CeBIT: Messestart mit Zuversicht und ‘Vertrauen’

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Eigentlich geht die Messe ja erst richtig los. Doch bereits am Montag gibt es erste Pressekonferenzen und vor allem wird auch noch die Kanzlerin erwartet. Der Negativtrend der vergangenen Jahre scheint auf jeden Fall hinter der CeBIT zu liegen.

Mit rund 4200 Ausstellern startet die CeBIT in Hannover. Das sind etwas mehr als noch 2011. Zudem erhoffen sich die Veranstalter ein leichtes Plus bei den Besucherzahlen. 2011 fanden 339.000 Menschen den Weg auf die Veranstaltung. Messevorstand ernst Raue glaubt, diese Zahl 2012 übertreffen zu können.

Man erwartet über 340.000 Besucher und geht von einem Plus von etwa zwei Prozent aus. In den Jahren zuvor musste die Messe Jahr für Jahr mehr Federn lassen.

Dazu könnte zum Beispiel der Auftritt des Google-Managers Eric Schmidt beitragen. Aber auch einige große Hersteller wie Samsung oder Sharp könnten weitere Besucher anlocken. Auch einige große Druckerhersteller haben den Weg auf die CeBIT zurück gefunden. Neben den bekannten CeBIT-Schwergewichten SAP, Microsoft und IBM sind auch Google und Facebook mit Auftritten auf der Messe. Die Deutsche Messe AG hat also auch einen gewissen Grund zur Zuversicht.

Doch dürfe es nicht alleine darum gehen, mehr Aussteller und Besucher anzulocken, wie Messevorstand Raue erklärt. Es gehe vor allem darum, “dass die Kunden hier Geschäfte machen”.

Der Branchenverband Bitkom allerdings mahnt zur Vorsicht, denn die Wirtschaft werde nicht ganz so stark wachsen, wie zunächst prognostiziert, und das, so Dieter Kempf geht auch an der ITK-Branche nicht spurlos vorbei gehen. Dennoch werde die ITK-Branche stärker als die übrigen Industrien wachsen. Laut Prognose des Bitkom steigt der Umsatz mit Produkten und Diensten der Informationstechnologie, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik im Jahr 2012 um 1,6 Prozent auf 151 Milliarden Euro. “Die Innovationsdynamik der ITK-Branche ist ungebrochen hoch”, so Kempf in Hannover. “Die Schuldenkrise in Europa kann dem deutschen Hightech-Markt bislang nichts anhaben. Die Auftragsbücher der Unternehmen sind gut gefüllt.” Anfang 2012 verzeichnen laut Bitkom fast 75 Prozent ITK-Firmen höhere Auftragseingänge als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.

Auch wenn es beispielsweise bei stationären PCs einen Rückgang von 4,4 Prozent geben wird, überwiegen dennoch die positiven Impulse in der Hightech-Branche und die werden sich auch auf dem Arbeitsmarkt positiv auswirken. So sei 2011 die Zahl der Beschäftigten in der ITK-Branche um 10.000 auf rund 858.000 gewachsen. Für 2012 rechnet der Branchenverband mit weiterem Wachstum. Etwa 64 Prozent der befragten Unternehmen wollen im laufenden Jahr neue Stellen schaffen. Der Bitkom rechnet mit 5.000 bis 6.000 neuen Jobs.

v.l.: Bitkom-President Dieter Kempf; Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner und CeBIT-Chef Ernst Raue. Quelle: Sybille Gassner/silicon.de
v.l.: Bitkom-President Dieter Kempf; Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner und CeBIT-Chef Ernst Raue bei der Vorstellung der Bitkom-Studie zu Vertrauen im Web. Quelle: Sybille Gassner/silicon.de

Interessant in diesem Zusammenhang ist hier auch eine Veranstaltung der Deutsch-Hellenischen Wirtschaftsvereinigung, bei der sich 30 griechische Unternehmen aus der Branche vorstellen. Thematisiert werden sollen hier etwa mögliche Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen – besonders im Hinblick auf den Fachkräftemangel. Bei der Veranstaltung am 8. März (13:00 bis 13:30 und 15:30 bis 16:30 im Public Sector Parc in Halle 7).

Kempf stellte zusammen mit Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner eine repräsentative Studie passend zum Leitthema der CeBIT “Managing Trust” vor. Eines der wichtigsten Ergebnisse der Studie ist, dass 69 Prozent der Nutzer im Web weniger leicht Vertrauen als in anderen Alltagssituationen fassen. “Vertrauen setzt voraus, dass es sichere Angebote gibt, die die Privatsphäre respektieren und schützen”, so Aigner. Für Kempf muss das Vertrauen erst erarbeitet werden und zwar “über eine lange Zeitdauer, in der man seinen Kunden immer und immer wieder zeigt: Auf mich ist Verlass”.

Wichtigste Kriterien für Vertrauen im Internet sind der aktuellen Bitkom-Untersuchung zufolge Datensicherheit, Datenschutz, verständliche und faire Geschäftsbedingungen sowie eine transparente Abwicklung von Bestellungen. Diese Punkte nennen jeweils mindestens sieben von zehn Internetnutzern. Immerhin 20 Prozent der Nutzer verzichten auf Cloud-Dienste, weil sie um die Sicherheit ihrer Daten fürchten.

Das Internet ist "Vertrauenssache", so der Bitkom in einer aktuellen Studie. Quelle: Bitkom
Das Internet ist “Vertrauenssache”, so der Bitkom in einer aktuellen Studie. Quelle: Bitkom

Im Vorfeld der weltweit größten IT-Messe habe man sich die Frage gestellt, wie Vertrauen im Internet entsteht, so der Bitkom-Chef. Eine entsprechende Umfrage habe ein wenig überraschendes Ergebnis ergeben: “Es gibt offensichtlich keine strake Trennung mehr zwischen realem und wirklichen Leben”. Ein virtuelle Graben trenne inzwischen weniger die Nutzer unterschiedlicher Generationen, sondern “Anwender, die das Netz zum anschauen nutzen und Anwender, die es für die Interaktion nutzen.”

Doch es sei schwieriger, das Vertrauen der Verbraucher in der digitalen Welt zu gewinnen als im analogen Leben. “Bei analogen Verkäufen wird kaum jemand die AGBs und Datenschutzerklärungen gelesen haben, nicht einmal bei der Anmeldung für eine Kundenkarte.” Ein Grundvertrauen, das Anwender der virtuellen Geschäftswelt nicht entgegenbringen. Die Vertrauensbasis wird hier laut Bitkom-Umfrage durch weiche Faktoren gelegt, etwa wie mit Daten umgegangen wird. Qualität spielt im Vergleich dazu bei Online-Geschäften nur eine untergeordnete Rolle.

Die Position der Bundesregierung machte hier Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner noch einmal deutlich. Sie sprach sich für “klare Rechte und Informationen für die Verbraucher aus”. Weiter forderte sie Angebote, die die Information schützen. “Die Anwender haben hier eine Bringschuld. Verbraucher müssen sicher sein, dass Geräte und Dienste sicher sind. Hier vermisse ich noch die notwendige Sensibilität bei vielen großen Unternehmen.” Vor allem Google wurde hier von Aigner mehrfach namentlich genannt.

Ein starkes Datenschutzrecht sieht Aigner im Bezug auf das Thema Cloud Computing als Wettbewerbsvorteil für innovative deutsche und europäische Unternehmen: “Cloud Computing ja, gut gemacht ist es noch besser”.

[Mit Material von Sibylle Gassner]

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