Esaus preiswerte Mahlzeit

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Stories, Stadien, Staatsdiener und -männer, alles wird heutzutage irgendwie gesponsert. Das Schlimme daran: es ist auch danach.

Facebook will Anfang dieses Jahres sponsored Stories an die Pinnwände seiner sozialen Netzwerker heften. So nennt der Konzern es, wenn sich ein Facebook-Mitglied über ein Unternehmen positiv äußert, das Facebook fürs Pinnen bezahlt.

Dagegen ist jetzt in den USA eine Sammelklage von Nutzern zugelassen worden. Die wehren sich dagegen. Nicht dagegen, dass mit ihnen Werbung gemacht wird, versteht sich, sondern dagegen, dass sie nichts von den Sponsorengeldern abbekommen sollen.

194 Nachrichten zum Thema listet Google auf. Ganz oben ein sponsored Link.

In den USA, so scheint es, geht nichts ohne Sponsoring. Die Republikaner etwa suchen derzeit mal wieder den konservativsten Präsidentschaftskandidaten.

Favorit ist einer, der als „liberal Mormon“ bezeichnet wird. – Der wird’s wahrscheinlich.

Obwohl es einen Anwärter gibt, der noch ein bisschen konservativer ist. Die Washington Post nennt ihn „the evangelical’s Catholic“. – Der müsste es eigentlich werden. Aber ihm fehlt das Entscheidende: die Sponsorengelder.

In den USA wird im Vorwahlkampf geschaut, wer das meiste Geld zusammenbringt. Und danach wird dann entschieden.

In Deutschland ist das anders. Hierzulande wird im Nachhinein darüber diskutiert, wer dem konservativen Präsidenten die Karriere gesponsert hat. Wer sein Haus. Wer seine Urlaube. Wer Bücher über ihn. Und wer die Garderobe seiner Frau.

Eigentlich möchte man die konservative Auffassung vertreten, dass ein Mann mit Präsidentengehalt in der Lage sein sollte, die Kleider seiner Frau zu bezahlen. Aber dass das in der Praxis oft anders gehandhabt wird, zeigen schon die Sponsorengelder die in Nancy Reagans Kleiderschrank geflossen sind. Wikipedia führt die auf.

Durch Wikipedia zu surfen, ist bei diesem Thema überhaupt sehr erhellend. Ein Artikel über „Externe Mitarbeiter in deutschen Bundesministerien“ findet sich dort. Die sind von der Wirtschaft gesponsert, um bei der gefälligen Formulierung von Gesetzen zu helfen.

20 Fußballstadien listet das Lexikon, die nach Alkoholika, Fruchtgummis oder Finanzdienstleistern umbenannt worden sind.

Und im Artikel über die Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt steht, dass sieben Firmen Räume sponsern. „Der ehemalige Hörsaal ‚Z09’ hat nun den Namen ‚Aldi-Süd-Hörsaal’.

So können Studenten kostengünstig abgespeist werden, wozu der Name ja sehr gut passt. Englisch heißt das „to be given a mess of pottage” und geht laut Wikipedia auf Esau zurück, der sich ja von seinem Bruder Jakob eine Mahlzeit hat sponsern lassen (Gensis, Kap. 25, Vers 29ff), ein ebenfalls preiswertes Linsengericht.

Wikipedia ist übrigens auch gesponsert. 20 Millionen Dollar hat die letzte Spendenaktion eingebracht – von den Lesern. Das wiederum ist eine Form des Sponsorings, die einem nicht auf den Magen schlägt wie ein Linsengericht. Und Verfassungsorgane werden dadurch auch nicht geschädigt.

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