IRQ 12-1 – This could be the last time

BetriebssystemEnterpriseMobileSmartphoneWorkspace

Nein, nicht der Interrupt. Das ist der erste, nicht der letzte Artikel in dieser Rubrik. Aber mit Windows geht’s zuende. Eigentlich schade!

Früher hätten sie einem ja die Hemdsärmel auf dem Rücken zusammengenäht, wenn man auf die Idee gekommen wäre, sich ein Telefon umzuhängen, um damit durch den Wald zu rennen. Aber seit diese Dinger Smartphones heißen und auch mp3s abspielen, gilt sowas als völlig normal.

Und es ist auch recht praktisch. Denn es hilft einem dabei, beim Waldlauf den inneren Schweinehund so richtig zu treten. “Under my thumb’s a squirming dog”, dröhnen die Stones aus den Ohrhörern. Ja, da winselt es, das widerliche Vieh.

Stones passen eben immer und überall, auch zur I+K-Industrie. Mit “You can’t always get, what you want” hat Arthur Coviello vor zweieinhalb Wochen seine Keynote auf der RSA-Conference begonnen. Und dann hat er versucht, über die Peinlichkeit hinwegzuplaudern, dass Hacker im vergangenen Jahr ausgerechnet in sein Unternehmen eingebrochen sind.

RSA habe daraus gelernt, sagt Coviello, und zwar, dass dagegen das helfe, was er mit der wolkige Phrase “Intelligence-driven Security” bezeichnet. – Da ist die Lyrik der Stones denn doch deutlich besser! Und mit “Hey, you, get off of my cloud” werden sich Hacker wohl nicht verscheuchen lassen.

Die RSA-Conference war, die Consumer Electronic Show, der Mobile World Congress und die CeBIT. Die Kongress- und Messe-Saison ist vorbei.

“What a drag it is getting old” wirft Mick Jagger vom Smartphone aus ein. Eigentlich hätte jetzt ja ein anderes Lied kommen sollen. Aber das hat nicht geklappt: Auch wenn man noch nicht ganz so alt ist wie er, so verwechselt man halt doch leicht die Vor- mit der Zurück-Taste am Smartphone-Kabel.

Aber was immer die Stones auch bringen, es passt eben immer. Genau das nämlich ist das Fazit der IT-Messen dieses Jahres.

Da ist man über Jahrzehnte hinweg IT-mäßig mit der Windows-Benutzeroberfläche sozialisiert worden von Win 3.1 bis Windows 7. Ob man links oder rechts klicken muss, das ist einem genauso in Fleisch und Blut übergegangen wie seinerzeit – als noch Autos mit richtigen Schaltungen verkauft wurden – dass man links kuppelt und rechts Gas gibt. “Some things just stick in your mind” halt.

Und jetzt kann man nicht mehr klicken, sondern muss mit dem Finger auf einem Display herumtapsen. Microsoft hat denn auch sein künftiges Betriebssystem, ein OS, das eigentlich für richtige Computer konzipiert ist, nicht auf der CeBIT in Hannover, wo’s hingehört hätte, sondern in Barcelona vorgestellt – auf einer Messe, die ursprünglich im Fernmeldetechniker-Slang GSM-World hieß. “What a shame!”

Nun hat’s Microsoft ja bekannter Maßen nicht so sehr mit Innovationen. Selbst Programmfenster sind schließlich keine Erfindung aus Redmond. Aber auf einer iPhone-Messe ohne Anwesenheit des iPhone-Herstellers den Ober-Cloner zu mimen, das ist schon sehr dreist. “This could be the last time.”

Der seriösere Part von Wintel, also der Chip-Konzern, hat derweil versucht, sein Silizium in Handys reinzubringen – in Konkurrenz zu ARM. Auf der CES hat er das versucht. “No Expectations!”.

Wie man Computer benutzt – die mittlerweile Telefone sind – und was da hineingehört, das bestimmt nicht mehr Wintel, sondern Apple. Heute kommt ein neues von diesen Gadgets in die Läden. Das kann LTE. “Connection”? – Hierzulande nicht!

Man muss schon einen technisch-geistigen Horizont haben, der gerade mal von Cupertino bis zum Moscone Center in San Francisco reicht, um solche Dinger auf den Weltmarkt zu bringen. Aber sie werden sich bestimmt wieder blendend verkaufen. – “I got the blues”, winselt der Schweinhund und will langsamer laufen.

Dafür bekommt er einen Tritt: “Start me up!” Das war der Song, mit dem Microsoft seinerzeit für Windows 95 geworben hat. Und jeder erfahrene User wusste, warum. – Wegen der zweite Zeile, wo es so treffend heißt: “You make a grown man cry.” Trotzdem, schön war sie, die gute, alte Wintel-Zeit. Allein schon, weil man sich darin so heimisch fühlte. Man fragt sich ja, wie Microsoft Alt+ctrl+del unter der Metro-Oberfläche implementiert hat.

Egal. Linker Mittel- und beide Zeigefinger, Klick und Doppelklick, das ist Vergangenheit. Windows ist “Out of time”. Eigentlich schade drum.

Andererseits: Ein Telefon, das Stones spielt, ist ja auch nicht schlecht. Doch. “I know, it’s only Rock’n Roll. But I like it, like it. Yes I do.”

Anklicken um die Biografie des Autors zu lesen  Anklicken um die Biografie des Autors zu verbergen