CIO Jury: Der lange Weg zu Lean IT

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Kurz nach dem Start unserer Medienpartnerschaft hat silicon.de in diesem Mai die silicon.de CIO Jury erstmals in Zusammenarbeit mit CIONET durchgeführt. Zum Auftakt haben wir unsere gemeinsame Jury zu Thema Lean IT – also verschlankte IT – befragt. Das Ergebnis ist eindeutig.

“Nutzen Sie in Ihrem Unternehmen bereits Lean-IT-Methoden?” so der exakte Wortlaut der Frage, die die überwältigende Mehrheit der CIOs mit ‘Nein’ beantwortet hat. Lediglich 13 Prozent stimmten mit ‘Ja’, bei allen anderen spielt Lean IT im Unternehmen offenbar noch keine Rolle.

Die Gründe für die breite Ablehnung lassen sich nur erahnen. Vor allem diejenigen die sich bereits mit dem Thema auseinandergesetzt haben, gaben und Auskunft über ihre Motivation.

“Lean IT verstehen wir als Ansatz, den Anwender in den Mittelpunkt des Geschehens zu bringen, ohne berechtigte IT-Interessen zu vernachlässigen”, schreibt etwa Jürgen Renfer, Abteilungsleiter Informationstechnologie bei der KUVB (Kommunale Unfallversicherung Bayern, Bayerische Landesunfallkasse). “Kurz: Nutzung anerkannter Methoden wie beispielsweise Cobit, ITIL, ISMS usw. in angemessenem (!) Umfang, um interne Abläufe schlank zu halten, ohne Prozesse zu vernachlässigen.”

VMS-CEO Ralph Treitz sieht einen Zusammenhang zwischen Lean IT und dem aktuell wesentlich populärerem Thema Cloud Computing. “Auch wenn die Diskussion nicht immer unter dem Titel Lean IT geführt wird, so ist doch die ganze Cloud-Technologie-Diskussion eine, die sehr viele Elemente aus dem Lean-Thema aufgreift.” Die Reduktion von “Lieferaufwänden” entspreche so beispielsweise einfachen Bereitstellungsprozessen in der Cloud. Die Vermeidung von ungenutzten Ressourcen, wie sie ein Lean-Management vorsieht, findet sich laut Treitz in der Cloud-Idee wieder, durch Virtualisierung eine Überversorgung mit Hardware zu vermeiden.

Der Vergleich zwischen Lean in der klassischen Fertigung und Lean IT zeige aber auch, wo es in vielen Firmen noch Nachholbedarf gebe. “In der IT ist der Anteil nicht-repetitiv gestalteter Vorgänge an den Gesamtkosten heute deutlich zu hoch. IT hat also Nachholbedarf in der Identifikation von industrialisierbaren Arbeiten”, so Treitz. “Systemüberwachung wird mit viel personellem Aufwand in Servicecentern erledigt, Systemoptimierung wird als Kunst, nicht als repetitiver Prozess verstanden. Hier sträubt sich die IT heute noch häufig ihre eigene Medizin zu schlucken.”

Möglicherweise fehlt es in vielen IT-Abteilungen also an den notwendigen Voraussetzungen und auch Fachwissen, um Lean-IT-Projekte umzusetzen. Am Interesse jedenfalls mangelt es nicht, sagt Tobias Frydman, Deutschland-Geschäftsführer von CIONET: “Auch wenn das Ergebnis der Umfrage unter den CIONET Mitgliedern überraschend eindeutig ‘negativ’ ist, gibt es aktuell viel Interesse an dem Thema Lean IT im CIONET.” Die Organisation hat unter anderem mit der Gründung einer Special Interest Group reagiert. In der Gruppe ‘Agile & Lean Management in IT’ werden seit April Erfahrungen ausgetauscht und insbesondere die Herausforderungen aber auch die Chancen dieser Vorgehensweise diskutiert.

Die Unternehmensberater von Arthur D. Little gehen davon aus, dass das ‘Prinzip Agile’ einen starken Impuls für eine Lean-Management-Welle innerhalb von Unternehmen auslösen kann. Beide Ideen sind eng miteinander verknüpft.

Eine Studie von CA pries Lean IT bereits 2009 als wirkungsvolle Reaktion auf die Wirtschaftskrise. “Die Studie belegt, dass Unternehmen eine Lean IT-Strategie nicht nur anwenden, um gut durch die angespannte wirtschaftliche Situation zu kommen. Sie setzen sie auch als Wachstumskatalysator ein, der greift, sobald die Wirtschaft wieder einen Aufschwung erlebt”, so Kirsten Cox, Senior Principal Product Marketing bei CA. Der Titel der Studie “Preparing for the Upturn with Lean IT” scheint heute so aktuell wie damals.

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