Das war 2011: Steve Jobs, HP und Piraten

Big DataCloudData & StorageEnterpriseManagementProjekteRechtRegulierungServerService-ProviderSoftwareSoftware-Hersteller

Das war das IT-Jahr 2011 – die silicon.de-Redaktion hat die wichtigsten Ereignisse zusammengefasst. 2011 wird als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem Steve Jobs starb. Ein Unternehmen sorgte besonders für Schlagzeilen: HP mit dem Hin und Her um die PC-Sparte sowie WebOS. Mit der Piratenpartei zog erstmals eine Partei in ein Landesparlament ein, die sich vor allem der Internetfreiheit verpflichtet fühlt.

David Peters & Lane Hartwell for Wikimedia Foundation. CC Attribution-Share Alike 3.0 Unported License.
David Peters & Lane Hartwell für Wikimedia Foundation

Das IT-Jahr 2011 begann mit der CES in Las Vegas. Vor der Messe redeten alle über Tablets – auf der Messe waren sie dann in Hülle und Fülle zu sehen. AMD trennte sich im Januar vom CEO Dirk Meyer, weil dieser nicht für die erwünschten Ergebnisse gesorgt hatte. Auch Google erhielt einen neuen CEO: Google-Gründer Larry Page kündigte an, diesen Posten im Frühjahr von Eric Schmidt zu übernehmen. Jubiläum: Am 15. Januar 2001 begann die Geschichte der Wikipedia. Zehn Jahre später sind 17 Millionen Artikel in 270 Sprachen online. Danke Wikipedia!

Nachdem die ägyptische Regierung die Internetverbindungen unterbrochen hatte, wurde im Februar diskutiert, ob es einen solchen “Kill Switch” auch in Deutschland geben könnte. Im Streit um gebrauchte Software-Lizenzen fand der BGH doch keine Lösung und reichte den Fall an den EuGH weiter. Worüber schon länger spekuliert wurde, wurde im Februar zur Gewissheit: die Zusammenarbeit von Microsoft und Nokia. Microsofts Betriebssystem Windows Phone 7 kommt damit auf Nokia-Handys. HP brachte im Februar den Tablet TouchPad mit dem Betriebssystem WebOS auf den Markt – der allerdings nur wenige Monate später wieder eingestellt werden sollte. SAP eröffnete
in Potsdam ein “weltweit einmaliges Innovationszentrum” und IBM feierte den Erfolg des Supercomputers Watson in der US-Spielshow “Jeopardy”. Die Internet-Community beschäftigt sich im Februar intensiv mit der Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg – mit der Folge, dass der Minister im März zurücktritt.

Im März ist das Thema zu Guttenberg auch auf der CeBIT präsent und scheint dort sogar wichtiger zu sein als Cloud Computing. Das neue Konzept der Messe stieß auf positive Resonanz. Apple stellte im März den Tablet ‘iPad 2’ vor. Nach Microsoft und Red Hat entschloss sich auch Oracle dazu, keine weiteren Anwendungen für die High-End-CPU Itanium von Intel mehr zu produzieren. HP und Intel zeigten sich über diese Ankündigung geschockt. Siemens setzte sich im März ein ambitioniertes Wachstumsziel und gründete einen vierten Sektor. Die Telekom fädelte einen Milliardendeal ein: Für umgerechnet 28 Milliarden Euro wollte sie das Sorgenkind T-Mobile USA komplett an AT&T verkaufen. Das Geschäft platzte jedoch endgültig im Dezember, weil die US-Behörden ihre Zustimmung verweigerten. Japan wurde im März von der schlimmsten Katastrophe nach dem Zweiten Weltkrieg heimgesucht. In der Folge stieg Deutschland aus der Atomenergie aus.

Im April legte Facebook die Spezifikationen seiner selbst entwickelten Server und Rechenzentren offen. Google informierte zumindest über die Sicherheitsmaßnahmen in seinen Rechenzentren. RIMs neuer Tablet ging als einer der hoffnungsvollsten Gegenkandidaten gegen Apples iPad ins Rennen – sollte die Erwartungen jedoch nicht erfüllen. Microsoft hüllte sich über Windows 8 nach wie vor in Schweigen. Im April tauchten jedoch Screenshots auf, die einige Schlüsse über neue Funktionen zulassen. Auf Windows 8 wollte die LVM Versicherung nicht warten – 10.000 lokale und mobile Clients sollen bei der Versicherung künftig mit Ubuntu laufen.

Im Mai verkündete der Halbleiterspezialist Intel mit einem Trigate-Transistor und einem 22-Nanometer-Herstellungsprozess einen Durchbruch für die Chip-Entwicklung. Die Deutsche Bahn bestellte bei Siemens bis zu 300 Fernverkehrszüge – für Siemens war es der größte Auftrag in der Firmengeschichte. Microsoft stellte Mango vor. Das erste große Update von Windows Phone 7 bietet rund 500 neue Funktionen.

Im Juni wurde bekannt, dass Lenovo den Aldi-Lieferanten Medion kaufen will. Apple stellte das Betriebssystem iOS 5 und Pläne für eine neue Zentrale in Cupertino vor. Am 8. Juni, dem IPv6-Tag, waren viele Webseiten für einen Tag auch mit IPv6 erreichbar. IBM feierte am 16. Juni den 100. Geburtstag und kann zufrieden auf seine Firmengeschichte zurückblicken. Ende Juni wurde Dieter Kempf zum Präsidenten des Bitkom gewählt.

Der Juli brachte Linux 3.0. Linus Torvalds hatte entschieden, beim aktuellen Release von Linux 3.0 zu sprechen – was tut man nicht alles, um 20 Jahre Linux zu feiern. Die Bundesregierung zog bei der Arbeitnehmer-Datenbank ELENA die Notbremse. Der Rückzug stieß in Wirtschaft und Politik auf breite Zustimmung – kam aber die Softwarebranche teuer zu stehen. Siemens baut in der Münchner Innenstadt für 100 Millionen Euro eine neue Zentrale. Im Juli wurde der Sieger des Architektenwettbewerbs
vorgestellt. Während Google die virtuellen Google Labs schloss, wurde an der Humboldt-Universität Berlin ein Google-Institut gegründet. IBM-Forschern gelang ein Durchbruch in der Chiptechnologie für Phasenwechselspeicher (Phase-change Memory, PCM). Der Speicher kann nicht nur einzelne Bits, sondern gleich mehrere Bits pro Speicherzelle sehr zuverlässig über lange Zeiträume speichern.

Nach den Anschlägen in Norwegen forderte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) im August “ein Ende der Anonymität im Internet”. Zwar ruderte er wieder zurück, doch die Diskussion um die Klarnamenpflicht hält bis heute an. In britischen Städten kam es zu Jugendkrawallen, die teilweise über das Instant-Messaging-Programm BlackBerry Messenger organisiert wurden. BMW präsentierte erstmals ‘i3 Concept’ und ‘i8 Concept’. Das Elektro-Stadtauto i3 kommt 2013 und der Sport-Hybrid-Wagen i8 im Jahr 2014 auf den Markt. Google legt für die Handysparte von Motorola 12,5 Milliarden Dollar auf den Tisch. Offenbar war auch Microsoft am geistigen Eigentum des Mobilfunkspezialisten interessiert. Der umsatzstärkste PC-Hersteller, HP, sorgt für einen Paukenschlag, als er verkündet, das PC-Geschäft auszugliedern, WebOS einzustellen und größten Software-Hersteller Großbritanniens, Autonomy, zu kaufen.

Im September begeht die Piratenpartei Deutschland ihr fünfjähriges Jubiläum. Statt zu feiern, konzentriert sie sich auf die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus. Am 18. September ziehen 15 Piraten in das Abgeordnetenhaus ein. Siemens-CEO Peter Löscher gibt im September bekannt, dass sich der Konzern endgültig aus dem Kernkraftgeschäft zurückzieht. Während Bayern ein Open-Data-Portal angekündigt hat, startet das Berliner Open-Data-Portal bereits. Die EU-Kommission stellt ein Kartellverfahren gegen IBM ein. Ein zweiter Vorwurf steht allerdings weiter im Raum. Es geht um das Mainframe-Geschäft. Der HP-Verwaltungsrat zieht die Reißleine und entlässt Leo Apotheker nach nur zehn Monaten an der Konzernspitze. Meg Whitman wird zur Nachfolgerin bestimmt. Amazons erstes Android-Tablet ‘Kindle Fire’ greift die Konkurrenz an der empfindlichsten Stelle an: beim Preis. Doch reicht ein 199-Dollar-Preisschild als iPad-Killer?

Anfang Oktober enthüllte Apple-CEO Tim Cook das neue iPhone 4S. Am 5. Oktober starb Steve Jobs. Er wurde nur 56 Jahre alt. In einer Rede vor Stanford-Absolventen hatte er gesagt: “Ihre Zeit ist begrenzt – also verschwenden Sie Ihre Zeit nicht, indem Sie das Leben eines Anderen leben. Tappen Sie nicht in die Falle des Dogmas. Lassen Sie es nicht zu, dass der Lärm fremder Stimmen Ihre eigenen inneren Stimmen übertönt. Und vor allem – haben Sie den Mut, Ihrem Herzen und Ihrer Intuition zu folgen. Denn diese wissen schon irgendwie, was Sie wirklich werden wollen. Alles andere ist sekundär.”

Google Deutschland feierte sein erstes Jahrzehnt: Am 10. Oktober 2001 stellte das Suchportal den ersten Mitarbeiter in Deutschland ein. Google brachte zudem die neue Version 4.0 von Android (Ice Cream Sandwich) auf den Markt. IBM teilte mit, dass der Konzern ab dem 1. Januar von Virginia Rometty geleitet wird. Rometty wird Sam Palmisano als CEO ablösen. Zum Auftakt der Bustour zum diesjährigen IBM JamCamp machte die “rollende Expertenrunde” Station bei silicon.de. Eine lebhafte Diskussion über das Social Business folgte.

Fotogalerie: IBM JamCamp: Social Business auf Tour

Klicken Sie auf eines der Bilder, um die Fotogalerie zu starten

Der Chaos Computer Club analysierte im Oktober Festplatten mit Spionagesoftware und deckte einen “Rechtsbruch durch Bundestrojaner” auf. Nokia zeigte sein erstes Windows-Phone-7-Handy, das Lumia 800. Anders als von Leo Apotheker angekündigt, wird HP nun doch nicht die Personal Systems Group aus dem Unternehmen herauslösen. Die PC-Sparte soll im Haus bleiben.

Im November zelebrierte Intel 40 Jahre Mikrochip. Der “4004” war zwar nicht der erste Mikrochip, aber dafür der erste, der kommerziell vertrieben wurde. Im Vergleich zu einem aktuellen Chip könnte der Unterschied größer kaum sein. Vor fünfzehn Jahren, am 18. November 1996, ging die Deutsche Telekom an die Börse. Das Schlamassel namens “Volksaktie” wurde jedoch nicht gefeiert. In Sachen Itanium ging das Hauen und Stechen weiter. Oracle holte erneut gegen Itanium aus und behauptete, dass lediglich ein bislang geheimer Vertrag zwischen Intel und HP die CPU am Leben erhält. Nokia Siemens Networks (NSN) kündigte an, 17.000 Stellen abzubauen. Das Joint Venture hat seit seiner Gründung nicht einen Cent Gewinn gemacht.

Im Dezember beerdigte der Bundestag das “Zensursula”-Gesetz. Im Juni 2009 hatte die große Koalition das Zugangserschwerungsgesetz (Zensursula-Gesetz) beschlossen. Jetzt wurde es endgültig abgeschafft. IT-Manager, Politiker und Wissenschaftler versammelten sich zum sechsten Nationalen IT-Gipfel in München. Neuigkeiten gab es zur Stiftung Datenschutz, zum E-Government-Gesetz und zur Behördenrufnummer 115. WikiLeaks enthüllte im Rahmen der Aktion “Spy Files” ein Video, das tiefe Einblicke in die Praktiken der Überwachungsindustrie gewährt. HP legte die Verantwortung für die Entwicklung von WebOS in die Hände der Open-Source-Community. Für die Telekom wurde zur Gewissheit, dass sie auf T-Mobile USA sitzenbleibt. Nach heftigem Widerstand der Kartellbehörden hat AT&T die Übernahmepläne endgültig aufgegeben.