SAPs Zukunft mit In-memory, Mobile und Cloud

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SAP gewichtet auf den beiden Kunden- und Entwicklerkonferenzen Sapphire und TechEd in Madrid die Technolgien In-memory, Mobilität und Cloud mehr als alle anderen Themen. Sämtliche Anwendungen, die SAP offeriert, sollen dafür geöffnet werden, ebenso für Virtualisierung. Das anvisierte Ergebnis: Platform as a Service.

4800 Besucher lauschten andächtig dem irischen Schauspieler Gabriel Byrne, als er das Generalmotto SAPs für die Konferenz anriss, nämlich Innovation. Bei Umsatzsteigerungsraten von über 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr verfügt SAP über genügend Mittel, um Innovation auf allen Gebieten voranzutreiben. Gleichzeitig achten die SAP-Vertreter sorgfältig darauf zu betonen, dass die Kunden erstens immer Wahlfreiheit haben werden und zweitens alle Innovationen, egal wo, stets abwärtskompatibel sein werden. Man will tunlichst keine Bestandskunden verprellen.

Vier Plattformen

Künftige SAP-Anwendungen, so die Erkenntnis aus zahlreichen Vorträgen und Gesprächen, werden vor allem auf vier Plattformen ausgeführt werden. Der Um- und Ausbau ist bereits seit Jahren in vollem Gange und wird noch mindestens zwei weitere Innovationswellen sehen.

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Virtualisierung: Jede Server-basierte Anwendung wird für Virtualisierung (PDF) geöffnet. Nicht nur SAP selbst hat bereits nach Angaben von SAP-Manager Allan Bannon rund 50 Prozent seiner Server-Anwendungen virtualisieren können, auch zahlreiche seiner Kunden in aller Welt treiben die Virtualisierung als Voraussetzung für die Cloud-Nutzung voran.

Wichtigster Helfer dabei ist VMware. VMware-CEO Paul Maritz und EMC-President und COO Pat Gelsinger, wurden live in CTO Vishal Sikkas Keynote zugeschaltet, um ihre Version darzulegen. SAP hat zudem mit LVM (Landscape Virtualization Management)eigene Verwaltungswerkzeuge für Virtualisierungsumgebungen entwickelt. Diese ist bereits beim Elektronikkonzern Bosch, Stuttgart, im Einsatz.

Cloud: Sämtliche SAP-Anwendungen werden Cloud-fähig gemacht. Dies ist naturgemäß ein langer Prozess und betrifft nicht nur bestehende, sondern auch neue Applikationen. Business ByDesign erfreut sich mittlerweile 700 Kunden weltweilt; bis Jahresende dürften es tatsächlich die anvisierten tausend werden. Durch das SDK können Kunden ihre BBD-Installation anpassen und Partner ihr Branchen-Knowhow einbringen, so dass ein Ecosystem einsteht.

Die SAP-Manager Peter Lorenz, Peter Maier und Robert Viehmann stellten ein On-Demand-Produktportfolio vor, das sukzessive komplettiert wird: Plattformanwendungen wie die Business Suite werden ergänzt von Fachabteilungsanwendungen wie Sales– oder Service on-demand. Produktivitätsanwendungen wie StreamWork sorgen für Kollaboration in der Cloud. Die Integrationsplattform Crossgate gewährleistet in der Cloud sicheren, skalierbaren und performanten Austausch von Dokumenten. Voilà: Suite on-demand.

Mobilität: “Mobile is the new desktop”, sagte einmal ein Analyst, und daran orientiert sich auch SAP. Alle seine Anwendungen werden sukzessive mobil gemacht. Deshalb sieht man bereits jetzt, etwa für BI-Anwendungen, vor allem Tablet-fähige Benutzeroberflächen, denn das iPad, wie eine SAP-Kundin aus Südafrika klarmachte, ist das einzige Gerät, das auf Vorstandsebene akzeptiert wird.

Für solche mobilen Anwendungen sind Cloud-Strukturen unerlässlich, weshalb das kürzlich vorgestellte SAP BI on-demand nur der Anfang ist. Aber mobile Apps, wie sie im SAP Store zu finden und zu testen sind, müssen sicher und regelkonform (Governance, Compliance) verwaltet werden. Dazu dient die Sybase Unwired Platform inklusive Sybase Afaria.

In-memory Computing (IMC): Vishal Sikkas Keynote stellt In-memory-Computing auf der SAP-Appliance HANA in der Vordergrund. Wie schon bekannt, bildet die spaltenorientierte Datenbank T-REX in HANA bereits die technische Grundlage für Business ByDesign. Die Performance-Vorteile, die SAPs Kunden mit Faktoren von 1000x bis 100.000x angeben, sollen künftig sämtlichen SAP-Anwendungen, dem Data Warehouse BW sowie dem Netweaver-Server (ABAP und Java) zugute kommen.

Die deutsche AOK, der “größte HANA-Kunde weltweit” (SAP), kann damit endlich Data Mining in vertretbarem Zeitrahmen betreiben, um etwa Krankheitsaufkommen zu untersuchen: “Statt 150 Stunden braucht so ein Suchlauf nur noch drei Stunden oder weniger”, berichtet Udo Patzelt von AOK Systems. Andere GKVs wollen die mit SAP entwickelte HANA-Lösung übernehmen.

Aber HANA ist nicht bloß eine Ausführungsplattform, sondern auch eine Entwicklungsumgebung. Das bedeutet, dass Partner auf die künftigen beschleunigten SAP-Anwendungen wie etwa Rapid Deployment Solutions (auf All-in-one) eigene Branchenanwendungen entwickeln und ihren Kunden dedizierte HANA-Anwendungen anbieten können. Dies hatte Peter Maier in Leipzig beim DSAG-Jahreskongress noch für “vorstellbar” genannt nun wurde es in Madrid Gewissheit.

Alles ist im Fluss

Was Vishal Sikka in seinem Vortrag lediglich andeutete, konnte der zuständige Manager ausführlich erläutern. Netweaver werde im Zuge des Projekts “River” zu einer Platform as a Service ausgebaut. Sonst könnte ja gerade die Grundlage des Flaggschiffs Business Suite keine Services für Cloud und Mobilität bereitstellen. Schon die kommende Version 7.31 werde erste Services auf Java-Grundlage liefern – ABAP spielt nur noch die zweite Geige. Das Produkt Netweaver Gateway ermögliche Endanwendern die unkomplizierte Einbindung fremder Datenquellen wie Social Media sowie die individuelle Gestaltung von Benutzeroberflächen. Selbstredend wird auch der Netweaver-Bolide per HANA beschleunigt.