2012: Die zehn CIO-Prioritäten

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Der Marktforscher Experton Group hat zehn Punkte veröffentlicht, auf die CIOs im Jahr 2012 besonders achten sollten. Die Empfehlungen beruhen auf dem Reifegradmodell für IT-Organisationen. Ein Artikel von Luis Praxmarer, Global Research Director der Experton Group.

1. Anpassung der IT-Strategie für mehr Agilität und die Adressierung der Unternehmensanforderungen

In den meisten Unternehmen hat sich eine stabile IT-Umgebung etabliert, und auch die Effizienz ist in den letzten paar Jahren signifikant verbessert worden. Doch eine agile IT sucht man bislang meistens vergebens. Agilität bedeutet, dass die Ausgaben und Ressourcen sehr schnell an sich verändernde Märkte angepasst werden können. Eine IT-Strategie existiert in den meisten Unternehmen, aber in den Abschnitten, die eigentlich die Vision und Ausrichtung des Unternehmens sowie die Geschäftsanforderungen adressieren sollen, herrscht überwiegend gähnende Leere.

2. Servicekatalog-Benchmark

In manchen Unternehmen werden zwar regelmäßig Benchmarks durchgeführt, aber die traditionellen, kostenbasierten Benchmarks sind veraltet. Gefordert ist ein preisbasiertes Benchmarking, das den Servicekatalog auf den Prüfstand stellt, also die internen Verrechnungssätze und Serviceangebote mit den Sätzen externer Dienstleister vergleicht. Eine solche Bewertung zeigt potenzielle Problembereiche auf, identifiziert Potential für Verbesserungen sowie auch Outsourcing-Möglichkeiten und liefert ein gutes Feedback zur Wettbewerbsfähigkeit der internen IT.

3. Sicherheit als Business Enabler proaktiv vorantreiben

Die letzten fünf Jahre stand Sicherheit auf der IT-Prioritäten-Liste immer ganz oben an erster bis dritter Stelle. Nun gilt es, ein paar neue Entwicklungen richtig zu adressieren. Erstens müssen Sicherheitsanforderungen proaktiv angegangen werden; Sicherheit muss als Business Enabler wahrgenommen werden und sollte nicht mehr der “Abschottung” des Unternehmens dienen. Zweitens ist Cloud das neue Computing-Paradigma, und die Sicherheit in der und für die Cloud ist ein Riesenthema. Und drittens muss der hohe Nutzungsgrad von sozialen Medien berücksichtigt werden.

4. Entwicklung einer Cloud-Strategie und von Nutzungsfällen

2020 werden 80 Prozent des Server-basierten Computings extern betrieben werden. Es gilt, diesen Trend zu verstehen und sich entsprechend darauf vorzubereiten. Die richtigen Nutzungsfälle zu finden, ist ganz wichtig; sie müssen als Pilotprojekte implementiert werden. Dadurch wird intern Wissen aufgebaut und der Akzeptanzgrad in der IT-Abteilung gesichert. Viele Endanwender nutzen Public Clouds bereits im privaten Umfeld, manche auch geschäftlich, und der Trend wird nicht mehr aufzuhalten sein.

5. DC & Storage-Lösungen, Best Practice Implementierung

Auch wenn Unternehmen ihre Rechenzentren regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht haben, sind sie doch in vielen Fällen nicht in der Lage, die heutigen Energie- und Kühlungs-Anforderungen zu erfüllen. Der Nutzungsgrad von Virtualisierungslösungen im Serverumfeld ist noch nicht hoch genug. Auch beim Thema Storage hapert es: In den meisten Unternehmen wurden hochmoderne Technologien wie Deduplizierung, Thin Provisioning, Datenkompression und Verschlüsselung noch nicht implementiert. Auch bei den Business-Continuity-Lösungen ist ein Update dringend erforderlich.

6. BYOD-Analyse, anfangs für kleinere Gruppen

Das Thema Bring Your Own Device hat kontroverse Diskussionen in Gang gesetzt. Doch Tatsache ist: Der Trend hin zur Nutzung von privaten Endgeräten für geschäftliche Zwecke ist nicht mehr aufzuhalten. In den meisten Unternehmen sind die Führungskräfte ja die ersten, die ihre privaten Geräte auch im Unternehmen einsetzen. Die Mitarbeiter werden in Zukunft mit ihren bevorzugten persönlichen Produktivitäts-Tools arbeiten und selbst entscheiden, welche Notebooks, Tablets und Smartphones sie nutzen wollen. Die IT-Abteilung muss entsprechend agieren und eine Strategie entwickeln. Es ist sehr zu empfehlen, dabei mit kleineren Gruppen zu beginnen.

7. BI, DW, EPM Erweiterungen & Big Data Review

Business Intelligence steht schon ziemlich lange auf den Prioritätenlisten der Anwender, die Implementierung geht allerdings nach wie vor ziemlich schleppend vor sich und beschränkt sich in den meisten Fällen auf isolierte Lösungen. Jetzt steht der nächste Schritt an: die Implementierung eines Enterprise-Performance-Management-Konzepts. Angesichts der steigenden Datenmengen aus vielen unterschiedlichen Quellen könnten “Big Data”-Konzepte für Unternehmen sich ebenfalls als sehr nützlich erweisen.

8. Social Media Assessment, Strategie & Richtlinien

Wie der arabische Frühling gezeigt hat, sind soziale Medien überall vertreten. Inzwischen spielen sie auch im Unternehmensumfeld eine Rolle, doch niemand kümmert sich verantwortlich darum, dass dieses Phänomen richtig adressiert wird, so dass Empfehlungen ausgesprochen sowie Richtlinien und eine Gesamtstrategie entwickelt werden können. Eine schnelle Erstbewertung kann zu sehr nützlichen Erkenntnissen führen. Die Kommunikation und funktionsübergreifende Arbeit, die nachfolgt, wird zu einer Aufgabe, die große Herausforderungen mit sich bringt.

9. Business Excellence: Business Process Master Plan, Self-Service, Total Customer Experience (TCE)

Zwar ist die Geschäftsseite für die Prozesse zuständig, doch die IT ist gefordert, entsprechendes Prozesswissen aufzubauen, um sie entsprechend unterstützen und integrieren zu können. Viele der neuen Möglichkeiten für die Automatisierung und für horizontale Prozessverbesserungen wie beispielsweise Self-Service-Angebote müssen erst einmal umfassend verstanden und von der IT-Abteilung neu aufgesetzt werden. Das höchste Ziel sollte dabei sein, die Gesamterfahrung der Kunden zu verbessern; angesichts der Tatsache, dass die Qualität in den letzten Jahren doch gelitten hat, ist auch die Messung der Qualität sehr zu empfehlen.

10. Zusammenstellung von funktionsübergreifenden Innovations-Teams

In fast allen Unternehmen steht das Thema Innovation auf der Agenda ganz weit oben. Warum? Innovation und insbesondere die Innovation des Geschäftsmodells bringt Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz. Produkt- und Prozessinnovationen gehören in allen Unternehmen zum Brot-und-Butter-Geschäft, gilt es doch, in einer Welt zu überleben, in der der Wettbewerb ständig zunimmt und die Marktherausforderungen steigen. Die IT muss funktionsübergreifende Teams zusammenstellen, um sämtliche Innovationsbereiche proaktiv adressieren zu können.

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