HP feuert Apotheker und holt Ebay-Chefin Whitman

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Der HP-Verwaltungsrat hat die Reißleine gezogen und Leo Apotheker nach nur 10 Monaten wieder entlassen. Mit Meg Whitman ist bereits eine Nachfolgerin bestimmt.

Man schätze die “Bemühungen” Apothekers, heißt es süffisant aus dem HP-Verwaltungsrat zur Entlassung Apothekers. Der Rauswurf Apothekers wurde ja bereits seit Mittwoch in Gerüchten kolportiert. Doch jetzt ist es offiziell, dass man für den Posten des Vorstandsvorsitzenden bei HP offensichtlich auch “zusätzliche Attribute” mitbringen müsse.

Aber für Apotheker ist dies der zweite jähe Karriereknick innerhalb kurzer Zeit. Schon als SAP-CEO hatte er sich gerade mal ein Dreivierteljahr alleine an der Spitze gehalten. Damals wurde ihm angelastet, die Einführung höherer SAP-Wartungsgebühren unsensibel vorangetrieben und damit Kunden verprellt zu haben.

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Schon auf die Gerüchte zu Apothekers Entlassung hin, reagierte die Börse positiv. Und die Aktie kann einen Kursanstieg gut gebrauchen. 47 Prozent büßte das Papier unter der Führung von Leo Apotheker ein. Dafür soll er jetzt, nach Berichten des Wall Street Journals, eine Abfindung in Höhe von 35 Millionen Dollar kassieren.

Jetzt soll wieder eine Frau das Ruder bei HP übernehmen: Meg Whitman, die ehemalige Ebay-Chefin und Mitglied im HP-Verwaltungsrat. Die muss nun zunächst für mehr Ruhe bei HP sorgen. Zahlreiche Veränderungen im Management hatten in den vergangenen Monaten nach außen hin den Eindruck erweckt, dass das Unternehmen ohne echte Führung sei.

Leo Apotheker. Quelle: CBS Interactive
Leo Apotheker. Quelle: CBS Interactive

Bei seinem Amtsantritt polterte Apotheker noch mit einem Ökosystem rund um Web-OS und mit der Absichtserklärung den Bereich Software bei HP deutlich stärken zu wollen. Nur wenige Monate später wurde unter seiner Führung das Ende des nur wenige Wochen verfügbaren Touchpads verkündet und die Zukunft von WebOS ist seitdem mehr als zweifelhaft. Das klingt eher nach Schlitterkurs als nach Strategie. Auch die PC-Sparte wollte Apotheker loswerden. Doch durch die öffentliche Ankündigung verbrannte Apotheker nicht nur Milliarden des möglichen Kaufpreises, sondern beschädigte mit dieser Aussage auch das laufende Geschäft.

Nur die Drucker sollten als Sparte im Unternehmen verbleiben. Gemessen an seinen Ankündigungen macht lediglich der 10 Milliarden Dollar teure Kauf des britischen Softwareanbieters Autonomy Sinn. Doch ob diese 10 Milliarden, die dem zehnfachen des Jahresumsatzes des Unternehmens entsprechen, auch gerechtfertigt sind, steht dahin. Auch wenn es gemeinhin als gute Idee gehandelt wird, HP stärker auf das Enterprise-Geschäft auszurichten.

Apotheker wollte HP vom margenschwachen Endverbrauchergeschäft abnabeln und sich in erster Linie darauf konzentrieren, für große Unternehmen Technologien und Lösungen anzubieten. Aber das ist ein Bereich, in dem HP auch mit der Consumer-Sparte stark geworden ist. Auf Apothekers erneuten Strategiewechsel nach nur wenigen Monaten reagierte die Börse daher beinahe mit Panikverkäufen. Ein Viertel des Wertes verlor die Aktie im August.

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Und seitdem steht Apotheker mehr unter Druck als je zuvor, auch wenn die Äußerungen Apothekers und der Strategiewechsel mit dem Verwaltungsrat abgesprochen und genehmigt waren. Vielleicht hat der Verwaltungsrat nicht mit diesem Maß an Kritik gerechnet. Aber offenbar sieht man derzeit keine andere Möglichkeit, als erneut den Kopf auszuwechseln. Dennoch wird HP Autonomy tatsächlich kaufen müssen. Ob HP aber auch tatsächlich die PC-Sparte abtrennen wird? Vielleicht besinnt sich HP ja auch wieder auf die Technologien aus der Übernahme von Palm.

Meg Whitman hat als Vorstandsvorsitzende in den zehn Jahren ab 1998 das Portal Ebay zu seiner vollen Blüte verholfen. Seit Januar sitzt sie außerdem im HP-Verwaltungsrat, nachdem sie im Jahr zuvor erfolglos für den Gouverneursposten in Kalifornien kandidierte.

Dass sie in der Lage ist, ein verbrauchernahes Unternehmen zu führen, hat sie bereits gezeigt. Zweifel herrschen in Analystenkreisen allerdings darüber, ob sie auch in der Lage ist, ein technologiegetriebenes Unternehmen nach IBM-Vorbild zu führen.

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