WSJ: Apotheker würde HP mit 35 Millionen Dollar verlassen

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Der ehemalige SAP-Chef Leo Apotheker hat erst vor knapp einem Jahr seinen Posten als CEO beim US-Konzern HP angetreten – nun steht sein Rauswurf möglicherweise unmittelbar bevor. Das berichten übereinstimmend mehrere amerikanische Medien. Demnach ist Ex-Ebay-Chefin Meg Whitman als Nachfolgerin im Gespräch.

Leo Apotheker. Quelle: CBS Interactive
Leo Apotheker. Quelle: CBS Interactive

Das Wall Street Journal berichtet, dass die Ablösung zwar noch nicht beschlossen sei, allerdings dränge eine starke Fraktion im Verwaltungsrat auf einen baldigen Rauswurf. In den vergangenen Monaten waren eine Reihe von Apothekers Entscheidungen bei Analysten und Investoren auf Unverständnis gestoßen.

Dementsprechend freudig wurden die aktuellen Gerüchte über den Rauswurf des Managers an der Börse aufgenommen. Die Aktie stieg schlagartig um rund acht Prozent – für HP bedeutet das eine Steigerung des Börsenwerts um 3 Milliarden Dollar.

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Apotheker hatte Mitte August überraschend einen radikalen Umbau des Konzerns angekündigt. Das Geschäft mit Smartphones und Tablets soll eingestellt, das profitable Kerngeschäft mit Desktops und Notebooks in eine eigene Firma ausgelagert werden. Kritiker warfen Apotheker vor, er wolle durch die Auslagerung Verantwortung abwälzen.

Ebenfalls wenig Begeisterung zeigten Analysten dafür, dass die Smartphone- und Tablet-Hardware eingestellt wurde, das zugehörige Betriebssystem WebOS jedoch weiterentwickelt und an andere Hardwarehersteller lizenziert werden solle. Nach der Ankündigung von Apothekers Strategiewechsel sackte die HP-Aktie um 20 Prozent ab.

Was nicht nur an der Strategie selbst lag, sondern auch an der Kommunikation der selbigen. Könne man die “Ankündigungen noch in gewisser Weise nachvollziehen, so muss man die Kommunikation von HP/Apotheker als absolute Katastrophe bezeichnen”, schreibt etwa Andreas Zilch von der Experton Group in einer silicon.de-Analyse. Als Beispiel nennt er die überraschende Ankündigung, sich aus dem Smartphone- und Tablet-Geschäft zurückzuziehen. “Noch schlimmer ist die Disposition der PC-Sparte mit einem Volumen von immerhin 30 Milliarden Dollar. Wenn man diese verkaufen möchte, dann kündigt man das nicht in der Öffentlichkeit an, verunsichert Kunden und Partner und reduziert den Marktwert damit um mehrere Milliarden Dollar”, urteilt Zilch. Insgesamt könne man die Ankündigung “als konsequent bezeichnen, keineswegs aber als intelligent”.

Auch bei seinem vorigen Arbeitgeber SAP hatte sich Apotheker lediglich 12 Monate im Amt des CEOs gehalten. In Walldorf wurden ihm unter anderem zu wenig Kundennähe und ein wenig auf Teamarbeit ausgelegter Führungsstil zur Last gelegt. Als HP dann Apotheker nur Monate nach dem Aus bei SAP an die Spitze holt, verschlägt es Oracle-CEO Larry Ellison nach eigenen Worten die Sprache: “HP hatte einige gute interne Kandidaten, aber statt dessen nehmen sie einen, der vor kurzem gefeuert wurde, weil er so einen schlechten Job als Chef von SAP gemacht hat”, schreibt Ellison in einem Brief an das Wall Street Journal.

Uneinig sind sich die Beobachter aktuell darüber, ob es Ex-Ebay-Chefin Meg Whitman – die bereits Mitglied des Boards von HP ist – gelingen kann, den schlingernden Konzern wieder auf Kurs zu bringen. Sie musste Ebay 2008 verlassen, nachdem die damalige Tochter Skype das Auktionshaus trotz Umsatzzuwächsen tief in die roten Zahlen rutschen ließ. Zudem machen einige Analysten Whitman dafür verantwortlich, dass Amazon dem einstigen Platzhirsch im Onlinehandel erhebliche Marktanteile abnehmen konnte.

Leo Apotheker kann derweil das Stühlerücken, das seinem möglichen Abgang folgen könnte, gelassen beobachten. Nach Berechnungen des Wall Street Journal stehen ihm nach elf Monaten an der Spitze von HP 35 Millionen Dollar zu. Die Summe setzt sich zusammen aus einer Abfindung in Höhe von 7,2 Millionen Dollar und einem Aktienpaket, das mit rund 18,8 Millionen Dollar bewertet wird. Darüber hinaus habe Apotheker seit seinem Amtsantritt im November 2010 bereits 10 Millionen Dollar erhalten. HP wollte die Berechnungen der Zeitung nicht kommentieren.

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