Veränderte Beschaffungsprozesse in der IT

Management

Consumerization und Cloud Computing als Treiber, neue Geschäftsmodelle und neue Wettbewerber, die Channel-Landschaft der Zukunft – die Beschaffungsprozesse für IT-Lösungen verändern sich drastisch in Folge der sich wandelnden Angebote und der geänderten Anforderungen der Nutzer. Ein Artikel von Andreas Zilch, Vorstand der Experton Group, und Wolfgang Heinhausl, Partner Advisor bei der Experton Group.

  • Cloud Computing wird der Hauptpfeiler der Enterprise-Strukturen werden.

  • Ein “fester Schreibtisch” im Unternehmen wird mehr und mehr dem flexiblen Arbeitsplatz weichen. Schon heute arbeiten viele Mitarbeiter von zuhause oder unterwegs.

  • Arbeitsorte sowie private Lebenskulturen werden räumlich verschmelzen, trotzdem müssen die Kontakte zu den Kollegen und Kunden effizienter werden.

  • Der Anwender kann und muss auf die Cloud – und somit auf seine Daten – zugreifen, wo immer ein Internetzugang vorhanden ist.

  • Der Trend zur Consumerization gewinnt an Fahrt und Bedeutung. Die Technologie aus dem Endkundenbereich beeinflusst immer mehr die Technologie im Business-Bereich.

  • Der Anwender will (oft) sein vertrautes Endgerät wie Tablet PC, Smartphone sowie Notebook, das er privat nutzt, auch beruflich einsetzen. (Bring your own Devices, BYOD)

Markttrends 2011: Anbieter vs. Anwender

Zwischen IT-Anbietern und -Anwendern kommt es zu Friktionen. Kritische Punkte sind dabei die Ressourcen und die Qualität der erbrachten Leistungen.

Auf der einen Seite stehen die IT-Anwender unter starkem Projektdruck. Es kommen immer wieder viele neue Anforderungen aus den Fachbereichen auf. Wettbewerbsdruck entsteht für die internen IT-Verantwortlichen durch Cloud-Angebote. Für die herangetragenen Aufgaben sind häufig nicht die erforderlichen Skills im Unternehmen vorhanden.

Auf der anderen Seite stehen auch die IT-Anbieter vor der Situation einer hohen Auslastung, bei gleichzeitigem Mangel an Ressourcen und den “richtigen” Skills. IT-Architekten und Program-Manager fehlen am meisten.

In dieser Situation besteht die “Kunst” der IT-Anbieter darin, sich auf die “richtigen” Ausschreibungen zu konzentrieren. Nearshore- bzw. Offshore-Outsourcing funktioniert oft noch nicht richtig, und die Qualität ist in allen Phasen sehr schwankend.

Cloud Computing – Data-Center-Infrastruktur

Das Data-Center-Universe ändert sich, und zwar nachhaltig! Von Hosting über Virtualisierung bis zukünftig hin zur Open Cloud. Klassischerweise ist das Data Center wenig standardisiert und wenig optimiert:

  • Heterogene Server-/Storage-Strukturen – wenig Standardisierung

  • Virtualisierung und Automatisierung sind schon relativ weit

  • Anforderungen der Applikationen sind primäres Entscheidungskriterium

  • Ausschreibungen sind stark auf die Anfangsinvestition fokussiert, Integrations-/Lebenszyklus-Kosten werden dagegen unterschätzt

Die “neue Welt” des Cloud Computings sieht dagegen etwas anders aus:

  • Hoher Druck durch Cloud-Preispunkte/-Benchmarks

  • Interne Private Cloud ist möglich (aber realistisch?)

  • Standardisierung ist absolute Voraussetzung für Kostenoptimierung

  • Hybride Clouds – mit großer Komplexität – sind künftige Realität

  • Die Integration entscheidet über den Erfolg – und wird bezüglich Anforderungen, Risiken und Kosten massiv unterschätzt

Dieser Wandel hat sowohl für die IT-Anbieter als auch für die IT-Anwender Konsequenzen.

Konsequenzen für IT-Anbieter:

  • Durch den zunehmenden Cloud-Service-Anteil kommt es zu einer kompletten Umstellung des Geschäftsmodells (erforderliche Vorinvestitionen und veränderte Umsatzströme)

  • Zukünftig haben es die Anbieter mit weniger Endkunden, dafür aber mit mehr Service Providern als Nachfragern zu tun

  • Neue Vertriebsmodelle und -provisionierung

  • Extreme Veränderung der Supply Chain und Partner-Modelle

Für die IT-Anwender ist der selektive Einsatz von Cloud-Services (insbesondere von entsprechenden Non-IT-Services) schon Realität. Für sie gilt des Weiteren hinsichtlich des Cloud-Trends:

  • Abbau von Heterogenität und Standardisierung ist – in allen Fällen – die Grundlage für einen effektiven Datacenter-Betrieb

  • In einer stark standardisierten Umgebung bieten Cloud-Services zumeist signifikante Kostenvorteile (Dies wird aber noch eine Zeit dauern!)

  • Skill- bzw. Ressourcenmangel wird ein weiterer Treiber sein!

Client of the Future, BYOD–IT-Arbeitsplätze

Das Client-Universe ändert sich nachhaltig! Klassischerweise war der hoch standardisierte, kostenoptimierte IT-Arbeitsplatz das Ziel. Die Standardisierungsschicht bestand in der Hardware mit dem Betriebssystem plus den Applikationen (oder Terminal-Services für Task-Worker). Hinsichtlich der Beschaffung wurden möglichst wenige Lieferanten, Preis-Optimierung und optimierte Roll-Out-Prozesse angestrebt.
In der “neuen Welt” des Client of the Future mit BYOD-Arbeitsplätzen ist die Standardisierung von Client-Hardware und -Betriebssystemen obsolet, besonders zukünftig. BYOD wird – sehr unterschiedlich implementiert – zur Realität. Eine “neue Standardisierungsschicht” muss dabei gefunden werden. Und schließlich werden sich Beschaffungs-, Rollout- und Service- Prozesse im Client-Umfeld dramatisch ändern!

Für IT-Anbieter ist diese Entwicklung ein zweischneidiges Schwert. Einerseits wird der Preisdruck abnehmen, auch aufgrund neuer Service-Potenziale. Andererseits nehmen die Anforderungen an die Produkte (durch Consumerization) und an die (flexibleren) Delivery-Strukturen massiv zu. Es ergeben sich des Weiteren neue Chancen für etablierte und neue Wettbewerber.

Die IT-Anwender sehen sich ebenfalls mit neuen Herausforderungen konfrontiert:

  • Die Client-Strategie muss komplett überdacht und neu strukturiert werden

  • Die Wünsche der Anwender und die Unternehmensanforderungen müssen in Einklang gebracht werden

  • Die Lieferantenbeziehungen und –prozesse ändern sich

  • Die Kosten pro IT-Arbeitsplatz steigen!

Konsequenzen für IT-Anbieter und -Anwender

Neue, nachhaltige IT-Trends verändern auch das Beschaffungsverhalten, die Beschaffungsprozesse, die Supply Chain und damit Vertriebs- und Delivery-Partnerschaften.

Für die IT-Provider bedeutet dies eine Veränderung der Geschäfts- und Vertriebsmodelle – wer nicht schnell reagiert, wird deutlich zurückfallen. Die Kernfrage lautet dabei: “Lohnt sich das neue Geschäftsmodell überhaupt?”. Und wie meistern die Anbieter dabei den Mangel an geeigneten IT-Architekten und Vertriebsleuten?

IT-User müssen sich ebenfalls auf Konsequenzen aus den tiefgreifenden IT-Trends einstellen:

  • Etablierte Anbieter und deren Partner geraten unter Druck und ändern ihr Verhalten

  • Es ist ein Multi-Sourcing erforderlich – unter Einbeziehung von Cloud-Services

  • Die Anforderungen an die Beschaffungs-Skills nehmen zu

Fazit und Best Practices

Die Märkte ändern sich schneller als bisher – auch etablierte Anbieter geraten schnell unter Druck. Weder die Consumerization of IT noch das Thema Mobilität ist aufzuhalten. Das IT-Universum ändert sich wesentlich schneller als erwartet.

Daher empfiehlt Experton Anwendern eine stetige Marktbeobachtung – ohne Euphorie – sowie eine aktive Rolle der IT-Anwender und Fachbereiche. Darüber hinaus sollten Strategien entwickelt und kontinuierlich fortgeschrieben werden. Schließlich sollten Desktop-Virtualisierung und Mobile-Data-Management als Lösungsbausteine beachtet werden.

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