Quantified Self: Apps für die Selbsterkenntnis

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“Was man nicht messen kann, kann man nicht managen!” Diesen Satz von Peter Drucker wenden die Anhänger der Quantified-Self-Bewegung konsequent an – auf sich selbst. Sie nutzen Innovation wie Apps, Sensoren und Smartphones, um sich selbst zu verbessern.

Als Urahn der Quantified-Self-Bewegung hat Zeit Online den Microsoft-Mitarbeiter Gordon Bell ausgemacht. Dieser habe in den neunziger Jahren sein Alltagsleben mit Mikrofon und Kamera detailliert dokumentiert und darüber das Buch ‘Your Life, Uploaded’ veröffentlicht.

Als Motoren der aktuellen Quantified-Self-Bewegung gelten Kevin Kelly und Gary Wolf. Kelly, Mitgründer des Wired-Magazins und Wolf, Journalist, haben quantifiedself.com online gestellt – den zentralen Anlaufpunkt für Anhänger der Selbstvermessung. Im Juni 2010 erläuterte Wolf seine Ideen auf der Konferenz TED@Cannes:



Neue Werkzeuge – wie Sensoren, die Daten aus der Natur sammeln, die allgegenwärtige Datenverarbeitung und soziale Netzwerke – veränderten das Ich-Bewusstsein, sagte Wolf. “Wir glauben, dass diese Werkzeuge nach außen verweisen – wie Fenster.” Bei Quantified Self gehe es dagegen um Werkzeuge, die nach innen verweisen – wie Spiegel. Diese Werkzeuge könne man zur systematischen Selbstverbesserung, Selbsterkenntnis und Selbstfindung nutzen. “Wenn wir im Leben effektiver agieren wollen, müssen wir uns zuerst selbst besser kennenlernen.”

Die deutsche Quantified-Self-Bewegung wird vom 31-Jährigen Münchner Produktmanager Florian Schumacher koordiniert, der auch für die Webseite QSDeutschland verantwortlich ist. Quantified Self beschäftige sich mit der analytischen Selbstbeobachtung, heißt es dort. “Ob Gesundheitswerte wie Gewicht oder Blutdruck, die emotionale Verfassung oder die persönlichen Finanzströme, immer geht es darum, den betrachteten Bereich möglichst genau zu erfassen und durch Analyse besser verstehen zu lernen.”

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Mittlerweile gibt es Hunderte Werkzeuge, mit denen Anwender sich selbst vermessen können. So bietet die Firma Jawbone ein Armband namens Jawbone Up an. Aufgabe des Armbands ist es, den körperlichen Zustand und die Schlafgewohnheiten des Nutzers zu beobachten. Mithilfe eines Beschleunigungsmessers werden alle Bewegungen 24 Stunden lang erfasst und ausgewertet. Natürlich darf die entsprechende App nicht fehlen. Die App hat auch Zugang zum Browser, in dem die körperlichen Gewohnheiten aufgelistet werden können.

Fitbit Ultra ist ein Schrittzähler mit Internet-Anschluss. Dort werden aus den nüchternen Zahlen Grafiken, die den Anwender auf dem Weg zum gesünderen Lebensstil unterstützen sollen. Fitbit Ultra besteht im Kern aus einem Beschleunigungssensor, wie er auch in der Wii und aktuellen Smartphones zum Einsatz kommt. Außerdem enthält Fitbit Ultra einen Höhenmesser, mit dem das Gerät nicht nur Schritte, sondern auch ‘Stufen’ aufzeichnen kann. Einen GPS-Empfänger gibt es nicht. Schritte werden anhand vom Benutzer eingegebener Schrittlängen in Strecken umgerechnet.

Mitgeliefert wird eine Basisstation, die man mit dem USB-Anschluss von PC oder Mac verbindet. Schließlich liegt dem Fitbit Ultra noch ein Gürtelclip bei, mit dem sich das Gerät auch an dicken Ledergürteln befestigen lassen soll.

Dreh- und Angelpunkt von Fitbit ist die zugehörige, englischsprachige Website, fitbit.com. Hier werden aus den aufgezeichneten Daten Grafiken erstellt. Wer mag, der kann seine Erfolge via Twitter, Facebook und Foursquare mit Freunden teilen oder Informationen für die Community freigeben. Die silicon.de-Partnerseite Gizmodo.de hat Fitbit Ultra ausführlich getestet.

Das WakeMate ist ein Sensoren-Armband mit Schlafanalyse-Software für das iPhone, das den optimalen Weckzeitpunkt im REM-Zyklus errechnet und den Wecker in diesem Moment aktiviert. Das Armband nutzt Actigraphy, um den Schlaf zu überwachen und die jeweiligen Schlafzyklen zu erkennen. So kann die App den richtigen Moment innerhalb eines 20-Minuten-Zeitfensters abpassen, das der Nutzer vorgibt. Die App sammelt zudem alle Daten über das Schlafverhalten und kann eine Analyse der Schlafgewohnheiten anfertigen.

Weiterführende Links:

  • Die Vermessung des Selbst, Deutschlandfunk

  • Das Sammeln von Gesundheitsdaten, Bayern 2