Itanium-Streit: Ring frei für Oracle und HP

Management

Nachdem ein letzter Einigungsversuch Anfang Mai gescheitert war, startet an diesem Donnerstag der Prozess zwischen Oracle und HP. Im Mittelpunkt steht Oracles Entscheidung, den Support für Intels High-End-CPU Itanium zu beenden. Kurz vor Prozessbeginn hat sich Oracle-Chef Ellison zu Wort gemeldet.

Bei der Konferenz All Things D in Kalifornien wiederholte er im Wesentlichen seine Kritik an der Entscheidung des HP-Verwaltungsrats im Jahr 2010, den damaligen CEO Mark Hurd zu feuern. Das sei die “tollste” Idee gewesen, seit der Apple-Verwaltungsrat vor vielen Jahren Steve Jobs den Laufpass gab. Hurds Nachfolger Leo Apotheker – er hatte sich lediglich 11 Monate an der Spitze von HP gehalten – nannte Ellison laut Financial Times Deutschland einen “Idioten”.

Mehr Gnade in den Augen des Oracle-CEOs findet dagegen dem Bericht zufolge die amtierende HP-Chefin Meg Whitman: “Ich wünsche Meg Whitman nur das Beste”. Der Prozess zwischen den beiden Konzernen beginnt an diesem Donnerstag, nachdem Oracle Anfang Mai eine außergerichtliche Einigung ausgeschlossen hatte.

Der Konzern hatte sich – nach Red Hat und Microsoft – Anfang vergangenen Jahres dazu entschieden, den Support für den Itanium zu beenden. Die Entscheidung wog besonders schwer: Schließlich ist Oracle nicht nur der wichtigster Datenbank-Hersteller, sondern auch der zweitgrößte Anbieter von Enterprise-Software. Im Juni 2011 reichte HP daraufhin Klage gegen Oracle ein. HP wirft Oracle vor, vorsätzlich HP-Kunden schaden zu wollen.

Oracle hatte die Vorwürfe steht zurückgewiesen und begründet seine Entscheidung mit angeblichen Plänen Intels, sich auf seine x86-Prozessoren zu konzentrieren und den Support für Itanium auslaufen zu lassen.

HP verlangt den Gerichtsunterlagen zufolge Schadenersatz in Höhe von vier Milliarden Dollar für entgangene Gewinne. Oracle wies die Anschuldigungen seines Gegners und auch die Berechnungen zur Höhe des angeblich entstandenen Schadens als unbegründet zurück.

Laut Reuters hatten beide Parteien beim Santa Clara County Superior Court zuvor die Abweisung der jeweiligen Klagen und eine Entscheidung ohne Verhandlung zu ihren Gunsten beantragt. Der zuständige Richter James Kleinberg lehnte das jedoch ab und verglich den Fall mit einer Scheidung.

Marktbeobachter hatten von Anfang an auch eine persönliche Komponente in dem Streit vermutet. Der gefeuerte Ex-CEO von HP, Mark Hurd, ist ein persönlicher Freund von Oracle-Chef Larry Ellison. Nach seinem Rauswurf bei HP machte ihn Ellison zu einem von zwei Präsidenten seines Unternehmens.

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