Windows 8 kommt mit großen Schritten

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Microsoft setzt bei der kommenden Generation des Client-Betriebssystems nach allen aktuellen Anzeichen auf Markenfortsetzung. Dabei handelt es sich wahrscheinlich bei der Einführung von Windows 8 um den gewaltigsten Schritt seit der Umstellung von Windows 3.x auf Windows 95.

Wie ein Unternehmen die nächste Produktgeneration benennt, beeinflusst auch stark die Erwartungshaltung der Zielgruppe. Gleichfalls lassen sich aber auch Rückschlüsse auf die Selbstreflektion des Herstellers und die vermeintliche Leistungsfähigkeit der neuen Generation ziehen. Dabei haben Anbieter grundsätzlich zwei Optionen: Sie können an einem Namen festhalten – also auf eine Fortsetzung der Marke bauen (wie exemplarisch VW beim Golf: Golf I, Golf II, …, Golf VI), oder sie können für die jeweils nächste Version eines Produktes einen neuen Namen wählen, wie exemplarisch Nintendo es mit seinen Spielekonsolen N64, GameCube und Wii praktiziert.

Welche Strategie sich optimal auf den Markterfolg auswirkt, kann nicht pauschal abgeleitet werden. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass bei einem neuen Namen ein höheres Risiko besteht, aber auch eine größere Option auf die Wahrnehmung von Verbesserungen oder etwas wirklich Neuem. Bei der Markenfortsetzung werden regelmäßig nur Produktverbesserungen erwartet. Hersteller setzen hier besonders auf ihre Reputation und die wahrgenommene Leistungsfähigkeit der Marke.

Microsoft setzt bei der kommenden Generation des Client-Betriebssystems nach allen aktuellen Anzeichen auf Option 1 – also der Markenfortsetzung. Dabei handelt es sich wahrscheinlich bei der Einführung von Windows 8 um den gewaltigsten Schritt seit der Umstellung von Windows 3.x auf Windows 95. Seinerzeit wurde DOS zum Unterbau herabgesetzt, eine neues User Interface etabliert und zahlreiche neue Hardware (FAT32, USB) unterstützt. Auch mit Windows 8 kommen allerhand Neuerungen, die eine starke und umfassende Neuausrichtung des Client-OS auf eine neue Stufe nahelegen. Hierbei sind insbesondere das neue User Interface (“Metro”), die Ausrichtung auf Touch-Bedienung sowie die Konfektionierung für Tablets (Pads) zu erwähnen.

Windows 8 soll auf einer Vielzahl von unterschiedlichen Device-Konfigurationen lauffähig sein, unter anderem Desktops, Notebooks, Tablets und eventuell sogar auf Smartphones mit unterschiedlichen Prozessoren. Die kommende Client-Generation soll sowohl auf den “klassischen” x86-Prozessoren von AMD sowie Intel – also denjenigen Prozessoren, die heutzutage überwiegend in PCs verbaut werden – als auch auf Lösungen basierend auf der ARM-Architektur laufen. Ferner wird großer Wert auf die Interaktion mit den Anwendern gelegt. Windows 8 wird neben dem herkömmlichen Desktop User Interface eine weitere Anwenderschnittstelle aufweisen können. Das bereits im Windows Phone erfolgreich eingeführte User-Interface-Konzept mit dem Namen Metro kommt hier zum Einsatz. Die angebotene Plattform kann auf jedem gewünschten Formfaktor zum Einsatz kommen. Applikationen können über die Geräte hinweg bereitgestellt und integriert genutzt werden. Metro ist eine Touch-fähige Oberfläche, die sehr stark personalisiert werden kann und mit den sogenannten “Live Tiles” (Kacheln) und großen Grafiken daherkommt. Die Nutzer können zwischen dieser und der konventionellen Desktop-Oberfläche hin- und herspringen; letztere soll voll rückwärtskompatibel mit den Anwendungen für Windows 7 sein.

“Consumer Preview” – auch für Unternehmen ein wichtiger Meilenstein

Microsoft hat die Marketingmaschine angeworfen und neue belastbare Informationen zum designierten Nachfolger des erfolgreichen Betriebssystems Windows 7 veröffentlicht. Dabei erfolgte der Auftakt nicht auf der CeBIT in Hannover, sondern bereits in einem prominenteren Umfeld, auf dem Mobile World Congress in Barcelona am 29. Februar. Bereits in unserem Newsletter 42/2011 haben wir zentrale Facetten der nächsten Generation des Client- Betriebssystems von Microsoft vorgestellt. Nun, da Microsoft die “Consumer Preview” von Windows 8 präsentiert hat, gilt es einen weiteren Blick auf die kommende Betriebssystemgeneration zu werfen.

Interessenten können die “Consumer Preview”-Version auf den Seiten von Microsoft herunterladen. Hierbei handelt es sich um eine Art Beta-Release, mit dem sich Privatanwender aber auch insbesondere IT-Verantwortliche schon einmal an die neue Oberfläche und die Programmierungs-Methoden gewöhnen können. Die Windows 8 “Consumer Preview” ist eine stabilere Testversion als die im Herbst 2011 präsentierte Developer-Preview des Betriebssystems. Laut Windows-Chef Steven Sinofsky wurden seit der Fertigstellung der Entwicklerversion im Herbst über 100.000 Veränderungen am Programmcode vorgenommen und die Software weiter entwickelt.

Nach Meinung der Experton Group kann die Vorschau auf Windows 8 Unternehmen tatsächlich eine Vorstellung davon geben, welche Betriebssystem-Strategie in Zukunft von Microsoft zu erwarten ist. Microsoft baut sein Windows-Ökosystem so aus, dass auf Basis einer einzigen Oberfläche sämtliche Bildschirm-Varianten abgedeckt werden können. Laut Microsoft wird hierdurch eine Lösung “ohne Kompromisse” ermöglicht, die die Bedarfe der Anbieter trifft. Andere, aktuell insbesondere auf mobilen Endgeräten erfolgreiche, Anbieter wie Apple (mit iOS und MacOS) oder Google (mit Android und Chrome) gehen hier einen anderen Weg.

Entscheider sollten auf Basis der im Unternehmen vorhandenen Ist-Situation unterschiedliche Szenarien erstellen. Hierzu sollten zwingend Themen wie Testing und Anpassung von Migrationen eingebunden werden. Ferner gilt es, diese Szenarien mit den Anforderungen der Anwender und der Client-Strategie (Frage: “Welche Formfaktoren sollen wie eingesetzt werden?”) zu spiegeln. In diesem Zusammenhang gilt zwingend, die vorhandenen Lizenzverträge hinsichtlich Leistungsrechten, Laufzeiten etc. einzubeziehen. Auf Basis dieser drei Elemente (“theoretische Migrations-Szenarien”, Client-Strategie inkl. Anwenderbedarfe und Lizenzsituation) gilt es, die Entscheidung zu treffen.

Alles Neue macht die Consumer Preview

Zu den wohl wichtigsten Facetten und den zu analysierenden Funktionen und Eigenschaften von Windows 8 für den Unternehmenseinsatz zählen:

  • Benutzeroberfläche: Windows 8 soll personalisierte Geräte mit Sicherheits- und Verwaltungsfunktionen ermöglichen. Zu den Neuerungen gehören der Windows 8-Startbildschirm und intuitiv bedienbare Apps im Metro-Stil. Sowohl durch Mehrfingereingabe als auch bei Verwendung einer herkömmlichen Maus und Tastatur kann so produktiver gearbeitet werden. Branchen-Apps sollen sich auf dem gesamten Bildschirm darstellen lassen und sollen so in der jeweiligen Nutzungsvariante einfach(er) zu bedienen sein.

  • Tablets: Windows 8-basierte, geschäftlich genutzte Tablets sind auf Fingereingabe optimiert und lassen sich nach den Anwenderbedürfnissen personalisieren. Voraussetzung für diese Nutzungsform sind leistungsfähige Apps im Metro-Stil. Deshalb gilt es bereits frühzeitig zu validieren, wie Eigenentwicklungen umgesetzt und angepasst werden können, und welche Aktivtäten die im Unternehmen eingesetzten ISV-Lösungen bieten (bzw. bieten werden). Selbstverständlich lassen sich in mobilen bzw. Tablet-basierten Arbeitsumgebungen auch Maus und Tastatur nutzen.

  • Neue Möglichkeiten für die Arbeit unterwegs: Benutzern, die zunehmend auch außerhalb des Büros tätig sind, soll Windows 8 Produktivitätssteigerungen bei gleichzeitig höherer Sicherheit und besserer Konnektivität ermöglichen. Windows 8 beinhaltet Windows to Go. Hiermit können Firmen eine vollständige Kopie der Unternehmensversion von Windows 8 (mit den Branchen-Apps, Daten und Einstellungen des Benutzers) auf einem USB-Speichergerät zur Verfügung stellen. Außerdem soll Windows 8 Verbesserungen an DirectAccess und integrierten Breitbandmobilfunk mit systemeigener Unterstützung der Telekommunikationsstandards 3G und 4G (LTE) bieten.

  • End-to-End-Sicherheit: Funktionen wie der vertrauenswürdige Start, die verbesserte BitLocker-Laufwerkverschlüsselung, AppLocker sowie die anspruchsbasierte Zugriffssteuerung (=Authentifizierungsmodus) sollen beim Schutz von Unternehmensdaten auf Client-Geräten, im Netzwerk und der Back-End-Infrastruktur helfen.

  • Virtualisierung: Windows 8 soll Virtualisierung mit HD-Grafik sowie Unterstützung für Fingereingabe und USB-Geräte an einem lokalen PC ermöglichen. Ziel ist es, dass IT-Abteilungen virtuelle Desktopinfrastrukturen einfacher und kosteneffizienter implementieren können. Zusätzlich beinhaltet Windows 8 Microsoft Hyper-V, eine hochleistungsfähige Client-Virtualisierungstechnologie, mit der Unternehmensentwickler mehrere Konfigurationen von Apps und Betriebssystemen auf einem einzigen PC gestalten, testen und debuggen können, anstatt für jede Konfiguration einen separaten Computer zu benötigen.

  • Verwaltung: Windows 8 lässt sich problemlos in die meisten bestehenden Clientverwaltungsumgebungen integrieren, und Verwaltungsaufgaben können mithilfe der Windows PowerShell-Automatisierung einfacher erledigt werden.

Betrachtung im Kontext

Angesichts der Entwicklungen im Tablet-Markt durch die Angebote von Apple als Komplettanbieter und Android als Plattform gilt es, auch die Bedeutung des Client-Betriebssystems im Allgemeinen und die Lizenzierung von Windows für den Client im Speziellen zu reflektieren. Hierzu gilt es, den PC- bzw. Client Lifecycle im eigenen Unternehmen zu betrachten und unterschiedliche Szenarien zu entwerfen.
Deshalb gilt es, losgelöst von einer Betrachtung der Funktionen und Einsatzbereiche von Windows 8 folgende Punkte zu beachten:

  • Wie sieht die eigene Lizenzsituation im Unternehmen aus?

  • Wie sieht der Client-Hardware-Zyklus im Unternehmen aus?

  • Wie viele Mitarbeiter benötigen einen Tablet-PC?

  • Wie vielen Mitarbeitern reicht ein Pad bzw. Tablet?

  • Wie viele Mitarbeiter benötigen einen Tablet-PC und ein Pad (und ein Smartphone)?

  • Wie viele Mitarbeiter nutzen ihre eigenen Endgeräte im Unternehmen? Und welche Auswirkungen hat dies auf die Client-Strategie?

  • Werden von den ISV bedarfsgerechte Anwendungen angeboten, die die neuen Konzepte (Metro-Design, interaktive Kacheln, etc.) unterstützen?

Für Unternehmen, die gerade erst auf Windows 7 umgestellt haben, wird es sicherlich zusätzliche interne Herausforderungen geben. So wird es für viele IT-Verantwortliche schwer zu erklären sein, innerhalb von drei bis vier Jahren zwei vollständige Betriebssystems-Upgrades durchzuführen. Hinzu kommt dann auch noch sehr wahrscheinlich eine Umstellung der Office-Client-Lösungen, die die Touch-Optionen und Bedienkonzepte integriert umsetzen und unterstützen. Unternehmen, die auf Windows 7 umgestiegen sind oder gerade von XP umsteigen, haben auch ohne Windows 8 langfristige und vielfältige Optionen, wenn sie ihre Lizenz- und Client-Hardware zeitnah prüfen. Bei einer Stufen-Migration oder dem Parallelbetrieb kann es Herausforderungen im Management der Geräte, der Bereitstellung von Software und dem Support geben.

Ferner müssen IT-Verantwortliche für sich selbst feststellen, ob Windows 8 die vielseitige Lösung sein wird, als welche Microsoft das Client-OS positioniert. So ist es fraglich, ob Windows 8 für alle Nutzergruppen (Privat und im Unternehmen – und hier nach unterschiedlichen Anwenderrollen, bezogen auf die Eingabeformate “Touch” und “Tastatur & Maus” sowie die unterschiedlichen Formfaktoren wie Desktop, Notebook, Tablet, Pad, …) ein nahtloses Angebot sein wird.

Microsoft setzt bei der Markteinführung stark auf die Konsumenten als Treiber der Technologie. Es wird spannend zu sehen sein, wie, wann und ob diese Strategie aufgehen wird.

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