Nokia kehrt mit Windows Phone Lumia 800 zurück

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Es könnte der Abschied von Nokias abgehängter Smartphone-Produktlinie werden, was der finnische Hersteller da in London vorgestellt hat. Noch im November wird man in Europa dieses Gerät kaufen können.

Mit dem Lumia 800 und dem etwas günstigerem Bruder Lumia 710 hat Nokia seit langem wieder Geräte vorgestellt, die offenbar das Potential haben, Nokia auch bei Smartphones wieder zu einem großen Player werden zu lassen.

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Das Lumia 800 läuft bereits in einigen finnischen Fabriken vom Band und wird schon für den Versand vorbereitet. Ab November solle es für 420 Euro an insgesamt 31 Carrier in den sechs europäischen Ländern Deutschland, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden und Spanien zu kaufen sein.

Das Lumia 710 mit weniger Speicher und einem weniger aufwändigem Display, dafür um rund 150 Euro günstiger, wird nicht ganz so schnell auf den Markt kommen. Zunächst soll das Gerät in Hongkong, Indien, Russland und Taiwan vertrieben werden. Die USA will das Unternehmen Anfang des kommenden Jahres angehen. Denn USA ist traditionell eine der verkaufsschwächeren Regionen für Nokia.

Die beiden Lumina-Smartphones scheinen ein gelungener Start für die noch junge Kooperation zwischen Microsoft und Nokia zu sein. Im Februar hatte Nokia angekündigt, dass Symbian künftig nicht mehr das wichtigste Betriebssystem für Nokia sein wird und dass Nokia seine Smartphones mit Windows Phone ausrüsten wird. Die Nachricht, dass es eine exklusive und enge Partnerschaft mit Microsoft geben wird, hatte für einiges Aufsehen gesorgt.

Nokia-CEO Stephen Elop hat mit Windows-Phones noch viel vor. Vorerst werden die neuen Modelle aber in Europa auf den Markt kommen. Quelle: CNET
Nokia-CEO Stephen Elop hat mit Windows-Phones noch viel vor. Vorerst werden die neuen Modelle aber in Europa auf den Markt kommen. Quelle: CNET

Dennoch wird sich der Abschied von Symbian noch ein wenig hinziehen. So hat Nokia zusammen mit den beiden Lumia-Geräten auch die Serie Asha vorgestellt. Auf Hindi bedeutet Asha ‘Hoffnung’. Und damit dürfte auch der Zielmarkt dieses Gerätes schon etwas umrissen sein. Mit dem Asha 200, Asha 201, Asha 300 und Asha 303 will Nokia bezahlbare und dennoch ansprechende und vielseitige Geräte für die ganze Welt anbieten. Die Geräte kosten zwischen 60 und 105 Euro.

Das Lumia 800 hat zumindest bei einigen technischen Werten viel Ähnlichkeit mit dem vor einigen Monaten vorgestellten Nokia N9 mit dem Nokia-Betriebssystem Meego. Mit einem 1,4 GHz Prozessor, einem 3,7 Zoll Touch-Screen 16 GB Memory und einer 8 Megapixel-Kamera sind die beiden Geräte zumindest auf dem Papier ähnlich ausgerüstet.

Doch das Lumia 800 bringt noch weit mehr mit. Über Windows Phone 7.5 (Mango) sind Dienste wie Bing oder Twitter sehr eng mit dem Betriebssystem verzahnt. Ein echtes Alleinstellungsmerkmal ist die Funktion “Nokia Drive”, die offenbar eine vollwertige Navigations-Funktion erlaubt. Diese ist bereits ab Werk installiert und beinhaltet auch vollständiges Kartenmaterial. Nutzer müssen für diese Funktion nichts herunterladen. Anwender anderer Plattformen, wie etwa Android oder iOS können zwar mit dem Handy ebenfalls navigieren, jedoch müssen sie dafür erst die entsprechenden Anwendungen herunterladen.

Mit SkyDrive, einem Gratisspeicher über 25 GB in der Cloud macht Nokia der iCloud von Apple Konkurrenz. Eine Musik-App bietet kostenlos vorgefertigte Musik-Listen an, die heruntergeladen werden können. Die Anwender können dann, wenn sie offline sind, diese Listen abspielen. Zusammen mit ESPN bietet Nokia auch eine “Sport-App” an. Diese Sport-App ist ebenfalls vorinstalliert und berge laut Kevin Shields, dem Chef des Nokia Smartphone Teams, den Vorteil, dass es die Funktionen mehrerer Apps abbilde. All diese Apps werden übrigens auch auf dem Lumia 710 verfügbar sein.

Die Kombination von schlichtem Design und der Integration von Apps und Software, sei der Kern der neuen Lumia-Serie, so Nokia-CEO Stephen Elop bei der Keynote auf der Nokia World: “Wir signalisieren, dass wir die Führerschaft bei Smartphone-Design und Herstellung anstreben.” Doch die ersten beiden Lumia-Geräte seien nur der erste Schritt gewesen.

Aber warum startet Nokia diese Geräte zunächst in Europa? Zum einen will Nokia an die vergangenen Tage anknüpfen, in denen die besten Geräte zuerst in der alten Welt verfügbar waren. Es ist aber vermutlich auch einer technischen Notwendigkeit geschuldet. Denn Microsofts Betriebssystem unterstützt bis dato keine LTE-Services. Ohne dieses Feature aber wird sich Nokia, das ja wie gesagt ohnehin in den USA traditionell nicht sonderlich stark vertreten ist, in dem heiß umkämpften Markt schwer tun, das Interesse der Carrier auf sich zu lenken.

Wie der Analyst Avi Greengart von Current Analysis erklärt, scheint sich Nokia zunächst auf die Region zu konzentrieren, wo die größten Umsätze locken. Das ist verständlich und nachvollziehbar, hat aber auch einen Haken. “Denn damit stellt Nokia die USA wieder auf Sparflamme.”

Schwierig dürfte es für das Lumia auch durch das neue iPhone 4S werden, das derzeit viel Aufmerksamkeit auf sich zieht. “Es wird wirklich schwierig, gegen ein 99-Dollar-iPhone 4 anzutreten”, prognostiziert Greengart. “Doch Nokias Botschaft für Windows Phone ist dramatisch besser, als die von Microsoft. Nokia hat es geschafft, dass Windows Phone ansprechend wirkt, was eigentlich auch nicht schwer ist, weil das ohnehin den Tatsachen entspricht.”

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