RaaS – Rückblick-as-a-Service

Enterprise

Wenn die Leute ganz anders daherreden als früher, dann liegt das meist daran, dass mal wieder so ein Paradigmenwechsel stattgefunden hat. Sowas war einmal eine gemütliche Sache, weil man sich viel Zeit dafür lassen konnte, etwa um sich nach 2000 Jahren ptolemäischem Weltbild langsam an das kopernikanische zu gewöhnen.

Seit der Erfindung der IT aber, geht das so schnell, dass man oft nicht mehr mitkommt. Aber man merkt’s halt doch irgendwann, spätestens, wenn die Leute nicht nur anders reden, sondern das auch noch auf verschiedenen Layern so halten.

Deshalb ist’s mittlerweile denn auch offenkundig: Das Cloud Computing ist ein richtiges Paradigma. Es gibt eine Infrastructure-, eine Platform- und jede Menge Software-as-a-Service. Das ist zwar nicht ganz so schön wie das ISO/OSI-Referenzmodell, aber doch fein säuberlich gegliedert.

Und totalitär ist es ebenfalls, das Cloud Computing, wie’s sich für ein ordentliches Paradigma gehört: In der klugen Wikipedia findet sich schon seit zwei Jahren ein Artikel über Xaas (Everything-as-a-Service).

Besser ist die Welt dadurch allerdings nicht geworden, was sich unschwer daran erkennen lässt, dass eine US-Firma “Leadership-as-a-Service” als Markenzeichen hat eintragen lassen. Das Paradigmenhafte besteht darin, dass man Druck von oben jetzt wohl als Service aufzufassen hat.

Das muss ein äußerst umkämpftes Marktsegment sein, schließlich ist die Wirtschaft voller kleiner Führer vom Unterabteilungsleiter bis zum Vorstandsvorsitzenden. Oder um es gefälliger zu formulieren, voller Provider von Leadership-Services.

Die vergangenen Tage nun haben wieder einmal gezeigt, dass man die Welt durchaus mit dem aaSP (as-a-Service-Paradigm) zu fassen kriegt: Google Music kopiert iTunes und Microsoft mit Socl Facebook. Das wäre dann Cloning-as-a-Service.

Facebook seinerseits hat zugegeben, was eh schon jeder gewusst hat, dass es über Monate hinweg die URLs protokollieren kann, die seine Mitglieder ansurfen: Spyware-as-a-Service. Adobe könnte den Flash-Player aufgeben. Sollte sich das bewahrheiten, wäre dies ein besonders wertvoller Dienst auf dem Markt für Security-as-a-Service.

Signiertes digitales Ungeziefer ist mal wieder aufgetaucht diese Woche. Ist schon öfters vorgekommen. Meist liegt es daran, dass Dienstleister unbesehen die Software dubioser Kunden unterschreiben. Sie liefern Spoofing-as-a-Service.

Die Settopbox fürs erfolglose Google-TV hat Logitech das Geschäftsjahr versaut. Sowas passiert Unternehmen schon einmal, die sich allzu eng mit großen Konzernen einlassen. Was jene liefern, könnte man Loss-as-a-Service nennen. Als Schwergewicht auf diesem Markt dürfte sich wahrscheinlich noch die Microsoft Corporation mit ihrem Kunden Nokia erweisen.

Und in den USA schließlich opponieren Firmen gegen Markennamen als neue Top-Level-Domains. Auf deren Chefetagen ahnt man wohl inzwischen, dass solche Adressen vor allem in Form eines Jobs-as-a-Service-Dienstes implementiert werden. Allerdings bildet hier nicht die Industrie die Zielgruppe, sondern ausschließlich die Anwaltszunft.

In der Politik greift das aktuelle Paradigma ebenfalls. Hierzulande rufen der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion Hans-Peter Uhl und die bayerische Justizministerin Beate Merk wieder einmal nach der Vorratsdatenspeicherung diesmal wegen der Nazis. Das müsste dann aber schon die nachträgliche Vorratsdatenspeicherung sein. Schließlich soll die Gruppe, um die es derzeit geht, schon Terror verbreitet haben, lange bevor, das Lieblingswort der beiden Christsozialen überhaupt erfunden wurde.

Egal, was passiert, manche meinen halt, Vorratsdatenspeicherung passt immer. – Tja, was soll man dazu sagen? – Superboring-as-a-Service!

So, Schluss für diesmal! Es gilt schließlich, noch viel zu erledigen bis zum Stammtisch heute Abend. Dort ist’s seit Kurzem ja besonders schön. Wegen der Annamirl, der Kellnerin vom Franz seiner Wirtschaft.

Die liefert den besten aller Services: Kaum, dass man sich gesetzt hat, bringt sie einem ein Bier, und zwar genau das, welches man am liebsten mag. Weil sie das nämlich weiß. Und ganz lieb lächelt sie dabei. DieS heißt man so was: Das ist ein Service!

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