“Cyber-Physical Systems revolutionieren die Produktion”

E-GovernmentManagementProjekteRegulierungService-Provider

Bundeskanzelerin Angela Merkel hat nach eigenen Worten auf dem sechsten Nationalen IT-Gipfel gelernt, was Cyber-Physical Systems sind. Nach einem Positionspapier von acatech werden Cyber-Physical Systems die Produktion revolutionieren.

Schon heute arbeiten nach Angaben von acatech 98 Prozent der Mikroprozessoren eingebettet und sind über Sensoren und Aktoren mit der Außenwelt verbunden. Cyber-Physical Systems (CPS) sind die nächste Entwicklungsstufe: Sie vernetzen sich sowohl untereinander als auch mit dem Internet. Umfassende CPS werden es ermöglichen, dass Objekte über Anwendungs- und Branchengrenzen hinweg interagieren.

V.l.: Kagermann, Broy, Georg Schütte (BMBF), Reinhold Achatz (Siemens), Bild: acatech
V.l.: Kagermann, Broy, Georg Schütte (BMBF), Reinhold Achatz (Siemens), Bild: acatech

Ex-SAP-CEO und acatech-Präsident Henning Kagermann übergab das Positionspapier auf dem IT-Gipfel an die Regierung. “Der strategische und wirtschaftliche Nutzen für Deutschland ist enorm, weil wir vor allem bei integrierten IT-Lösungen stark sind”, sagte er. Allein in der Produktion erschlössen CPS enorme Effizienzgewinne. Die Fabrik der Zukunft integriere dank CPS Produktion, Zulieferer und Kundenwünsche in Echtzeit.

Laut Projektleiter Manfred Broy (TU München) liegt mit den Projektergebnissen eine Agenda für Wirtschaft, Politik und Wissenschaft vor. CPS werden sich demnach mit wachsender Dynamik durchsetzen. Der Innovationsdruck sei enorm, eine schnelle Reaktion von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft notwendig. CPS stellten die Grenzen von Branchen und Fachdisziplinen ebenso in Frage wie etablierte Geschäftsmodelle. Die mit CPS verbundenen Herausforderungen seien groß: Wie ist mit heterogen vernetzten Gebilden umzugehen, die eine ganzheitliche Zusammenarbeit von Maschinenbau, Elektrotechnik und Informatik erfordern? Wie lassen sich CPS beherrschen? Wer baut, steuert, kontrolliert und wartet sie?

Das Positionspapier empfiehlt, eine Arbeitsgruppe von Wissenschaftlern, Juristen und Politikern einzusetzen, die ein Konzept für den Umgang mit personenbezogenen Daten entwerfen soll. Die Bevölkerung sollte in den Dialog über die Ausgestaltung von CPS frühzeitig einbezogen werden. Dazu müssten Schaufenster und Living Labs die Anwendungen sichtbar machen.

Innerhalb von Plattformen sollten neue Geschäftsmodelle erprobt werden. Die Akademie rät zur Einrichtung eines Nationalen Forschungs- und Kompetenzzentrums für das Internet der Dinge, Daten und Dienste. Ausbildungs- und Studiengänge sollten an die Herausforderung CPS angepasst werden. acatach empfiehlt zudem interdisziplinäre Studiengänge und Innovationsallianzen aus Industrie und Forschung.