Apple überholt Intel als Chip-Designer

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Ein Chip-Analyst hat die Mobil-Prozessoren von Intel und Apple eins zu eins verglichen. Für Intel fällt das Urteil ernüchternd aus. Apple hat offenbar die Nase vorne.

Intel ist derzeit unangefochten Marktführer, wenn es um Desktop und Server-CPUs geht. Unangefochten ist Intel auch bei der Einhaltung von Moores Law, das heißt auch in der Herstellung steht Intel an der Spitze des Marktes. Doch alles, worin Intel ungeschlagen ist, verliert derzeit mehr und mehr an Bedeutung.

Denn es sind Smartphones und Tablets, die das Wachstum bestimmen, zumindest in der westlichen Welt. Gus Richard, Senior Research Analyst bei Piper Jaffray, sieht hier auch das Zusammenspiel mit Software, die auf dem Prozessor läuft, als entscheidend.

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Tablets werden von so genannten SoC (System-on-a-Chip)-Plattformen angetrieben. Das sind System-on-a-Chip-Installationen, die nicht zwangsläufig die besten und schnellsten Chips brauchen, um eine vernünftige Nutzererfahrung gewährleisten zu können.

“Die Ökonomie der Technologie hat sich verschoben. Im SoC-Bereich werden die System-Leistung und auch die Entwicklungskosten nicht mehr durch Cost per Gate (Moores Law) bestimmt, sondern vielmehr durch Design und Software”, wie Richard diese Woche in einer Untersuchung festhält.

Als Beispiel nennt Richard den A5-Prozessor von Apple. Daran befinde sich keine bahnbrechende Technologie und “dennoch wir das iPad als leistungsfähiger wahrgenommen, als ein PC”. “Das Produkt hat eine längere Akku-Laufzeit, ist sofort betriebsbereit und verfügt über eine schnelle Internetverbindung.” Apples Prozessor sei nicht leistungsfähiger als eine General-Purpose-CPU von Intel, aber Apple habe eine größere Menge von IP-Blöcken, die verschiedene Funktionen mit weniger Energieaufwand und meist schneller als eine herkömmliche CPU erledigen.

Auch die Software sei wichtig, merkt Richard an. Apple-Software muss lediglich mit einigen wenigen Hardware-Komponenten laufen. Windows hingegen müsse mit einer schier endlosen Kombination von Hardware-Komponenten zurechtkommen.

Auch IDC-Analyst Rüdiger Spies beobachtet, dass Intel langsam aber sicher ein Problem bekommt. Denn dem Unternehmen drohe der Austritt aus dem ‘Massenmarkt’. Nach wie vor müsse Intel das Erbe tragen, das es mit dem 8080-Chip auf sich genommen hatte.

Ähnlich sieht es Richard. “Intels Herstellung ist führend, aber es hat noch nicht gezeigt, dass es einen Weg weg von dem PC designen kann.” Mit einem für einen bestimmten Zweck gebauten SoC mit dedizierten IP-Blocks, wie etwa der A5, könne ein General-Purpose-Prozessor nicht mithalten. Gleichzeitig hält Richard fest, dass Intels Herstellungsprozess nicht für SoC-Integration optimiert ist.

Intel versucht seit langem im Mobilsegment Fuß zu fassen – und dass der Hersteller bislang damit nicht sehr erfolgreich war, ist kein Geheimnis. Doch scheint Intel drauf und dran zu sein, die Lücke zu ARM-Architektur und eben auch zu SoC-Systemen zu verkleinern. Sandy Bridge und Ivy Bridge, die für nächstes Jahr erwartet werden, tendieren bereits stark in die Richtung SoC-Design. Sandy Bridge etwa wird auf 3D-Transistoren basieren und unter anderem damit auch Grafik und Media-Verarbeitung beschleunigen. 2013 will Intel Haswell bringen, um mit diesem SoC-Design Laptops und Tablets mit Windows 8 antreiben zu können.

Apple mag derzeit einen Vorsprung haben. Aber bereits einen Abgesang auf Intel anzustimmen, ist sicherlich verfrüht. Intel kann zum Beispiel mit einer eigenen Chip-Produktion punkten. Intel wird die Integration von SoC-Designs vorantreiben und, wie das Unternehmen gegenüber CBS Interactive erklärte, man werde den Herstellungsprozess des Atom-Prozessors von 32 Nanometer auf 14 Nanometer bringen und CPUs mit dieser Strukturbreite bereits 2012 auf den Markt bringen.

Apple hingegen muss sich bei der Chip-Produktion auf externe Partner verlassen, zum Beispiel auf Samsung, einem Unternehmen, mit dem sich Apple an anderer Stelle rechtlich auseinander setzt. Der Wechsel zu Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC) verlief bislang nicht sonderlich glatt.

Mit dem Verkaufsschlager MacBook Air etwa verkauft Apple zudem nach wie vor jede Menge Intel-Chips mit Sandy Bridge. Apple mag die Nase bei mobilen Chips vorne haben, aber wenn es tatsächlich um Rechenleistung geht, kommt auch Apple derzeit nicht um Intel herum.

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