Telekom bleibt auf T-Mobile USA sitzen

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Es ist ein herber Rückschlag für Telekom-Chef Rene Obermann. Als er im Frühling dieses Jahres den Verkauf von T-Mobile USA an AT&T eingefädelt hatte, erntete er für diese strategische Rückkehr zum Europageschäft viel Lob. Doch aus dem Deal wird nichts. AT&T hat die Übernahmepläne endgültig aufgegeben.

Die Deutsche Telekom und AT&T teilten am späten Montagabend mit, dass AT&T die Pläne zur Übernahme des US-Geschäfts der Telekom aufgegeben habe. Grund sei der anhaltende Widerstand der US-Kartellbehörden, heißt es in einer Mitteilung von AT&T.

Der Rückzug kommt nicht überraschend. Bereits am Wochenende hatte das Wall Street Journal unter Berufung auf interne Kreise berichtet, dass die Gespräche zwischen den beiden Telekommunikationskonzernen in eine Sackgasse geraten seien. Mitte Dezember hatten die Unternehmen beantragt, das laufende Kartellverfahren bis Januar ruhen zu lassen – offenbar wollte man sich so Zeit verschaffen, um die Transaktion derart zu überarbeiten, dass sie von den Kartellwächtern abgesegnet wird. Dies ist offensichtlich nicht gelungen.

AT&T muss nun eine Vertragsstrafe in Höhe von 3 Milliarden US-Dollar an die Deutsche Telekom zahlen. Zudem gehören zu dem Entschädigungspaket weitere Mobilfunkfrequenzen für T-Mobile USA sowie eine mehrjährige Vereinbarung über Roaming-Leistungen. Diese beiden Komponenten sollen zusammen noch einmal 3 Milliarden Dollar wert sein, berichtet Reuters unter Berufung auf Analysten.

Beobachter reagierten wenig überrascht auf das Platzen des Deals. “Angesichts des politischen Widerstands hat sich der Abbruch des Deals abgezeichnet”, zitiert der Fernsehsender n-tv einen Börsenhändler. Der Markt setze nun erst einmal darauf, dass die Telekom die Tochter behalte.

Rene Obermann. Quelle: Deutsche Telekom.
Rene Obermann. Quelle: Deutsche Telekom.

Für Konzernchef Obermann ist das Scheitern des Verkaufs dennoch eine herbe Schlappe. Bei der Ankündigung des Milliardendeals im März hatten Beobachter diesen als “Befreiungsschlag” gewertet. Der Verkauf hätte das vorläufige Ende der Expansionsstrategie besiegelt, die vor rund elf Jahren der frühere Telekom-Chef Ron Sommer eingeschlagen hatte. Die Einnahmen aus dem Verkauf der US-Sparte hätte die Telekom vornehmlich zum Schuldenabbau eingesetzt.

Wie es nun weitergeht ist höchst ungewiss. Bereits im August – als sich bereits abzeichnete, dass sich der Verkauf zum Problemfall entwickelt, zitierte die Financial Times Deutschland Stimmen aus dem Aufsichtsrat wonach ein Scheitern des Verkaufs “richtige Probleme” nach sich zöge.

Dasselbe Blatt zitiert nun Mobilfunkanalyst Roger Entner mit einer pessimistischen Prognose: “Es sieht ziemlich düster aus für die Deutsche Telekom. Keiner in den USA kann T-Mobile USA kaufen.” Die anderen Mobilfunkanbieter in den USA hätten entweder zu wenig Geld oder schlechte Erfahrungen mit Übernahmen, begründet der Analyst dieses Statement. Als mögliche Alternative sieht er solvente Unternehmen aus Russland oder China, die an einer Übernahme interessiert sein könnten. Probleme mit den US-Kartellbehörden seien aber hier bereits wieder vorprogrammiert.

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