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Es sieht schlecht aus für Nokia Siemens Networks (NSN). Seit der Gründung im April 2007 hat der Netzwerkausrüster einen Gewinn von 0 Cent gemacht. Ende 2013 läuft die Kooperation zwischen Nokia und Siemens aus. Wie das Unternehmen bis dahin schwarze Zahlen schreiben soll, steht in den Sternen.

Rajeev Suri. Bild: NSN
Rajeev Suri. Bild: NSN

NSN-CEO Rajeev Suri versucht es jetzt mit einem erneuten Stellenabbau, der Kosten in Höhe von 1 Milliarde Euro einsparen soll. Bis Ende 2013 sollen 17.000 der weltweit 74.000 Stellen wegfallen – das ist fast ein Viertel der Arbeitsplätze. NSN kündigte zudem weitere Ausgliederungen an.

NSN wolle in Kürze “im Einklang mit den länderspezifischen Rechtsvorschriften” mit den Arbeitnehmervertretern verhandeln, um sozialverträgliche Lösungen zu finden. An den am stärksten betroffenen Standorten solle es Programme geben, um Mitarbeiter bei Umschulungen und der Suche nach einem neuen Job zu unterstützen. Welche Stellen genau wegfallen, ist noch nicht bekannt.

Die Gewerkschaften wollen den Stellenabbau nicht hinnehmen. Es handele sich um eine “Kampfansage an die Belegschaft”, hieß es von der IG Metall. Die Gewerkschaft wisse noch nicht, welche Bereiche und Standorte genau betroffen seien, sagte Michael Leppek, Beauftragter der IG Metall für NSN, gegenüber silicon.de. In der kommenden Woche hoffe man, Zahlen zu erfahren. “Wir haben beim deutschen Aufsichtsrat angefragt, der morgen tagt. Es ist aber unwahrscheinlich, dass wir dort etwas erfahren, weil das Unternehmen aus Finnland gelenkt wird.” Kommende Woche trete jedoch der Wirtschaftsausschuss des Gesamtbetriebsrats zusammen, dann sei mit Zahlen zu rechnen.

Michael Leppek, IG Metall
Michael Leppek, IG Metall

Laut Leppek rechnet die IG Metall damit, dass in Deutschland rund 2000 Jobs gestrichen werden. Bei NSN Deutschland arbeiten rund 10.000 Menschen. Nach Angaben von Leppek wurden seit dem Start von NSN im April 2007 in Deutschland 5000 Stellen abgebaut – über Aufhebungsverträge, Ausgliederungen und betriebsbedingte Kündigungen. “Man gewinnt den Eindruck, dass Stellenstreichung eine Kernkompetenz von NSN ist.” Statt über Stellenabbau und Ausgliederungen müsse endlich über die Perspektive von NSN in Deutschland geredet werden.

Verursacher der jetzigen Situation seien nicht die Beschäftigten. Schuld sei eine Führung, die es nicht geschafft habe, Kunden zu halten und zu binden, vernünftige Entscheidungs- und Arbeitsstrukturen zu schaffen und zukunftsweisende Produkte, Lösungen und Services bereitzustellen. Mitverantwortlich für die schwierige Situation bei NSN seien auch die Mütter Nokia und Siemens. “Die einen können es offenbar nicht, die anderen haben viel zu lange nur zugeschaut”, sagte Leppek.

Die IG Metall und Gesamtbetriebsrat fordern, Stellenabbau und Ausgliederungen zu stoppen und über Alternativen zu verhandeln. Der Unternehmenssitz müsse von Finnland nach Deutschland verlagert werden. Durch die Mitbestimmung auf Unternehmensebene sei hier eine effiziente Kontrolle der Unternehmensführung möglich, die dringend notwendig sei.

Tatsächlich befindet sich NSN in einer Lage, die ein Überleben des Unternehmens in seiner aktuellen Form als eher unwahrscheinlich erscheinen lässt. Nach Gartner-Zahlen vom März 2011 war Ericsson im Jahr 2011 der größte Netzwerkausrüster (34,1 Prozent Markanteil), gefolgt von Huawei (15,6 Prozent) und NSN und Alcatel-Lucent mit je 13,2 Prozent.

Laut Hakan Wranne, Analyst bei der Swedbank, haben NSN und Alcatel-Lucent gegenüber Ericsson und Huawei jedoch einen entscheidenden Nachteil: die Vorteile der Größe fehlen. In den vergangenen zehn Jahren hätten die Telefongesellschaften weltweit den Willen chinesischer Netzwerkausrüster ausgenutzt, Marktanteile zu jedem Preis zu erobern. So hätten sie einen Markt geschaffen, in dem nur ein einziges westliches Unternehmen überleben könne: Ericsson. Ericsson sei groß genug gewesen, um von Anfang an mit den chinesischen Wettbewerbern mithalten zu können. NSN und Alcatel-Lucent mangle es dagegen an Größenvorteilen. “Beide Unternehmen bluten.” Auch Motorola habe es an Größenvorteilen gemangelt, das Unternehmen sei daran zu Grund gegangen.

Ein anderes Problem von NSN seien die Schwierigkeiten, die komplexen Strukturen und Produkte von Nokia und Siemens zusammenzuführen, so Wranne. Während es im TK-Markt darum gegangen sei, Antworten auf das explosive Wachsen des mobilen Datenverkehrs zu finden, habe sich NSN darauf konzentriert, sich selbst zusammen zu flicken.

Im August hatte NSN bereits mit dem Stellenabbau bei der von Motorola übernommenen Netzwerksparte begonnen. Betroffen sind 1500 Mitarbeiter, besonders in den Bereichen GSM und Wimax. Die jetzt angekündigten Stellenstreichungen könnten laut Wranne ein Signal dafür sein, dass der Ausrüster nicht mehr global agieren wird, sondern sich auf Teile des Marktes konzentriert.

Es sei fraglich, ob es in dieser Situation diese beste Lösung sei, 17.000 Stellen abzubauen, kommentierte das Wall Street Journal. NSN und Alcatel-Lucent befänden sich jetzt in einer “Abwärtsspirale”, in der immer mehr Telefongesellschaften davor zurückschreckten, mit ihnen ins Geschäft zu kommen. “Würden Sie mit einem Unternehmen Geschäfte machen, dessen Bilanz Sie daran zweifeln lässt, ob es überlebt und seine Versprechen einhalten kann?”

Die Kosten zu kürzen, könnte der letzte mögliche Weg für Nokia und Siemens sein, um ihr “problematisches Kind” loszuwerden, heißt es. Der Versuch, NSN an Finanzinvestoren zu verkaufen, sei in diesem Jahr bereits gescheitert. “Die Margen zu vergrößern, indem man die Kosten für Forschung und Entwicklung verringert, könnte NSN für künftige Bieter attraktiver machen.”

IG-Metall-Mann Leppek glaubt, dass NSN überleben kann. “Wir haben gute Leute.” Es komme jetzt darauf an, die Führung auszutauschen und innovative Angebote zu machen, etwa in Sachen eMobility und Cloud Computing. Beim Produkt-Portfolio dürfe sich NSN nicht selbst “die Arme und Beine abhacken”. Mit Kunden wie der Deutschen Telekom oder Vodafone, die selbst breit aufgestellt seien, sei NSN gut im Geschäft. Für diese Kunden müsse NSN ein breites Angebot aufrecht erhalten. “Wenn Sie in den Supermarkt gehen, erwarten Sie ja auch nicht, nur eine Obst-Abteilung vorzufinden.”

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