Forscher entwickeln neues Datenbanksystem

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Saarbrücker Informatiker haben ein Konzept für ein Datenbanksystem entwickelt, das sich an unterschiedliche Anforderungen anpassen und ganz verschiedene Systeme vereinen soll. Das BMBF fördert das Projekt Octopus mit 1,1 Millionen Euro, so dass die Forscher jetzt einen Prototypen des Datenbanksystems bauen können.

“Für Datenbanksysteme geben große Unternehmen viel Geld aus, weil sie die tragende Säule fast jeder Unternehmensanwendung sind”, sagte Jens Dittrich, Professor für Informationssysteme der Universität des Saarlandes. “Oft müssen gleich mehrere Systeme angeschafft werden, weil die Anwendungen zu unterschiedlich sind.”

Wenn ein Unternehmen nur Kundendaten oder ein Lagerhaus verwalten wolle, greift es meist auf ein zeilenorientiertes Datenbanksystem zurück, einen Row Store. Darüber werden etwa die verkauften Produkte verbucht oder die Gehaltslisten der Mitarbeiter geführt. “Wenn der Firmenchef aber analysieren möchte, wie hoch sein Umsatz im letzten Quartal war oder wie sich die Altersstruktur entwickelt, dann reicht das zeilenorientierte Datenbanksystem oft nicht aus. Für komplexere Anfragen sind spaltenbasierte Datenbanksysteme erforderlich, so genannte Column Stores.”

Noch höhere Ansprüche würden an Datenbanksysteme gestellt, die zum Beispiel Flughäfen oder den Zugverkehr überwachen. Sie müssten ständig Daten abgleichen und innerhalb von Millisekunden reagieren, um Kollisionen zu verhindern. Dort seien Data-Stream-Systeme im Einsatz. “Unsere Vision ist es, ein Datenbanksystem zu entwickeln, das alle verschiedenen Systeme vereint, die derzeit auf dem Markt parallel angewendet werden.”

Als Symbol und Namen für das Projekt wählte Dittrich Octopus – den Tintenfisch, der extrem wandlungsfähig ist und sich optisch an seine Umgebung anpasst. “Unsere Software soll wie der Octopus selbst herausfinden, welche Anforderungen die Umgebung stellt und welche Anpassungen dafür notwendig sind. Wir wollen in Zukunft in einem Datenbanksystem alles anbieten, was man sich heute mühsam über verschiedene Datenbanken zusammensucht.” Dies biete den Unternehmen auch den Vorteil, dass sie die Daten zwischen den Systemen nicht mühsam abgleichen müssten und man Grenzfälle besser unterstützen könne. “Damit dieses System in der Praxis angewendet werden kann, ist jedoch noch einige Arbeit zu leisten”, so der Informatiker.