RIM stellt sich der Realität

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125 Millionen Dollar Verlust und die Umsätze brechen um ein Viertel ein. Der BlackBerry schreibt rote Zahlen und er braucht dringend eine Frischzellenkur.

“Es ist mir klar, dass wir substantielle Veränderungen brauchen”, gesteht der frisch angetretene CEO Thorsten Heins bei einem Konferenzcall anlässlich der Quartalszahlen. Noch vor rund zehn Wochen, bei seiner Amtsübernahme von Jim Balsillie und Mike Lazaridis hatte er erklärt, RIM sei auf dem rechten Weg.

Der Weg auf dem sich RIM derzeit befindet führt offensichtlich nicht die Zukunft, die derzeit Android und iOS unter sich auf teilen. Aber Heins will sich noch nicht geschlagen geben. Man werde jetzt aufhören, so zu tun, als wäre man eine Consumer-Marke.

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BlackBerry soll da wieder erstarken, wo auch die Wurzeln des einstigen Erfolges des Smartphones liegen und das ist im Unternehmensumfeld. Jetzt will man sich bei dem kanadischen Anbieter wieder darauf konzentrieren, Dienste mit starker Business-Ausrichtung anzubieten. Features für Verbraucher wolle RIM dann vermehrt mit Partnern abdecken. Andere Produkte, die diesen Business-Aspekt nicht abdecken, werde Heins stoppen.

Weil RIM “versucht hat, alles für alle Leute zu bieten” habe sich das Unternehmen übernommen. Dennoch werde man auch weiterhin günstige BlackBerry 7-Smartphones anbieten. Günstigen Angebote sollen das langsame Ausbluten der Plattform verhindern.

Vor dem ehemaligen Siemens-Manager Thorsten Heins liegt in den nächsten Wochen und Monaten viel Arbeit. Quelle: CNET.com
Vor dem ehemaligen Siemens-Manager Thorsten Heins liegt in den nächsten Wochen und Monaten viel Arbeit. Quelle: CNET.com

Immer wieder schlagen Übernahme-Gerüchte auf. Doch Heins betont, dass es derzeit ein wichtiges Ziel RIMs sei, unabhängig zu bleiben. Dennoch wolle sich der BlackBerry-Hersteller anderen Möglichkeiten wie einem Joint Venture oder Lizenzabkommen nicht verschließen. So sei man bestrebt, nach wie vor Netzwerk, Geräte und Software selbst anzubieten und somit das gesamte Ökosystem zu kontrollieren, doch auch hier scheint RIM über Partnerschaften nachzudenken. Wenn man auf die Geschichte des Unternehmens blickt, wären das harte – bis vor kurzem noch undenkbare – Schritte.

Doch viele andere Möglichkeiten scheint Heins derzeit nicht zu haben, wenn man sich die Quartalszahlen einmal vornimmt. Und harte Schritte könnten auch im Management des kanadischen Herstellers bevorstehen, wie Heins bereits im Vorfeld angedeutet hatte. So gibt der frühere Co-CEO Jim Balsillie gibt seinen Sitz im Vorstand auf. Des Weiteren verlassen Chief Technology Officer David Yach und Chief Operating Officer Jim Rowan das Unternehmen.

Damit könnte Heins etwas Zeit gewinnen, bis man die Plattform BlackBerry 10 in der zweiten Jahreshälfte 2012 auf den Markt bringt. Heins hofft, mit dieser neuen Version des Betriebssystems die Wettbewerbsfähigkeit und die Attraktivität von BlackBerry und vor allem den Business-Fokus wieder herzustellen. “Wir manchen die notwedigen Änderungen in unserem Unternehmen”, versichert Heins. Nur ist zu hoffen, dass die Zeit noch nicht abgelaufen ist. Denn Konkurrenten wie Apple oder Samsung werden zwischenzeitlich wieder mit neuen Produkten auf den Markt drängen.

Denn Research In Motion hat im vierten Fiskalquartal 2012 einen Verlust von 125 Millionen Dollar oder 0,24 Dollar je Aktie verbucht. Vor einem Jahr wies die Bilanz noch einen Gewinn von 934 Millionen Dollar oder 1,74 Dollar je Anteilsschein aus. Der Umsatz des kanadischen Smartphone-Herstellers schrumpfte um 25 Prozent auf 4,2 Milliarden Dollar.

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Analysten hatten einen Aktiengewinn von 0,81 Dollar je Aktie bei Einnahmen von 4,54 Milliarden Dollar vorausgesagt. Der Kurs der RIM-Aktie fiel im nachbörslichen Handel um 2,4 Prozent oder 0,33 Dollar auf 13,40 Dollar. Den gestrigen Handelstag hatte das Papier mit einem Plus von 0,44 Prozent abgeschlossen.

Das Quartalsergebnis wird durch einmalige Abschreibung in Höhe von 543 Millionen Dollar belastet. Davon entfallen 197 Millionen Dollar auf den Wert der Lagerbestände bestimmter Blackberry-7-Produkte. Aber auch die Verkaufszahlen brachen deutlich ein. Im abgelaufenen Quartal setzte das Unternehmen lediglich 11,1 Millionen Blackberry-Geräte ab, 21 Prozent weniger als im dritten Geschäftsquartal und 26 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das Blackberry Bold habe sich, im Gegensatz zu den nur per Touchscreen zu bedienenden Modellen, relativ gut verkauft.

[mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de]

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