Gadgets unterm Weihnachtsbaum

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Ein ungewöhnliches Bild war diese Woche im Feuilleton zu sehen. Es zeigt ein kleines Mädchen im pinkfarbenen Kleid mit großer Schleife. In der Hand hält sie ein riesiges Plastikspielzeug mit grasgrünen Farbklecksen und rosa Herzen.

Es handelt sich dabei um eine Nachbildung des Sturmgewehrs M16, Kaliber 5,56 x 45 mm NATO. Eine Absolventin der Köln International School of Design hat sich das als Diplomarbeit im Fach “Gender and Design” ausgedacht.

Das “Prinzessin Lillifee Softair Gewehr” soll irgendwie auf die Rollenproblematik bei Kinderspielzeug aufmerksam machen. – Sowas kommt immer gut an der Hochschule – ein paar kritische Gedanken zu formulieren, bevor’s dann im Job an die richtigen Design-Aufgaben geht, die, die Kohle bringen.

Das einzig Gute, was man sonst noch über Lillifees Meuchel-Tool sagen kann, ist, dass es morgen wahrscheinlich nicht allzu oft unterm Weihnachtsbaum liegen wird. – Aber leider trifft das auch auf jenen prächtigen Technikbaukasten zu, den früher kluge Jungs von 8 bis 80 und ebensolche Mädels im gleichen Alter bekommen haben.

PC nannte man den damals. Damit konnte man ganz toll spielen und basteln und bauen, Erweiterungskarten einbauen beispielsweise und Software aufspielen.

Dabei hat man ganz viel gelernt, “remmen” zum Beispiel. Problematische Konfigurationen musste man dem PC aus der autoexec.bat rausremmen. Und “jumpern” hat man lernen müssen, damit er auch merkt, dass man ihm eine andere Festplatte eingebaut hat.

Und darüber ist man dann groß, selbständig und halt erwachsen geworden. Und einen Freund fürs Leben hatte man gefunden, einen, der einem irgendwann noch lieber war als der Teddy.

Das, was morgen unterm Weihnachtsbaum liegt, ist hingegen weniger dazu angetan, aus Kindern Erwachsene zu machen. Eher umgekehrt: aus Erwachsenen unmündige Kinder.

Kindle heißt der bekannteste E-Book-Reader. Ein äußerst treffender Name für einen Rechner, der einen Großteil seiner Leistung darauf verwendet, dass die Kindchen, die damit beschenkt werden, nichts Böses tun. Stibitzte Bücher lesen etwa. Das möchte die amazonenhafte Tante nämlich nicht.

Noch strenger sind die Onkels mit den weihnachtlich versilberten Äpfeln. Die achten darauf, dass sich niemand schlimme Sachen auf ihren schicken Handys anschaut, Nackiges oder gemeine Karikaturen, oder – noch übler, Software von bösen Konkurrenten aufspielt.

Und dann erst die googligen Tanten mit ihrem Geschenktipp Chromebook. Die wollen ihr fürsorgliches Auge ebenfalls gerne auf die Daten der Surfer werfen. Festplatten jumpern und Software aufspielen gehört sich nicht, finden sie, weil sonst könnte ja jeder… – Und so was gehe nicht.

Lillifee-Schätzchen, magst du den Technik-Onkels und den Design-Tanten einmal zeigen, wie böse wir wegen der Gadgets sind, die morgen unterm Weihnachtsbaum liegen, ja? – Fein, dann musst du dein hübsches, neues Spielzeug erst einmal durchladen. – Ja, ganz toll machst du das.

Und nun den Sicherungshebel auf fff stellen. Fire bedeutet das. Das ist englisch.

Schau mal, was für große Augen sie machen! Und siehst du die Schweißperlen auf der Stirn?

Ja, die werden jetzt sicherlich ganz viel nachdenken, damit ihnen bis in einem Jahr etwas Besseres eingefallen ist. Und das müssen die auch. Denn Weihnachten ist doch das Fest der Liebe, gell, Lillifee-Schätzchen?

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