München: Brunnen kühlt Rechenzentrum

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Der Internet Service Provider IGN hat im Münchener Stadtteil Obergiesing ein Rechenzentrum eröffnet, das nach eigenen Angaben mit einem PUE-Wert von 1,2 arbeitet (Power Usage Effectiveness). In vielen Rechenzentren liegt der PUE-Wert derzeit bei 2.0, PUE-Werte unter 1.3 gelten als sehr gut.

Im neuen Rechenzentrum hostet und administriert IGN Internetportale für Business-Kunden. Die Bandbreite beträgt 50 GBit/s, die Gesamtkapazität kann auf bis zu 1 TBit/s erweitert werden. Das Datacenter bietet auf einer Stellfläche von 380 Quadratmetern Platz für bis zu 260 Racks.

Den geringen Energieverbrauch für den Betrieb der Infrastruktur erzielt der Anbieter durch die Nutzung von Grundwasser mit einer Temperatur von konstant 11,3° C. Es wird einer eigens angelegten Brunnenanlage entnommen, gefiltert und durch die Wärmetauscher des Klimasystems geführt. Hier gibt es die Kälte an den sekundären Kühlkreislauf ab. Danach wird es, um maximal 5° C erwärmt, über Schluckbrunnen in das Grundwasser zurück geführt und kühlt sich dort rasch wieder auf die Ausgangstemperatur ab. Selbst in Sommermonaten ist die Kälteerzeugung ohne Hilfe von Kompressoren möglich, im Kühlsystem verbrauchen nur die Pumpen Strom.

Die Kühltechnik des Rechenzentrums ist redundant ausgeführt. Damit ein Ausfall des Kühlsystems ausgeschlossen werden kann, hat IGN zwei Saug- und zwei Schluckbrunnen mit je zwei Pumpen angelegt. Acht Umluft-Klimaschränke in N+2-Konfiguration stellen eine Kühlleistung von bis zu 600 kW sicher.

Die Rechenzentrumsfläche mit Kaltgang-/Warmgangaufstellung der Racks wird über einen Druckdoppelboden gekühlt; ein hoher Öffnungsquerschnitt der Luftauslassplatten sorgt auch bei punktuell hoher Wärmelast für Kaltluftzufuhr. Die Luftströmung drängt die Warmluft ohne Absaugelemente an der Decke direkt zu den Klimaschränken zurück. Der Standort der Klimaschränke ist räumlich vom Serverraum getrennt. Der Unterboden im Klimabereich ist als Wanne ausgebildet, die bei einem Leck das Wasser des sekundären Kühlkreislaufs aufnehmen kann.

Energie-Einsparungen ergeben sich darüber hinaus durch USV-Systeme mit hohem Teillast-Wirkungsgrad. Die Skalierbarkeit der Klimaschränke und energieeffiziente EC-Lüfter sorgen für weitere Einsparungen. Als Kühlmittel im sekundären Kühlkreislauf wird anstelle chemischer Verbindungen nur reines Wasser genutzt. Für Anwender, die konsequent auf die Vermeidung von CO2-Emissionen setzen, weist IGN durch den Zukauf von Grünstrom-Zertifikaten die Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen nach.

Fotogalerie: Nordseebrise kühlt Rechenzentrum

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