Usability-Guru Nielsen zu Kindle Fire: “erbärmlich”

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Das neue Amazon-Tablet Kindle Fire hat nicht nur Fans. Jakob Nielsen, einer der großen Gestalten des Usability-Gedanken nennt die Nutzererfahrung “enttäuschend ärmlich”.

Alles viel zu klein! schimpft Jakob Nielsen über den Touchscreen des Kindle Fires von Amazon. In einer kleinen Runde hatte er das Gerät mit Android- und iPhones verglichen. Dabei fällt das Urteil über den Kindle vernichtend aus.

Das Browsen mit dem Silk-Browser sei langsam, von Fehlern und Abstürzen gekennzeichnet. Zudem lassen sich auf dem Bildschirm die Symbole meist nur schwer anklicken, weil sie für die Fingereingabe schlicht zu klein sind. An anderer Stelle verdecke der Finger für den Nutzer wichtige Informationen, wie etwa das Aufleuchten eines Knopfes bei einer Eingabe mit dem Finger.

Das Fat-Finger-Problem habe im Test etwa dazu geführt, dass einer der Testpersonen, die bereits seit einigen Jahren Erfahrungen mit Touchscreen-Geräten hatte, mehrere Minuten gebraucht hat, um sich auf Facebook einzuloggen. “Und das auf einer Seite mit nur zwei Textfeldern und einem Button!”, entrüstet sich Nielsen.

Dadurch, dass die Finger zu dick oder vielmehr die Icons zu klein sind, würden wiederholt falsche Eingaben gemacht. Auch reagiere der Touchscreen sehr langsam auf Eingaben. Das lasse das Fehlen von physischen Tasten wie etwa für den Home-Screen noch schmerzlicher vermissen.

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Generell sei das Arbeiten mit 7-Zoll-Bildschirmen in dieser Hinsicht schwierig, weil die meisten Webseiten nicht für dieses Format optimiert seien. Er rät daher den Anwendern von Tablets die Browser-Einstellungen dahingehend zu ändern, dass die Tablets die mobilen Versionen der Webseiten aufrufen. Gerade das Fire scheitere damit, komplexe Texte für den Leser ansprechend zu gestalten.

Eine Taste zum Umblättern erschwere das Lesen genauso wie das hohe Gewicht des Gerätes. Häufig könne man von einem Artikel aus nicht mehr auf die Übersichtsseite zurückkehren und die Suche sei schlechter als die von Alta Vista 1998. Daher urteilt Nielsen auch, dass das Lesen von elektronischen Magazinen sei mit dem Fire “erbärmlich”.

7-Zoll-Tablets würden sich nur dann durchsetzen, wenn die Webseiten, die für dieses Format optimiert seien, eine kritische Masse erreichen. Und das würden sie nur tun, wenn es 7-Zöller wie das Fire millionenfach gebe. Dieser Teufelskreis aber sorge dafür, dass 7-Zoll-Tablets entweder erbärmlich scheitern oder aber eine glorreiche Zukunft haben werden.

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