Das war mal wieder der Gipfel!

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Weihnachtsfeiern bestimmen dieser Tage den Terminkalender, nostalgische Melodien, heißer Glühwein und warme Worte. Die Woche war denn auch danach.

Angefangen hat es vergangenen Sonntag, am 2. Advent. Da gab’s eine alternative Weihnachtsfeier. Die Internet-Partei – die Piraten – ist aus der Wolke herniedergestiegen und hat sich leibhaftig in Offenbach getroffen.

Das war schön. So mancher hat sich da an längst vergangene Zeiten erinnert. Der Focus etwa. Das ist das bunte Blatt für Leser, die konservativ sind wie die von der FAZ, aber keine so komplizierten Sätze verstehen.

“Piraten sind wie früher die Grünen – nur schlimmer” hat der Focus dazu getitelt. Was damit gemeint ist, hat ein Foto illustriert: eine Frau im Minirock mit hochhackigen Overknee-Stiefeln. Das war eines der beliebtesten Bilder von dem Event.

Wildromantische Erinnerungen kamen da wohl auf. Sowas gab’s doch schon mal: Libertinage und der Ruf: “Enteignet Springer!”. Der ehemalige Kuschel-Kommunarde Rainer Langhans soll denn auch schon für die Piratenpartei gespendet haben.

Weil das mit der Enteignung damals aber nicht so recht geklappt hat, konnte die Welt am Montag die Reminiszenz komplettieren: “Grundeinkommen und Drogen für alle” fasste die Zeitung das neue Programm der Piraten zusammen. So waren diese Studenten vor einem halben Jahrhundert doch auch: Links waren sie und frivol. Und geraucht haben sie nicht nur Tabak.

Was die Zeitungen allerdings irritiert hat, ist, dass die Piratenpartei zwar einen Vorsitzenden hat, der aber nicht führen darf, sondern arbeiten muss. “Der Vorstand hat wenig zu sagen, er ist vor allem fürs Organisieren zuständig”, wunderte sich die Süddeutsche. Das jedoch wird sich sicherlich bald als Weihnachtsmärchen herausstellen.

Leichter zu verstehen, ist da schon die SPD. Die versuchte diese Woche, den Wählern einen als Weihnachtsmann zu verkaufen, der bestenfalls als Krampus taugt. Frieden auf Erden predigt er, oder in seinen Worten “das Bündnis der Starken mit den Schwachen”, weshalb man zu Ersteren besonders lieb sein müsse.

Dazu passt die neue Farbe, die sich die Sozialdemokraten zu ihrer Parteifeier gegeben haben: Purpur. Jene, die ebendiese Starken seit jeher schätzen.

Äußerst lehrreich ist, wie die Süddeutsche am Mittwoch die Entstehung dieses Farbstoffs beschreibt. Eine Schnecke produziert ihn. “Sie sondert gelben Schleim ab. Er stinkt bestialisch, ändert aber auf geradezu magische Weise seine Farbe hin zu einem satten, leuchtenden Rotblau.”

Die schönste Weihnachtsfeier allerdings hat wieder einmal die Computer-Branche ausgerichtet. IT-Gipfel heißt der alle Jahre wieder.

Geschenke werden dafür schon unterm Jahr entgegengenommen. Heuer etwa hat die Regierung der Branche ein besonders wertvolles verehrt: Die Industrie soll nicht mehr verpflichtet werden, allen Haushalten einen schnellen Internet-Zugang zu Verfügung zu stellen. Und die hat sich dafür artig bedankt, indem sie versprochen hat, es trotzdem zu tun – soweit es profitabel ist.

So ließ es sich denn auf dem Gipfel auch ganz entspannt über die Breitbandversorgung plaudern. Wie man’s bei Weihnachtsfeiern eben gerne hält.

Wegen der IT-Sicherheit und des Datenschutzes mochte man sich ebenfalls keinen Stress machen. Und deshalb war’s wieder mal eine richtig schöne Feier.

Man merkt so was immer im Nachhinein, wenn nichts Negatives in den Zeitungen steht, obwohl die ja geradezu danach suchen. Nichts von gelbem Schleim war da zu lesen und auch nichts von bedauernswerten Führungskräften, die arbeiten müssen.

“Regierung trifft sich mit Managern der IT-Branche”, schrieb das Wedel-Schulgauer Tageblatt nur. Und in der Bild-Zeitung, die ansonsten andere Headlines bevorzugt, stand: “Bundesregierung trifft sich mit IT-Managern”. Das ist doch vorweihnachtliche Harmonie!

Der Branchenverband Bitkom verbreitete dann noch eine Pressemitteilung, überschrieben mit: “IT-Gipfel setzt Zeichen für Vertrauen in der digitalen Welt”. – Oh ja, und den Surfern ein Wohlgefallen!

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