CES: Gadget-Adipositas und MOTSS-Syndrom

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Die CES gilt vielen als die wichtigste Gadget- und Comsumer-Elektronik-Messe weltweit. Doch auch hier stellt sich langsam so etwas wie eine Übersättigung mit Gadgets und den immer selben Geräten ein.

Der US-Journalist Jason Perlow von ZDNet wagt die Prognose, dass es bereits im Jahr 2015 nach einer 46-jährigen Geschichte keine CES mehr geben wird. Das scheint vielleicht ein wenig vorschnell, doch in einigen Punkten hat Perlow durchaus recht.

Das Hauptproblem der Messe ist – und weil es eine der wichtigsten Messen der Branche ist – wahrscheinlich der gesamten Industrie, dass hier zu viele Hersteller mit Produkten um Aufmerksamkeit ringen, die sich einfach zu ähnlich sind. In den USA spricht man hier von dem MOTSS-Syndrom und das steht für ‘More of the same stuff’.

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Und tatsächlich lässt sich dieses Ringen um Aufmerksamkeit in den Messeauftritten der Anbieter ablesen. Ein Beispiel ist eine Dame, die mit einem Handtuch beinahe angezogen, unter einer Dusche steht. Beworben wird kein Ultraschallgerät zum wasserlosen Reinigen, sondern ein Duschkabinen-Radio, das offenbar noch nicht mal sonderlich gut klingt. Aber so leicht beschürzt schafft man es sogar noch auf die Startseite von Spiegel Online.

Und genau aus den genannten Gründen, haben sich in diesem Jahr viele Besucher entschieden, der Messe fern zu bleiben. Denn vieles, was man in diesem Jahr als neu präsentiert bekommt, gab es in ähnlicher Form schon in den Vorjahren.

Diejenigen, die mit der Erwartung kommen, dass man auf dieser Messe eine wirklich bahnbrechende neue Technologie präsentiert bekommt, werden in den allermeisten Fällen enttäuscht sein. GPS-Geräte, Video-Geräte oder auch einfache Digital-Kameras haben es besonders schwer, weil ihre Funktionen bereits durch Smartphones abgedeckt sind.

Und so haben sich viele, auch einst starke Marken, inzwischen dazu hinreißen lassen billig und mit niedriger Qualität zu produzieren, nur um in möglichst vielen Bereichen mit möglichst vielen Produkten präsent zu sein. Aber das führt dazu, dass immer weniger Kunden angesprochen werden und andererseits dazu, dass die Hersteller untereinander ebenfalls austauschbar werden.

Hier haben es besonders die stärksten Marken leicht. Denn sie werden nach wie vor für das wahrgenommen, wo sie einst ihre Stärken hatten. Alle anderen Hersteller bringen in den Augen der Verbraucher ‘Me-To’-Produkte auf den ohnehin völlig übersättigten Markt. Vermutlich steht in einigen Segmenten eine Marktkonsolidierung bevor und wenn die Aussteller aufgekauft werden, oder aus dem Markt austreten, kann das für eine Veranstaltung wie die CES nur schlecht sein. Es könnte der CES also das gleiche Schicksal drohen wie der COMDEX oder der PC EXPO, die zusammen mit den kleineren PC-Herstellern von der Bildfläche verschwanden. Möglicherweise ist auch Microsofts Ankündigung, sich von der Messe zurück zu ziehen ein Zeichen für die schwindende Bedeutung der Messe. Und auch, dass sich die Porno-Industrie dafür entschied, die Branchenmesse AVN, die bislang immer zeitgleich und in unmittelbarer Nachbarschaft mit der CES stattfand, könnte ein böses Omen für die Messe sein.

Nichts desto trotzt gibt es noch die großen Marken auf der CES: Intel, Toshiba, Acer, Lenovo und Nokia stellten auf der CES bislang tolle neue Geräte und vor allem Ultrabooks vor. Intel etwa stellte die Ultrabook-Studie Nikiski vor. Das auf Windows 8 basierende Gerät soll zeigen, dass Intels Ultrabooks vielseitiger sind als Tablets, wo der Hersteller bislang kaum Erfolg hat.

Die “Serie 5 Ultra” ist Samsungs neue Ultrabook-Reihe mit 13,3-Zoll-Displays und einer Intel-CPU. Lenovo treibt mit dem IdeaPad Yoga, einem Ultrabook mit einem Display, das sich komplett umklappen lässt, die Idee des Ultrabooks noch weiter in Richtung Tablet. Toshiba hingegen stellt neben dem Tablet Excite X10, das laut Toshiba mit 7,7 Millimeter das dünnste Tablet auf dem Markt ist, auch den Prototypen eines 14-Zoll-Ultrabooks vor. Einen offiziellen Namen hat es noch nicht. Laut dem aufgedruckten Logo gehört es aber anders als das vergangenes Jahr vorgestellte 13-Zoll-Ultrabook Z835 nicht zur Portégé-, sondern zur Satellite-Reihe.

Äußerlich ähnelt der Prototyp mit seinem Deckel aus gebürstetem Metall, den abgerundeten Ecken und dem eingelassenen Display mit einem relativ dicken, schwarzen Plastikrahmen den Standard-Notebooks von Toshiba für Privat- und Geschäftskunden. Gleiches gilt für die Chiclet-Tastatur – interessant ist hingegen das große Touchpad mit integrierten Klickflächen.

Auch Acer hat in Las Vegas zwei neue Ultrabooks präsentiert: das Aspire Timeline Ultra und das Aspire S5. Das Aspire S5 bewirbt Acer als das “weltweit dünnste Ultrabook”. Das 13,3-Zoll-Notebook mit Metallgehäuse misst an der dicksten Stelle 1,5 Zentimeter und wiegt 1,35 Kilogramm. Als Prozessor dient Intels kommende Generation Ivy Bridge, als Massenspeicher eine Solid State Disk. Als erstes Acer-Ultrabook nutzt das Aspire S5 das selbst entwickelte Schnittstellen-Panel MagicFlip I/O.

Dieses sitzt an der Rückseite des Gehäuses unter den Scharnieren und fährt auf Knopfdruck motorisiert nach unten aus, wodurch das Notebook hinten leicht angehoben wird. Dadurch kommen zwei USB-3.0-Ports, ein HDMI-Ausgang und eine Thunderbolt-Schnittstelle zum Vorschein. Letztere war bisher nur Apples MacBooks zu finden.

Es ist also nicht ganz richtig, dass auf der CES keine disruptiven Technologien mehr gezeigt werden. Richtig hingegen ist, dass die wichtigen Impulse von den großen, etablierten Herstellern kommen.

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