HP hebt x86 auf Itanium Server

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HP wird Superdome und andere Integrity-Server entwickeln, die nicht wie bisher alleine den Itanium als Prozessor nutzen, sondern auch den x86-basierten Xeon. Ein Schritt, den Hauptkonkurrent Oracle sicherlich als Bestätigung und Sieg werten wird.

Mit dieser Ankündigung entschäft HP die Diskussion über die Zukunft des Itanium. Oracles Argument, dass der Itanium keine Zukunft habe, wird dadurch aber nur zum Teil entkräftigt. Denn HP will x86 die gleichen Fähigkeiten wie den Itanium-Plattformen verleihen. Spätestens, wenn das erreicht ist, wird die Zukunft des Itanium neu verhandelt werden.

Die aktualisierte Roadmap verlängert nicht den Support für den Itanium. Doch durch die Xeon-Alternative kann HP dem Schrecken von einer stillgelegten Itanium-Server-Familie begegnen. Die Anwender bekommen ja für ihre investitonsintensiven Integrity-Server eine Alternative. Künftig können Xeon- und Itanium-basierte Systeme parallel genutzt werden.

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Mit dem am Dienstag vorgestellten Projekt Odyssey rettet HP zwar nicht den Itanium-Prozessor aber dafür wird die Zukunft der Integrity-Server gewahrt, was ebenfalls ein Investitionsschutz für die Anwender bedeutet.

“Anwender haben den Wunsch an uns heran getragen, dass wir die geschäftskritische Erfahrung, die wir heute mit HP-UX auf Integrity bieten auch auf eine x86-basierte Infrastruktur ausweiten”, so Martin Fink, SVP und General Manager, Business Critical Systems bei HP.

HP wolle laut Fink jetzt die Server-Landschaft für kritische Anwendungen mit der Flexibilität des HP BladeSystems erweitern und die Technologien aus Integrity und HP-UX auf die Welt des x86 übertragen. “Anders als die Konkurrenz, bietet HP einen offenen, integrierten Ansatz auf einer einzigen Plattform”, kommentiert Fink.

Künftig soll es möglich sein, Linux oder Windows auf DragonHawk mit 32-Sockets von kleinen Projekten bis hin zu großen und komplexen Worklads zu skalieren. Dabei werden Itanium- und Xeon-basierte Blade-Server im gleichen Chassis betrieben werden können.

Neu ist auch das Xeon-basierte HydraLynx-Blade-System, das es in Konfigurationen mit zwei, vier und acht Steckplätzen geben soll. Dieses System werde auch einige der High-End-Features aus den Itanium-Blades von HP erben.

HP werde parallel auch weiterhin HP-UX, Nonstop und OpenVMS entwickeln. Doch daneben soll es auch speziell erweiterte und zuverlässigere Versionen von Windows und Linux für die Xeon-basierten Systeme geben, verspricht der Hersteller.

Das Ziel von Projekt Oyssey sei es, so heißt es von HP, Xeon-basierte Systeme auf die gleiche Uptime-Stufe wie die Itanium-basierten Integrity-Server zu stellen. Dafür sollen zum Beispiel Funktionen wie Crossbar Fabric oder die Partitionierungs-Technologie nPars in die Xeon-basierten Server kommen. Für kritische Linux-Anwendungen will HP die Lösung Servicebuard vorstellen, die automatisch Workload aus Anwendungen bei einem Ausfall oder bei Bedarf zwischen zwei Servern hin und her bewegt.

Darüber hinaus soll die Analysis Engine for x86 in die Firmware eingebettet werden. Damit lassen sich komplexe Systemfehler schnell reparieren. Das Tool HP Mission Critical Services identifiziert mögliche Ausfallzeiten. In etwa zwei Jahren sollen die beiden Systeme DragonHawk und HydraLynx am Markt eingeführt werden.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich Oracle mit der Aussage, dass Intanium eine zum Tode verurteile Plattform ist, durch diesen Schritt jetzt bestätigt sieht. Doch HP will das auf keinen Fall so verstanden wissen. Man wolle den Anwendern lediglich in ihrer Forderung nach mehr Wahlmöglichkeiten entgegenkommen. Schließlich sei es auch eine Kostenfrage. Durch den Einsatz von günstigerer x86-Hardware neben den hochpreisigen Itanium-Servern könnten Anwender auch bei geschäftskritischen Einsätzen Kosten einsparen. Schon seit der Einführung des ersten Blade-Superdome im vergangenen Jahr, beschäftige sich HP mit der Einführung von x86 auf dieser Server-Plattform.

Forrester-Analyst Richard Fichera sieht in HPs Ankündigung gleichermaßen “Angriff und Verteidigung”. Insgesamt begrüßt er den Schritt. Der helfe jedoch in erster Linie denjenigen Anwendern, die Linux oder Windows in einem kritischen Kontext betreiben wollen, denn auf diese Weise bekommen sie neue Hochverfügbarkeits-Features.

“Ungeachtet der künftigen Erosion bei Itanium/HP-UX, die in meinen Augen unvermeidlich ist, und von der HP offenbar ebenfalls auszugehen scheint, was die Transparenz über die künftigen Technologien belegt, versucht HP dennoch so lange wie möglich HP-UX auf Itanium zu verkaufen”, erklärt Fichera. Kommendes Jahr werde sich HP darauf konzentrieren, die Itanium-Aktualisierung Poulson auf den Markt zu bringen. Diese wird neue Features für Anwender mit bringen.

Der frühe Zeitpunkt der Ankündigung lässt das ganze jedoch eher wie einen strategischen Ausblick aussehen. Mit einer Produktvorstellung habe das laut Fichera wenig gemein. HP mache damit jedoch klar, dass es gerne bereit ist, Migrationen von HP-UX auf Linux und Windows zu unterstützen. Gleichzeitig bleibt HP nicht nur agil und flexibel, sondern kann so auch die HP-UX-Anwender wieder bestärken und sichert sich gleichzeitig einen guten Anteil an den Migrationen auf x86, die in den nächsten Jahren – ungeachtet aller Beteuerungen seitens HP – sicherlich stattfinden werden.

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