Apple verbannt sozialkritisches Spiel aus dem App Store

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Den Versuch, den Nutzern von Smartphones ihre soziale Verantwortung vor Augen zu führen, durchkreuzte Apple jetzt mit einer drastischen Zensurmaßnahme.

Der Coltan-Abbau in Afrika, Selbstmorde in einer chinesischen Fabrik, gesundheits- und umweltschädliche Entsorgung und Verwertung von Elektroschrott und schließlich durchgedrehte Verbraucher in Regionen, in denen eine Wertekonzentration herrscht. All das wurde in dem sozialkritischen Spiel “Phone Story” zusammengefasst.

Allerdings scheint man bei Apple wenig darüber begeistert, dass der Hersteller von Smartphones in dem Spiel eine Birne als Logo hat. In dem Spiel muss man zum Beispiel Arbeiter, die aus einer Fabrik in den Selbstmord springen wollen, auffangen. Deswegen wurde es jetzt aus dem Shop entfernt.

Dem Hersteller Molleindustria zufolge hat Apple vier Gründe genannt, warum das Spiel entfernt wurde. Zwei hatten mit dem Inhalt zu tun: Zum einen wurde die Klausel genutzt, dass Spiele keine Gewalt gegen oder Missbrauch von Kindern enthalten dürfen. Zum anderen werden Apps mit anstößigen, allzu rohen Inhalten verboten. Molleindustria reagiert darauf mit der sarkastischen Ankündigung, es werde die Smartphone-Herstellung in einer neuen Version weniger anstößig und weniger grob schildern.

Es ist zwar nur ein Spiel, aber 'Phone Story' kritisiert dennoch unmenschliche Bedingungen in der High-Tech-Produktion. Screenshot: ZDNet
Es ist zwar nur ein Spiel, aber ‘Phone Story’ kritisiert dennoch unmenschliche Bedingungen in der High-Tech-Produktion. Screenshot: ZDNet

Außerdem stoße sich Apple an der Behauptung, der mit dem Spiel generierte Umsatz gehe direkt an Arbeiterschutzgruppen und andere wohltätige Organisationen, die “den im Spiel wiedergegebenen Horror bekämpfen”. Apple legt in seinen Nutzungsbedingungen fest, dass Apps mit Spendenmöglichkeit kostenlos sein müssen. Als Spendenmöglichkeit sind nur SMS sowie Websites zugelassen, die sich in Safari öffnen. Dem entgegnet Molleindustria, dass es ja gar keine Spendenmöglichkeit vorsehe, sondern einfach nur die Einnahmen weitergebe.

Phone Story von Molleindustria kostete 79 Cent, bevor es aus dem Store verschwand. Jetzt ist nur noch die Android-Version in Googles Market verfügbar. Der Hersteller schreibt, das Spiel sei ein Versuch gewesen, die Plattform zu kritisieren, indem man sie benutzt. “Unter der glänzenden Oberfläche elektronischer Spielzeuge verbirgt sich das Erzeugnis einer besorgniserregenden Lieferkette, die sich um den Globus erstreckt.”

Weitere Apps von Molleindustria sind “Leaky World”, angeblich eine interaktive Umsetzung eines Essays von Julian Assange, sowie “Oligarchy”, bei dem Spieler die “Petroleum-Ära” in der Rolle eines Wirtschaftsmagnaten durchspielen können. Außerdem bietet das Spiel “Faith Fighter” mit der Unterzeile: “Religiöser Hass war nie so vergnüglich”. Ein Blick auf die Seite der Menschenrechtsorganisation lohnt sich also.

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