr viel unfeiner geklungen.

“No porn” komme ihm aufs iPhone sagte Steve Jobs 2008 bei der Eröffnung des App Store. Porn ist vom griechischen porneia abgeleitet, was Unzucht bedeutet. Man stellt es sich am besten als das vor, wovon Carol Bartz redet, wörtlich genommen und filmisch umgesetzt.

Einleuchtend, dass so etwas nicht zum Produktimage eines Gadgets passt, das mehr modisches Assessoire als schnödes Telekommunikationsendgerät ist. Aber wie’s nun mal so ist mit Leuten, die mit der Moral ein Geschäft machen: Erstere hängt von Letzterem ab und nicht umgekehrt. Und so ist es denn nur konsequent, dass man es bei Apple als mindestens ebenso pornographisch wie die Ausdrucksweise von Carol Bartz empfindet, wenn jemand Software der Konkurrenz verwenden will.

“User-centric” ist ein häufig gebrauchter Textbaustein in der IT. Da steht dann der Anwender, also ein Mensch, im Mittelpunkt.

Wenn jener aber ein bisschen Erfahrung mit der Branche gemacht hat, dann schauderts ihn bei der Vorstellung. Auf der Website eines finnischen Handy-Herstellers etwa heißt es: “Bei Nokia steht der Mensch im Mittelpunkt.”

Ein paar Tausend davon hat der Konzern zusammen mit seinem Betriebssystem Symbian aussortiert und entlassen. Wenn man die Ausdrucksweise von Carol Bartz bemühen wollte, würde man fragen: “Why don’t you have the balls to express yourself properly?”

Hey, ihr auf den Chefetagen der IT-Industrie, nun habt euch mal nicht so, und seid nachsichtig mit eurer ehemaligen Kollegin. Denn schlimmer, als ein bisschen schweinisch, ist schönzureden. Und Carol Bartz würde jetzt vielleicht noch hinzufügen: “Screw you, you fucking bastards!”

Achim Killer

ist freier Autor. Er arbeitet für die ARD, den Deutschlandfunk und für verschiedene IT-Publikationen. Sammlungen seiner silicon.de-Wochenrückblicke sind im Verlag BoD, Norderstedt erschienen.

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2 Kommentare zu Oh Carol

  • 16.9.2011 um 10:24 von Andreas Giese

    Und wieder einmal…
    …auf den Punkt gebracht :-)

    Worthülsen vs. klare Sprache, da lassen sich wahrscheinlich einige Episoden verfassen – und es kommt ja auch hin und wieder eine – Schön so.

  • 16.9.2011 um 11:04 von Stas

    CIO
    Herr Killer,

    ist Ihre CIO tatsächlich so bildhübsch wie es das popup zeigt?

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